Mahnwache des "Bündnis gegen Atomkraft Obertshausen"

Obertshausen: Hit-Brunnen | Anlässlich des fünften Jahrestages von Fukushima und zum 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl lud das „Bündnis gegen Atomkraft“ in Obertshausen am Freitagabend zur Mahnwache ein.

Sophie Eckert, Mitinitiatorin des Bündnisses, erinnerte daran, dass vor 30 Jahren die Welt kurzfristig den Atem angehielt, als im fernen Tschernobyl der Super-Gau passierte. Man hätte denken können, dass nichts mehr so war wie vorher. Aber nach dem heftigen Schock ging alles so weiter wie bisher. Die Welt hat weitere Atomreaktoren gebaut. Und weiter erklärt sie, nach Fukushima war es anders: In unserem Land begann der stufenweise Ausstieg aus der Atomenergie und die Hinwendung zu den Erneuerbaren. Auch wenn alles viel zu langsam ginge, war die Energiewende ein bemerkenswerter mutiger Schritt in die richtige Richtung.

"Wo stehen wir heute?", fragt Physiker Heinz Haberzettl. Die Gefahren, die von Atomkraftwerken in vielerlei Weise ausgehen, scheinen durch die alles überdeckenden Krisen und Kriege in Syrien und vielen anderen arabischen Staaten völlig aus dem Blick geraten zu sein. Das große Problem der nicht enden wollenden Flüchtlingsströme verunsichert die Menschen. "Wem sind da noch die Probleme bewusst, die von der Atomkraft ausgehen", fragt Haberzettl. Aber die Gefahren seien nicht geringer geworden. Und das Problem der Endlagerung des atomaren Abfalls schiebe die Politik in weite Ferne. "Gibt es überhaupt eine Lösung dieses Problems?", heißt es.

Ein weiteres großes Menschheitsproblem sei ins Bewusstsein gerückt: die Klimakatastrophe. Sie werde von vielen als weit bedrohlicher als Atom- und Flüchtlingskonflikt empfunden. Hier schrien die Politiker wieder nach der angeblich so sauberen Atomkraft, statt die Erderwärmung im Kern zu bekämpfen.

Auch wenn andere politische Themen die Atomproblematik überdeckten, so sei es dennoch Verpflichtung und Mahnung, wachsam zu bleiben. Die Probleme würden auf viele Jahrzehnte noch ungelöst und bedrohlich bleiben, meint Oliver Bode in seinem Teil der Sprechmotette. Es sei ein Märchen, dass ein Super-Gau wie in Fukushima in Deutschland nicht erneut passieren könne (Versagen des Kühlsystems, Terrorangriffe, Erdbeben). Außerdem sei weiterhin fraglich, wohin mit dem Atom-Müll? Es sei noch immer keine Endlagerstätte in Sicht. Auch die Zwischenlagerung sei ungeklärt, nachdem Gorleben für Castor-Transporte vorerst nicht mehr in Frage komme. Im AKW Biblis lagerten bereits 52 Castoren. Hessen sei zur Aufnahme weiterer Castoren bereit.

Die Energiewende und Atomwende unterscheiden sich, würden in der Öffentlichkeit aber gleichgesetzt, so Bündnis-Sprecher Klaus-Uwe Gerhardt . Bis 2022 sollen die letzten acht AKW´s abgeschaltet werden und bis 2050 soll Deutschland mit Strom allein aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Deutschland sei Vorreiter, aber die Energiewende werde von den Konzernen schlecht geredet. Die Energiewende sei zu teuer, die Strompreise würden explodieren und der Strom aus französichen AKW´s müsse teuer bezahlt werden, heißt es seitens der Atomlobby.

Nichts davon stimme. Richtig sei, dass das EEG auf die Verbraucher umgelegt werde. Die historisch niedrigen Strompreise an der Leipziger Strombörse würden aber nicht an Verbraucher weitergereicht und so dem Stromkunden eingeredet, die hohen Strompreise lägen an der staatlichen Förderung der Erneuerbaren Energien, deren Entwicklung damit ausgebremst werde. Die Wirtschaft verspiele so ihre Chance Weltmarktführer bei den Erneuerbaren zu sein, und der Solar-Boom gehe an Deutschland vorbei. Die deutschen AKW´s seien im Übrigen keineswegs sicherer als die in anderen Ländern, wie die lange Liste von Störfällen zeige. Die lokale Wirtschaft profitiere zudem von der dezentralen Energieerzeugung.

Konkret fordert das Bündnis, dass weder Kohle-, noch Atomenergie in Zukunft gefördert und genutzt werden sollten. "Die Energiewende ist bezahlbar, aber Atomstrom kann das Leben kosten", meint Christel Wenzel-Saggel. Daher gelte es weiter wachsam zu bleiben und sich die Energiewende nicht schlecht reden zu lassen, so Cornelia-Wicht-Gerhardt abschließend.
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8 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 05.03.2016 | 18:17  
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Klaus-Uwe Gerhardt aus Obertshausen | 05.03.2016 | 19:16  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 05.03.2016 | 22:24  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 06.03.2016 | 10:57  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.03.2016 | 19:26  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 09.03.2016 | 19:38  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.03.2016 | 19:54  
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