NS-Herrschaft und Krieg - Oberammergau 1933-1945

Wann? 08.11.2015

Wo? Oberammergau Museum, Dorfstraße 8, 82487 Oberammergau DE
Oberammergau: Oberammergau Museum |

4. April 2015 bis 8. November 2015 im Oberammergau Museum
Eine Ausstellung von Archiv und Museum anlässlich 70 Jahre Kriegsende

Das Dorf im Nationalsozialismus


Die Entwicklung Oberammergaus im Dritten Reich ist in vieler Hinsicht exemplarisch, weist aber auch typische Besonderheiten auf. Die Ausstellung zeigt, wie die nationalsozialistische Politik das politische, wirtschaftliche und soziale Leben in dem oberbayerischen, katholischen Dorf veränderte und mehr und mehr dominierte. Zunächst prägten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Aufrüstung das Bild: es gab umfangreiche Bauprogramme wie die Ammerregulierung, den Siedlungsbau in St. Gregor und den Kasernenbau, durch den Oberammergau zum Wehrmachtsstandort wurde.

Das Dorfleben wurde zunehmend durch Mechanismen der Unterdrückung und Zwängen zur Anpassung bestimmt. So versuchte der Staat schon in der Vorbereitungsphase die Jubiläumspassionsspiele 1934 (300 Jahre) für die nationalsozialistische Ideologie zu vereinnahmen - dies gipfelte in einem propagandistisch inszenierten Besuch Adolf Hitlers im August 1934. Als typische Ferienregion wurde Oberammergau natürlich auch von jüdischen Familien besucht. Seit 1935 wurde jedoch die „Arisierung“ des Fremdenverkehrs sowie die Diskriminierung und schließlich Vertreibung der jüdischen Bevölkerung hier -wie im gesamten Landkreis- Realität. Gleichzeitig erfolgten Restriktionen gegen kirchlich oder weltlich motivierten Widerstand.

Kriegszeit


Dann veränderte der Krieg die Bevölkerungsstruktur noch einmal grundlegend. Nach auswärtigen Bauarbeitern und Wehrmachtssoldaten kamen nun Zwangsarbeiter, Evakuierte und Rückwanderer. Im Mai 1940 trafen z.B. an die 200 vorwiegend ältere Südtiroler Umsiedler ein, die Italien verlassen mussten und im Dorf unter lagerähnlichen Bedingungen lebten. Oberammergau war auch Ort des Arbeitskräfteeinsatzes von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, zuerst in der Land- und Forstwirtschaft, dann aber auch im Stollenbau und der Rüstungsproduktion. 1943 wurden Fertigungsstätten des Flugzeugherstellers Messerschmitt hierher verlagert. Die Interessen des kriegswichtigen Rüstungsbetriebs bestimmten bald die Dorfpolitik und vereinnahmten die knappen Ressourcen. Insgesamt waren in Oberammergau neun

Rüstungsbetriebe angesiedelt, die Firma Osram etwa hatte ein Lampenlager im Passionstheater. Gegen Kriegsende kam sogar Wernher von Braun mit 400 Technikern und Raketenfachleuten nach Oberammergau.

Kriegsende


Das Kriegsende und die Übergabe des Dorfes durch den 2. Bürgermeister Alfred Bierling und Melchior Breitsamter an die Amerikaner verlief weitgehend friedlich. Militär und SS waren bereits abgezogen und Oberammergau hatte sich mit der Wehrmachtskommandatur in Garmisch geeinigt, dass eine Verteidigung nicht stattfinden sollte. Bei dem sinnlosen Unterfangen junger Offiziersschüler am hinteren Ortsausgang Oberammergaus eine Panzersperre gegen die US-Amerikaner zu verteidigen, fanden dennoch sechs Menschen den Tod.

In Holz geschnitzt


Für den Besucher besonders beeindruckend ist, dass sich all dies nicht nur in Photographien, Dokumenten, Filmaufnahmen und Zeitzeugeninterviews wiederspiegelt, sondern gerade auch in den von Oberammergauern geschnitzten Exponaten dieser Zeit. 1934 wurden in der größten Verlagswerkstatt Gg. Lang sel. Erben noch v.a. Krippen-, Heiligenfiguren und Passionssouvenirs geschnitzt, seit 1940 wurden dann aber mehr und mehr Arm- und Beinprothesen hergestellt. Anfangs prägte noch die NS-Ästhetik, die Anpassung an die veränderte Nachfrage und die Glorifizierung des Soldatentums das Schnitzhandwerk, dann manifestierten sich vor allem die Erfahrung von Krieg, Gefangenschaft, sowie persönliches Leid im geschnitzten Holz.
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