40. Bardentreffen in Nürnberg

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World . Music . Festival, unter diesem Motto stand das Bardentreffen 2015 im Herzen der historischen Nürnberger Altstadt. An vier Tagen zog das Festival im Jubiläumsjahr rund 200.000 Besucher an. Viele Musikinteressierte nutzten die Gelegenheit neben dem für die Besucher des Festivals kostenfreien, musikalischen Programm auf neun Bühnen, auch die Geschichte der Kaiserstadt, die immer wieder mit interessanten Events von sich reden macht, zu entdecken.



Das Kulturangebot der Stadt Nürnberg ist vielfältig. Das kommt sowohl den Wünschen der Bewohner als auch den zahlreichen Gäste aus aller Welt entgegen. Ein Angebot mit 40jähriger Tradition ist das Bardenfestival. Die größte Bühne stand in diesem Jahr auf dem Hauptmarkt mit der beeindruckenden Kulisse der Frauenkirche. Aber auch die anderen Spielorte wie z.B. die Insel Schütt, der Sebalder Platz oder St. Katharina zogen zahlreiche Zuhörer an. Dazu kamen an zwei Abenden eine Barden-Disco und von Freitag bis Sonntag eine Straßenbühne an der Karolinenstraße.

Viele Musiker spielten zudem in der Altstadt. Sie suchten und fanden, wie in den Vorjahren, ihr Publikum auf kleinen Plätzen, Straßen, Gassen und Brücken. Darunter waren viele Musiker und Musikerinnen, die man sich durchaus auf einer Bühne vorstellen kann, wie „oh lonesome me“. Das sind zwei junge Frauen, die musikalisch zwischen Berlin und München unterwegs sind und eine eigene CD veröffentlicht haben. Aber es gab auch vereinzelt Kinder, die mehr oder weniger zaghaft mit Flöte oder anderen Instrumenten auftraten und erste musikalische Gehversuche machten. Überall in der Altstadt erklang Musik, sogar von einer Band, die unter großer Anteilnahme auf einem Balkon spielte. Auch nach den offiziellen Konzertenden um 23 Uhr waren Musikbegeisterte in der ganzen Stadt unterwegs. Man spürte, dass das Bardentreffen mit seiner eigenen Musikgeschichte und Entwicklung in der Stadt starke Wurzeln hat.

Die künstlerische Leitung und Organisation lag in diesem Jahr erstmalig bei Rainer Pirzkall, der wie sein langjähriger Vorgänger Charly Fischer nicht nur Manager sondern selbst auch Musiker ist. Pirzkall kennt das Bardentreffen seit vielen Jahren, liebt Musik und will das Bardentreffen kontinuierlich weiterentwickeln. Für das Jubiläumsjahr hat er zusätzlich ein Sonderkonzert am Donnerstagabend auf dem Hauptmarkt, die gut angenommenen Künstlergespräche im Burgtheater und eine Gesprächsreihe mit Künstlern des Festivals initiiert.

Gut kam bei den Besuchern auch das reich bebilderte Programmheft mit einem Rückblick auf die letzten Jahrzehnte und dem aktuellen Programm an. Darin enthalten sind auch 40 Stimmen von Musikern, Musikmanagern, Fans und Politikern mit ihrer persönlichen Einschätzung des inzwischen größten deutschen Open-Air-Festivals. Musikalisch hat Rainer Pirzkall, wenn man die aufmerksamen Zuhörer und die hohen Besucherzahlen betrachtet, wohl alles richtig gemacht. Dazu gehört ein Gespür für eine ausgewogene Programmplanung und auch Künstler vor dem großen Durchbruch zu entdecken. Am Samstagabend sah man ihn mitten unter den Zuhörern von Gabby Young. So kann man als „Macher“ am besten erkennen, wie die Stimmung mitten auf dem Platz ist und was wie gut beim Publikum ankommt.

Vor mehr als 10.000 Zuschauern machte beim Konzert am Donnerstagabend der Liedermacher, Folk- und Rocksänger Stefan Stoppok mit seinen Gästen Christina Lux, Astrid North und dem kanadischen Sänger und Musiker Martin Gallop den Auftakt für das 40. Bardentreffen. Mit dem Lied „Am schönsten ist es immer anderswo“ und „La Kompostella“, hatte der mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnete Stoppok die Zuhörer schnell auf seiner Seite. Stoppok kann beides, er kann sowohl humorvoll als auch nachdenklich sein. Martin Gallops gefühlvolles „Strange Place Called Home”, das war an diesem Sommerabend für viele der Nürnberger Hauptmarkt. Später im Dunklen und bei Vollmond trat der Schweizer Sänger und Gitarrist Stephan Eicher und die Automaten auf. Eicher präsentierte mit seinem Automaten-Orchester und einer Lichtshow auf außergewöhnliche Weise Songs und Lieder. Bekannt ist der Berner Musiker seit Anfang der 80er Jahre, als er es mit seinem Bruder mit dem Hit „Eisbär“ in die Hitparaden schaffte. In der Schweiz und in Frankreich geht Eicher, der dort für außergewöhnliche Projekte besonders beliebt und bekannt ist, oft auf Tournee. Die Zuschauer ließen ihn in Nürnberg nicht ohne Zugaben von der Bühne gehen.

Am Freitagabend trat die in Istanbul geborene, mehrsprachige Sängerin Cigdem Aslan auf der Insel Schütt auf. Auf dem Hauptmarkt begeisterte die temperamentvolle Fanfare Ciocarlia aus Rumänien mit Blasmusik im Gypsy Sound. Auch dieses Konzert war ein Fest für Ohren und Augen. Deshalb mussten die Besucher sich immer wieder entscheiden, denn das Programmheft bot sehr viel Auswahl. Auch die ausgefallen gekleidete Gabby Young & Other Animals war musikalisch ein Highlight. Die Britin mit der klassisch ausgebildeten Stimme komponiert, spielt Klavier, Geige und Saxophon und bezauberte das Publikum auch auf der Bühne mit einem spektakulären Auftritt. Und dann gab es noch: Musik mit viel Herz, gefühlvollen Pop, Pub-Rock aus Fürth und vieles mehr. Viel Begeisterung gab es auch bei den Zuhörern der Konzerte in der besonderen Atmosphäre der Ruine der ehemaligen Klosterkirche St. Katharina.

Das Bardentreffen präsentierte sich im Jubiläumsjahr „Jung wie nie.“ Seit 10 Jahren
gibt es am Rande des Festivals im Sebalder Pfarrhof ein Sommerprojekt bei dem junge Leute, Waffeln und Snacks selbst herstellen und preisgünstig verkaufen. Die Jugendlichen, die sich auch anderweitig engagieren, verdienen damit Geld um ihre Jugendfreizeiten zu finanzieren. Nach dem Festival ist vor dem Festival, deshalb machen sich Rainer Pirzkall und sein Team ab sofort Gedanken über das Programm des nächsten Bardentreffs. Anfang Oktober bis Ende Dezember 2015 ist der offizielle Bewerbungszeitraum für das Bardentreffen 2016, das vom 29. bis 31. Juli stattfinden wird.

Nürnberg ist eine Stadt mit hoher Festivaldichte und vielfältigen Veranstaltungen. Neben dem traditionsreichen Bardentreffen zählt dazu auch Europas größtes Klassik Open Air. Jährlich wiederkehrende kulturelle Veranstaltungen sind auch die Blaue Nacht und Stadt(ver)führungen. Der Termin für Rock im Park 2016 in Nürnberg steht ebenfalls fest. Die Bands werden vom 3.Juni bis 5. Juni 2016 auf dem Zeppelinfeld auftreten. Alle zwei Jahre findet das größte und älteste Festival zum Thema Menschenrechte in Nürnberg statt. Das nächste Festival, das engagierte Filmkunst präsentiert, beginnt am 30. September und dauert bis zum 7. Oktober 2015. Ebenfalls alle zwei Jahre gibt es das Internationale Theater-Festival. Das nächste Mal zu erleben ist es vom 19. bis 24. Januar 2016. Auch außerhalb der Zeiten von Festivals oder Messeveranstaltungen lohnt es sich, die Stadt, in der Albrecht Dürer wirkte, zu besuchen. Zahlreiche historische Kirchen, Museen, darunter das Germanische Nationalmuseum, als größtes Museum zur Kultur, Kunst und Geschichte des deutschsprachigen Raums, mit einer großartigen Musikinstrumentensammlung, das Albrecht-Dürer-Haus oder ein Besuch der Ausstellung „Kaiser-Reich-Stadt“ mit einem Rundgang durch die historischen Räume der bedeutenden Kaiserburg machen einen Besuch Nürnbergs zu jeder Jahreszeit zu einem Erlebnis.
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