24h-Rennen auf der Nordschleife
Nürburg: Nürburgring | Was ist dran am Mythos 24h-Rennen auf der Nordschleife? Ist das wirklich etwas Besonderes, anders als ein ganz normales Autorennen, das im Regelfall eine Stunde dauert.
Wir (mein Sohn und meine Wenigkeit) wollten das herausfinden. Das Wetter war in der Woche vor dem Rennen ziemlich durchwachsen, so daß es ausreichend erschien, erst am Freitag anzureisen (das Rennen sollte am Samstag um 15 Uhr starten). Bei der Ankunft am Nürburgring, waren wir dann ganz schön überrascht, dass alle Campingplätze besetzt waren. Wohl gemerkt, das Wetter war bescheiden. Es hatten sich tatsächlich schon über 100000 Menschen (sehr wahrscheinlich sogar noch mehr) schon vor uns auf den Weg gemacht. Die ersten waren schon am Montag angereist. Zum Glück waren wir im Vergleich zu der großen Masse nur dilettantisch mit einem kleinen Zweimannzelt ausgerüstet, für das man immer einen Platz findet.
Es herrschte schon ein Tag vor dem Rennen eine ausgelassene Stimmung an der Strecke. Sicher, es lief ein Rahmenprogramm mit Zeittraining, einem Classic-Rennen, Driftcars und anderen kleinen Rennen. Die Fans, die sich richtig häuslich an der Strecke niedergelassen hatten, nahmen das zwar wahr, konzentrierten sich aber eher auf das anstehende Großereignis. Mit Stromgeneratoren, Gerüsten, Zelten, Campingwagen, Lagerfeuer, Grill, alle Sorten an Getränken, Laptops und natürlich Musikanlagen machte man es sich an der Strecke (und die ist 25km lang) richtig gemütlich. Alles war vorbereitet. Das Rennen konnte beginnen.
Als Neulinge stellte sich uns natürlich die Frage, von wo sieht man sich am besten den Start an. Auf der Grandprix-Strecke oder auf der Nordschleife. Zur Info: Auf dem Grandprix-Kurs finden Rennen wie Formel 1 und DTM zum Beispiel statt. Er ist ungefähr 5 Km lang. Die berühmte Nordschleife ist eine 20 km lange kurvige Berg-und Talbahn die neben der Grandprix-Strecke liegt und die die eigentliche Herausforderung für die Rennfahrer darstellt. Das 24h-Rennen führt über beide Strecken.
Schnell war uns klar, das richtige 24h-Rennen-Feeling erlebt man auf der Nordschleife. Also machten wir uns von unserem Zeltplatz, der an der Grandprixstrecke lag, mit einem Bus auf den Weg. Am "Pflanzgarten" erlebten wir dann die Einführungsrunde und die Startphase des Rennens.
Jetzt stellt sich natürlich jeder die Frage. Wie behält man während des Rennen den Überblick. Wer führt eigentlich? Das wurde von den Organisatoren sehr gut gelöst. Während des gesamten Rennen haben Kommentatoren die Fans über Lautsprecher (entlang der Strecke an den wichtigsten Stellen verteilt) auf den laufenden gehalten. Auch über Radio wurde man ausführlich informiert. Hatte man also einmal den Überblick verloren, konnte man sich so ohne Probleme wieder in das Rennen hineinfinden.
So, und wie ist das jetzt mit dem Mythos. Viele spektakuläre Zweikämpfe bekommt man kaum zu sehen. Spannend ist es trotzdem, denn die Führung kann sich schnell ändern. Es wird da nicht versucht, gemütlich die 24 Stunden herunterzufahren. Im Gegenteil, es wird um jede Sekunde gekämpft. Das bedeutet natürlich eine enorme Belastung für Fahrer (die ungefähr alle 2 Stunden wechseln) und Auto. Ein Fahrzeug, das mehrere Stunden souverän führte, kann im nächsten Augenblick durch einen Defekt oder Fahrfehler zurückfallen oder sogar ausscheiden. So kam es, das letztendlich ein BMW gewann, den man garnicht auf der Rechnung hatte. Die großen Favoriten verabschiedeten sich nach und nach.
Hier liegt der Reiz des 24h-Rennen. Welches Team schafft es, diese 24 Stunden mit Höchstleistung zu überstehen. Sieger ist nicht nur der Schnellste, sondern sind auch all die Teams, die die komplette Distanz bewältigt haben. Hinzu kommt die tolle Stimmung entlang der gesamten Strecke. Wenn die Dunkelheit einbricht, ist man im richtigen 24h-Rennen-Feeling.
Offensichtlich ist dies ein Ort, an dem sich die komplette Bandbreite unserer Gesellschaft wiederfindet. Da sind die durchgeknallten Tuningfreaks, Männergruppen aller Altersklassen , ganze Familien oder diejenigen, die gerne ihre Nobelkarosse zur Schau stellen und natürlich ein Vater mit seinem Sohn, der sich einfach mal das 24h-Rennen ansehen möchte und das bestimmt nicht zum letzten mal.



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