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Nordstemmen: Schacht | Da mein Leben sehr vom Bergbau geprägt wurde (mein Großvater und 3 meiner Onkel arbeiteten unter Tage),möchte ich Euch heute einige Informationen über eine ,mittlerweile abgebaute,Schachtanlage aufzeigen! Es geht um die Anlage Rössing/Barnten.

Ich habe in meinen Unterlagen einen alten Zeitungsausschnitt v.Dez.2000 gefunden,den ich Euch hier wiedergeben möchte.

DAS BESTE SALZ GEFÖRDERT

Der Bergbau sicherte den Lebensunterhalt in Barnten und Rössing
Barnten
Am 12.April 1904 wurde eine Kali-Bohrgesellschaft gegründet,die unter Leitung des Rittergutsbesitzers Dr.Max Schoeller in den Gemarkungen der Ortschaften Barnten und Rössing mehrere Probebohrungen durchführte.Wenn auch die Tiefbohrungen im Jahre 1906 bestätigten,dass in einer Tiefe von 130 bis 900 Meter Kalisalze vorhanden waren, so begann die Bohrgesellschaft erst im November 1911 mit dem Schachtbau.

"Die Abteufarbeiten am Schacht gehen gut voran",heißt es in den historischen Unterlagen. Als 1913 die Dampfhaspel durch eine elektrische Maschine ersetzt wird, wird der Schacht für die Seilfahrt auf fünf Meter verbreitert mit einer Tiefe von 150 Metern. Die Hoffnung auf eine baldige Genehmigung von 850 Meter Teuftiefe vorangetrieben werden sollte, machte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vorläufig zunichte. Doch 1916 konnte die Förderung aufgenommen werden,wenn auch mit einer kriegsbedingten, provisorischen Fördereinrichtung.
Die Belegschaft bestand zu dieser Zeit zu knapp 50 Prozent aus Kriegsgefangenen. Hatte man noch 1918 das beste Salz unter den Kaliwerken der Siegfried Gruppe gefördert,behinderte zwei Jahre später Kohlemangel die Produktion,so dass nur noch mit einer Schicht gearbeitet wurde. Im Mai 1921 legt die Werksleitung mit dem Argument der schlechten Ertragslage den Betrieb still und schaffte eine eigene Salztransportanlage zur Fabrik nach Giesen.Der Durchschlag nach Giesen erfolgte am 26.November 1923.
Die Schachtförderung wurde nun eingestellt und die Salztransportanlage beseitigt. Sämtliche Förderung ging jetzt unter Tage nach Giesen. Das Kaliwerk wurde 1928 von der Burbach-Kaliwerk AG in Kaliwerk Giesen,Schachtanlage Rössing/Barnten umbenannt.
"Dem SchachtBarnten kam immer mehr die Funktion eines Wetterschachtes zu", schreibt der Barntener Arbeitskreis Dorfchronik unter Federführung von Heimatpfleger Günter Schulz. "Eine 1930 erstellte Wetterverbindung von 750 Metern nach 850 Metern sollte die guten Salze sichern."
Als der Bergmannsverein Rössing-Barnten 1997 sein 50.Jubiläum feierte, hatten sich drei Kumpels zuvor zusammengetan und aus Anlass der Feier eine umfangreiche Dokumentation über die Jahre seit Gründung des Bergmannsvereins zusammengetragen. In der Redaktion von Gerhard Kasper,Karl-Heinz Homeyer und Manfred Nitsch entstand eine Chronik,die die geschichtlichen Ereignisse dieser Jahre zusammenfaßte.Zurückgreifend auf eine Materialsammlung von Herbert Räbiger,führte Karl Hoburg diese Aufzeichnungen fort, angereichert durch Homeyers Bildmaterial.
"Da der Bergmannsberuf ohne den zugehörigen Bergbau nicht vorstellbar ist,wurden Bergbauerzeugnisse und -erlebnisse mit eingeflochten", kommentierte der Vorstand die Chronik,deren Hauptanliegen es jedoch war,das Geschehen innerhalb des Vereins und seiner sozialen Aufgabe in guten und in schlechten Zeiten darzustellen, "denn schlechte Zeiten waren es ja,als im Jahr 1947 die Gründung des Vereins erfolgte."
Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Vereins wurde der Kamerad Wilhelm Beckmann aus Rössing,der bereits vorher im Sarstedter Bergmannsverein Mitglied gewesen war.Seine Vereinserfahrung war von Vorteil, als 19 Kameraden am 16.November 1947 in Anlehnung an die Sarstedter Statuten den Bergmannsverein Rössing-Barnten gründeten. Beeinflusst durch den Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die in Barnten und Rössing eine erste Bleibe und im Kalibergbau eine Beschäftigung fanden,war der Bedarf vorhanden,eine kameradschaftliche Vereinigung zu gründen,die über die betriebliche Zusammenarbeit hinaus eine Zugehörigkeit vermitteln konnte.Festgeschrieben war vor allen Dingen,"...seine Mitglieder in treuer Kameradschaft zu vereinen und bei eintretenden Unglücksfällen sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen".
Wie aus den späteren Jahresberichten hervorgeht,waren auch die Frauen der Bergleute in diese Kameradschaft durchaus mit eingeschlossen.

Auch Werkswohnungen wurden extra errichtet.
Im Oktober 1950 errichtete die Kreissiedlungsgesellschaft mit Unterstützung der Burbach-Kaliwerke für die Belegschaftsangehörigen der Kaliwerke in der Nähe des Bahnhofs (Barnten) 16 Zweifamilienhäuser und drei Sechsfamilienhäuser als Werkswohnungen.Auch die ortsansässigen Gewerbetreibenden profitieren von dem Bevölkerungszuwachs.
Günter Böllersen,der heutige (i.J.2000) Vorsitzende des Bergmannvereins,hatte 1952 als Elektriker beim Kalibergbau in Barnten angefangen.Damit war er gemeinsam mit seinem Bruder Helmut in die Fußstapfen sowohl des Großvaters Friedrich als auch des Vaters Wilhelm getreten.Und so war es in vielen Familien,neben der Landwirtschaft sicherte besonders der Bergbau der Bevölkerung ein Einkommen.

DAS KAPITEL 1984 ABGESCHLOSSEN

"Im Laufe seiner 50 Jahre hatte der Verein viele neue Kumpel aufgenommen und vielen auch das letzte Geleit zur letzten Grubenfahrt gegeben. 1971 wurde die Seilfahrt auf der namensgebenden Schachtanlage eingestellt, die Kumpels zogen nach Giesen um und Rössing-Barnten diente nur noch dem Materialtransport",erinnert sich Böllersen. Vom Schacht Siegfried führt heute noch eine breite, unterirdische Straße, der Großblindschacht, rund sechs Kilometer bis nach Barnten.
Mitte der 80er Jahre musste auch "Siegfried" als unrentabel geschlossen werden, da die hiesigen Kalisalze nicht so hochwertig wie zum Beispiel die kanadischen waren. Heute lagern in den alten Stollen militärische Altlasten. Und das Kapitel "Kaliabbau in Barnten" wurde im Jahre 1984 abgeschlossen. Die betrieblichen Übertageeinrichtungen wurden abgebaut und der stählerne Förderturm,das deutlichste Zeichen eines hier umgehenden Bergbaus,wurde gesprengt.

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