Unternehmerforum am TCW
Nördlingen: Technologie Centrum Westbayern | Dr. Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender der FESTO AG, berichtet über Unternehmenskultur, Innovation und Mechatronik in einem Weltunternehmen.
Es war, so waren sich die zahlreichen Gäste beim Unternehmerforum im Technologie Centrum Westbayern (TCW) einig, ein herausragender Diskussionsabend mit einer besonderen Unternehmerpersönlichkeit. Ein entspannter Dr. Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender der FESTO AG in Esslingen, begeisterte durch Sachkompetenz und leidenschaftliche Diskussion.
„Unternehmerforen dienen dem Erfahrungsaustausch und dem Kennenlernen vorbildlicher Unternehmer und Führungspersönlichkeiten“, so eröffnete Oberbürgermeister Hermann Faul den Abend. Er stellte kurz den Standort Nördlingen, den Wirtschaftsraum Donau-Ries, das Technologie Centrum Westbayern und aktuelle Projekte der Regionalentwicklung vor.
Mit einem Impulsreferat führte Prof. Dr. Markus Glück ins Thema ein und stellte die bisherigen Verbindungen des Wirtschaftsraums zur FESTO AG vor: „FESTO ist bei einigen unserer Gäste und Partner einer der wichtigsten Lieferanten. Wir hatten auch schon die Gelegenheit zum Besuch des Konzernsitzes im Rahmen einer Fachexkursion. Dabei gewannen wir erstaunliche Einblicke in ein höchst interessantes Unternehmen.“ 1925 als Familienunternehmen gegründet, ist FESTO heute weltweit als Systemhersteller für Pneumatikkomponenten, Ventilinseln und mechatronische Systeme ein Begriff.
13.500 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften einen Konzernumsatz von 1,7 Mrd. Euro und bedienen 300.000 Kunden in 176 Ländern. Seit 2003 ist Dr. Eberhard Veit, geboren 1962, Vorstandsvorsitzender und Vorstand Technologie & Markt. Er steht für verantwortungsvolles Führen und berät im Innovationsrat Baden-Württemberg als Vorstand sowie als Mitglied der Jury im Spitzencluster Wettbewerb die Bundes- und Landesregierung. Erst einen Tag zuvor referierte er noch in Straßburg im Europaparlament. „Ein in vielerlei vorbildliches Unternehmen, das sich vor allem für Forschung und Technik engagiert, durch gelebte und konsequente Innovation verblüfft und aufgrund einer bemerkenswerten Unternehmenskultur beachtlichen Erfolg am Markt hat“, so Glück. „Wir wollen FESTO und Sie, Herr Dr. Veit, daher näher kennen lernen.“
Damit war der Ball im Spiel und Dr. Eberhard Veit nahm ihn gekonnt auf.
Unternehmenserfolge seien lebensnotwendig und unabdingbar - auch und gerade in der Krise. Darüber hinaus sei das Thema der Fachkräftesicherung für die deutsche Industrie von besonderer Bedeutung. FESTO wirke hier mit außerordentlich hohem Engagement. 18,2 Mio. Euro habe das Unternehmen allein im letzten Geschäftsjahr zur Förderung von Hochschulen und Gymnasien ausgegeben. „Wir müssen bereits in der Schule Technikbegeisterung wecken und diese nachhaltig fördern.“ Dr. Veit zeigte Ergebnisse einer neuen Studie der Fraunhofer Gesellschaft, die deutlich machte, dass selbst in Krisenzeiten der Fachkräftemangel in Deutschland den Personalchefs am meisten Kopfzerbrechen bereite. Veit berichtete von äußerst positiven Erfahrungen bei der firmenübergreifenden Zusammenarbeit in Clustern und Unternehmernetzwerken. Er kritisierte aber auch, dass man sich nicht nur auf die Förderung der Spitzencluster und der ohnehin gut versorgten Ballungszentren konzentrieren dürfe. „Wir brauchen auch Innovation in der Breite und den Erfolg in den Regionen!“
Nach einem Ausflug nach China und einer Diskussion von Erfahrungswerten arbeitete Dr. Veit heraus, dass auch bei der Entwicklung neuer Produkte ein Umdenken stattfinden müsse. „Die Zeit, als Geiz geil war und man glaubte, Unternehmenserfolge seien nur durch Preissenkungen möglich, ist vorbei. Gegen China, Indien, Taiwan, Korea und weitere Länder Asiens kann man nur durch mehr Leistung sowie stete Innovation konkurrieren und Preise stabilisieren.“
Veit erläuterte den Innovationsprozess im eigenen Unternehmen. „Wir betreiben Strategiemanagement aus 4 Perspektiven: Technologie, Markt, Wertschöpfung (Kosten), Prozesse und Abläufe.“ Dazu setzt FESTO auf neueste Simulationstechniken in der Technikentwicklung. 3 Virtual Reality Ateliers stehen den Entwicklern zur Verfügung. Die Entwicklung der Wettbewerbssituation wird ständig beobachtet.
„Neu und besonders faszinierend sei auch der Blick in die Natur“, so Veit. „Innovationsimpulse aus der Natur haben zu verblüffenden Designs neuer mechatronischer Systeme und Greifwerkzeuge geführt, die v. a. im Leichtbau und in der Energieeffizienz Maßstäbe setzen.“ Dies zeigte er mit einem eindrucksvollen Film auf. Die intensive Beobachtung von Delphinen führte zu einem völlig neuen Konstruktionsprinzip für ein leistungsfähiges Greifwerkzeug.
Im Anschluss an den Vortrag ergab sich eine interessante Diskussion über Kooperationen mit Schulen, die Notwendigkeit Fächer, wie Mathematik und Naturwissenschaften / IT zu fördern und vieles mehr. Erfahrungswerte wurden ausgetauscht. Dr. Veit gab sich als geduldiger, glänzend aufgelegter Diskussionspartner. Hemdsärmelig stand er Rede und Antwort auf Augenhöhe. „Ein spürbar bodenständiger, höchst kompetenter Gast, der zu überzeugen vermag“, so ein Teilnehmer.
Abschließend dankte Prof. Dr. Markus Glück dem Gast: „Kleine Geschenke erhalten unter Schwaben die Freundschaft. Nachdem hier der „Hausmeister“ auch schwäbisch spricht, wird gespart. An Nervennahrung dürfe es allerdings nicht fehlen, im Alltag und auf der Heimfahrt bei winterlichen Straßenverhältnissen.“ Glück überreichte Veit eine Tafel Schokolade und eine Flasche „Rieser Tropfen“ zur Erinnerung an einen gelungenen Abend. Dr. Veit revanchierte sich: „Wir bleiben in Verbindung. Sie waren besonders aufmerksame Zuhörer. Das hat mehr Spaß gemacht als einen Tag zuvor in Straßburg.“
Bei einem Schluck innovativem Bier aus der Box und einer Vielzahl interessanter Gespräche klang der Abend im TCW aus.
Weitere Informationen unter www.tcw-donau-ries.de oder www.festo.de .
Hintergrundinformationen:
Hinter FESTO verbirgt sich ein 1925 von Albert Fezer und Gottlieb Stoll (daher FESTO) gegründetes Familienunternehmen. Die Familie Stoll bestimmt nach wie vor das Unternehmen. FESTO steht nicht nur für Hochtechnologie, sondern auch für soziale Verantwortung und Standorttreue; seit Generationen. Dies drückt sich aus in beachtenswerten Kennzahlen: heute ca. 1,7 Mrd. Euro Umsatz, 13.500 Mitarbeitern (weltweit), vorbildliche 1,5 % vom Konzernumsatz werden für Aus- und Weiterbildung ausgegeben, überdurchschnittliche 7,5% vom Umsatz für Forschung und Entwicklung.
Rund 30.000 Katalogprodukte in mehreren hunderttausend Varianten werden gefertigt, weltweit geliefert und stets weiterentwickelt. Über 300.000 Kunden in 176 Ländern verlassen sich auf FESTO. Top-Platzierungen großer Unternehmenswettbewerbe sprechen für sich.
Ein vorbildliches Bildungskonzept und Sponsoring von FESTO im Umfeld der Schulen und Hochschulen will junge Menschen für Technik begeistern. Techniktage, Schulkooperationen, Informationstage für Schüler, Lehrer und Studierende bieten dabei besondere Chancen zum spielerischen Erfahrungsaustausch und für langjährige Partnerschaften.
FESTO ist wichtiger Lieferant zahlreicher regionaler Unternehmen und kooperiert mit dem TCW im Bereich Schulungen, Forschung und Technologietransfer.
Dr. Eberhard Veit, geboren 1962 in Göppingen, leitet seit 2003 als Vorstandsvorsitzender die FESTO AG & Co KG in Esslingen. Seit 1997 ist er im Vorstand für den Bereich Produkt- und Technologie-Management verantwortlich. Davor war er in mittelständischen Unternehmen in Forschung und Entwicklung tätig.



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