Ein Vortragsabend mit der Gebietsbetreuerin Nördlinger Ries

Nördlingen: Nördlinger Ries |

Judith Kronberg berichtet beim Gartenbauverein Munningen über Wiesenweihen und Wiesenbrüter


Der Gartenbauverein Munnigen hatte die Gebietsbetreuerin für Wiesenbrüter und Wiesenweihen, Geografin Judith Kronberg, zu einem Vortrag ins Vereinslokal eingeladen.

Die einzigartige Landschaft des Rieses weist viele europaweit bedeutende Lebensräume auf. Es bietet gute Voraussetzungen für Pflanzen- und Tierarten. Neben dem Wemdinger Ried und dem Wörnitztal ragen vor allem die an die Munninger Flur angrenzenden Pfäfflinger Wiesen heraus. Alle Rieser Wiesenbrütergebiete sind von hoher Bedeutung für durchziehende, rastende oder überwinternde Vogelarten. Weil sich in der Landwirtschaft im Laufe der Zeit sowohl in der Artenvielfalt des Futterangebots, als auch in der Größe der Arbeitsmaschinen einiges zum Nachteil des Niederwilds, der Wiesenbrüter und Wiesenweihen geändert hat, sind einige Arten stark dezimiert bzw. vom Aussterben bedroht.

Dank der Gebietsbetreuung im Nördlinger Ries und dem jahrelangen Einsatz des ehrenamtlichen Wiesenweihenschützers Konrad Bauer, hat sich der Bestand der Wiesenweihe gut entwickelt. Der natürliche Lebensraum von Wiesenweihen waren feuchte Niederungen und Moore. Seit einiger Zeit brütet die seltene Wiesenweihe vorwiegend in Getreidefeldern. In Bayern konzentrieren sich drei Vorkommen der Wiesenweihen. Das größte befindet sich in Mainfranken, das zweitgrößte Brutgebiet bildet mit 15 – 25 Brutpaaren das Nördlinger Ries, das dritte ist in Niederbayern. Mitte April trifft der seltene Greifvogel in seinen Brutgebieten in Mitteleuropa ein. Zuerst besetzen die Männchen die Reviere, bauen Rohbaunester und werben mit spektakulären Balzflügen und Übergabe der Beute in der Luft um ein Weibchen. Nach erfolgreichem Werben kleidet das Weibchen das Rohbaunest aus und legt dann 3 – 5 Eier. Das brütende Weibchen wird vom Männchen mit Beute versorgt. Die Nestkontrolle erfolgt mit Oktokopter und Wärmebildkamera. Durch diese neuartigen Beobachtungsmöglichkeiten kann mit dem Landwirt Verbindung aufgenommen werden, damit dieser eine entsprechende Fläche um die Brutstätte nicht bearbeitet. Nur durch die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Gebietsbetreuung und Landwirten ist der erfolgreiche Artenschutz möglich. In 2014 waren von 12 Brutpaaren 10 erfolgreich. Diese brachten 40 flügge Jungvögel. In 2015 waren von 18 Brutpaaren 14 erfolgreich mit 56 flüggen Jungvögeln. Ab August ziehen die Wiesenweihen wieder in die Überwinterungsgebiete in Westafrika südlich der Sahara. Damit gehören Wiesenweihen zu den Langstreckenziehern. Mit einer Strecke von 1200 Zugkilometern am Tag stellt eine Wiesenweihe den Streckenrekord für Greifvögel.

Kronberg brachte in ihrem umfassenden Bildmaterial das Aussehen und weitere Merkmale der Männchen, Weibchen und Jungvögel dem Publikum näher. Außer der Wiesenweihe behandelte die Referentin auch das Aussehen, das Flugbild, die Brutgebiete und den Brutverlauf der Kornweihe und Rohrweihe.

Im zweiten Teil ihrer Ausführungen befasste sich die Gebietsbetreuerin mit den Wiesenbrütern. Zu diesen gehört der große Brachvogel, der größte Schnepfenvogel Europas, die Bekassine, der Kiebitz, die Uferschnepfe, die Schafstelze, Grauammer und das Rebhuhn. Sehr ausführlich behandelte Frau Kronberg den großen Brachvogel. 1964 lag der Bestand im Nördlinger Ries bei knapp 120 Brutpaaren. Knapp 20 davon brüteten in den Pfäfflinger Wiesen. Bei insgesamt abnehmender Tendenz ist festzustellen, dass immer mehr Paare in den Pfäfflinger Wiesen brüten, dafür die übrigen Wiesenbrütergebiete weniger stark aufgesucht werden.

Weitere Wiesenbrüter, die bei uns nur überwintern bzw. in anderen Ländern brüten, fanden ebenfalls Eingang ins Referat.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde auch für das bei uns ganz geringfügige Vorkommen des Rebhuhns für Schutzmaßnahmen ähnlich der Wiesenweihe und Wiesenbrüter plädiert.

Judith Kronberg ist Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries. Träger des Projektes sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds (BNF).
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