„Wir wollen Deutsch lernen“ – Deutschunterricht für Asylsuchende aus der Gemeinschaftsunterkunft in Nördlingen

 

Seit einigen Monaten können die Bewohner aus der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylsuchende „Am Hohen Weg“ in Nördlingen wieder Deutsch lernen. Möglich wurde das durch das ehrenamtliche Engagement von Nördlinger Bürgerinnen. Drei erfahrene Lehrerinnen bieten zweimal wöchentlich einen einstündigen Deutschkurs für Asylbewerber an. Margit Voges und Irmgard Moser unterrichten in ihren Deutschkursen vorwiegend Flüchtlinge, die bereits Vorkenntnisse in Deutsch mitbringen, während im Kurs von Gabriele Heber vor allem Deutsch-Neulinge ihren Platz finden. Die Deutschkurse finden im Evang. Gemeindezentrum in der Hallgasse und im Haus der Kirche in der Bgm.-Reiger-Straße statt. Die notwendigen Voraussetzungen wie Lehrbücher und Unterrichtsmaterialien konnten mit Unterstützung des Lions- und Rotary-Clubs Nördlingen angeschafft werden.

„Die fehlenden Deutschkenntnisse führen im Alltag immer wieder zu Problemen und die Asylsuchenden aus der Nördlinger Gemeinschaftsunterkunft finden sich nur schwer ohne fremde Hilfe zurecht“, berichtet Katharina Kreppold, Sozialberaterin der Diakonie für Asylsuchende und Flüchtlinge. „Der Deutschunterricht soll die Flüchtlinge anregen, sich selbst intensiv um den Erwerb der deutschen Sprache zu bemühen und diese im Alltag anzuwenden“, fährt sie fort. „Es geht um Alltagsprache, wie z.B. um Gruß- und Höflichkeitsformen, Bezeichnungen von Alltagsgegenstände oder das Verstehen von Gefahren-, Verkehrs- und Hinweisschildern. Wichtig ist es aber auch Anliegen bei Behörden vorzutragen oder Krankheitssymptome bei einem Arztbesuch beschreiben zu können. Auch die Bezeichnung von Waren in Geschäften, die sich die Asylsuchenden mit ihrem sehr knapp bemessenen Taschengeld von 40,- € im Monat selbst kaufen können, gehört dazu. Die Versorgung mit Lebensmitteln erfolgt ja durch die sog. .“ Es gehe ganz einfach darum, sich im Alltag zurechtzufinden, insbesondere wenn man, wie ein Großteil der Asylsuchenden, jahrelang mit Duldungen oder Aufenthaltsgestattungen in den Gemeinschaftsunterkünften lebe.

„Die Deutschkursangebote nehmen die Asylsuchenden aus der Gemeinschaftsunterkunft gerne an“, können die drei Lehrerinnen berichten. Die Asylsuchenden seien auf diese Möglichkeit des Deutschlernens angewiesen, da sie während des laufenden Asylverfahrens, das sich oft über Jahre hinzieht, keinen Anspruch auf den Besuch eines „Integrationskurses“ haben. „Mit dem Deutschkurs und den festen Zeiten für die Deutschstunden bekommen auch die Tagesabläufe für die Asylsuchenden eine Struktur. Für Flüchtlinge, die eigentlich zum Nichtstun verurteilt sind, da sie auch nur unter sehr erschwerten Bedingungen arbeiten dürfen, ist dies ungemein wichtig“, erklären die Deutschlehrerinnen.

„Toll ist es, dass ergänzend zum Deutschunterricht noch ehrenamtliche Sprachpatinnen, wie die Sozialpädagogin Miriam Justus, für Flüchtlinge aktiv sind“, findet die Diakonie-Mitarbeiterin Katharina Kreppold. Gesucht werden derzeit noch händeringend Schülerpaten, die Flüchtlingskinder und deren Familien durch den Schulalltag begleiten.

Weitere Informationen zum Deutschkurs für Asylsuchende oder zu einem ehrenamtlichen Engagement in diesem Bereich erhalten Sie beim Diakonischen Werk, Bgm-Reiger-Str. 38, Nördlingen, Asylberatung, Katharina Kreppold, Tel: 09081 – 2907016 und zur "Aktion Zeit spenden" bei Birgit Kögl, Tel. 09081 2907041.

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