„Weg ohne Ziel!?“ – Postdramatisches Theater am Theodor-Heuss-Gymnasium Nördlingen

  Postdramatisches Theater bedeutet, dass das Hauptaugenmerk nicht auf dem Text, sondern auf dem Körper der Schauspieler liegt. Entsprechend wird auch an Requisiten und Kostümen gespart, so dass mit minimalen Mitteln die Phantasie der Zuschauer maximal angesprochen wird. Auf dieses gewagte Theaterexperiment musste sich das Publikum bei der diesjährigen Inszenierung der Theatergruppe des Theodor-Heuss-Gymnasiums Nördlingen einlassen – und wurde dafür reichlich belohnt.

Beate Gierth, die Leiterin der Theatergruppe und Regisseurin des Stücks „Weg ohne Ziel!?“, hatte ihre Schüler auf eine Reise zu den Sinnfragen mitgenommen, wofür es sich zu leben lohnt, warum die Menschen überhaupt leben und ob alles Schicksal ist. Die Antworten hierzu gaben sich die Jugendlichen teilweise selbst mit eigenen Texten. Zusammen mit einem Ausschnitt aus dem Stück „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind kreierten sie so ein Potpourri zum Thema „Bedeutung“, das die Zuschauer vor allem emotional ansprechen sollte.

In verschiedenen Szenen macht sich eine Gruppe von jungen Menschen ihre Gedanken zu allem und nichts. Pierre (gespielt von Robin von Gumppenberg), Anton (Andreas Thoma), Kai (Martin Caesperlein), Marie (Anna Landenberger-Schneider), Sofie (Smilla Todt), Gerda (Tamara Masson), Rosa (Aslihan Karaman), Elise (Leonie Bügelsteiber), Agnes (Olivia Ulke), Jan (Till Becker), Johan (Michael Möhnle), Maike (Truc Huynh) und Lilli (Riccarda von Fulda) wollen klären, was jedem bzw. jeder von ihnen im Leben wichtig ist, und stolpern dabei als Erstes über den Gegensatz von Selbst- und Fremdbestimmung. Pierre, der Advocatus Diaboli, geht dabei so weit, dass er nichts als wichtig empfindet, so dass man statt all der Arbeiten und Pflichten doch lieber dieses Nichts genießen sollte. Doch schnell wird klar, dass Weihnachten, die Geburt der kleinen Schwester oder Gesundheit keine verschwendete Zeit darstellen, sondern echte Bedeutung in sich bergen. Was allerdings wirklich bedeutend für den Einzelnen ist, muss jeder trotz aller Fremderwartungen für sich herausfinden, ohne dabei falschen Vorbildern bzw. Trends nachzueifern oder sich nur von Äußerlichkeiten statt von inneren Werten leiten zu lassen. So müssen sich alle Gruppenmitglieder fragen, ob sie lieber den Weg über Üben von Kindesbeinen an, Schule mit Ernsthaftigkeit und Studieren zur Karriere oder doch über Spielen als Kind, Schule mit Spaßfaktor hin zur Familie einschlagen wollen. Aber nicht nur die künftigen Ziele sollten essentiell sein; auch im Hier und Jetzt muss sich jeder das bewahren, was ihm wichtig ist, sei es nun ein Achten auf die eigene Leistung oder das Bewahren des Glaubens, sei es die Gesundheit, die durch das Rauchen als Gruppenzwang gefährdet ist.
Für ihre tiefgehende Inszenierung, die trotz allen Ernstes der zu beantwortenden Fragen auf der Suche nach dem Sinn im Leben auch jede Menge Lacher beim Publikum hervorrief, erhielten die Schauspieler und auch die Leiterin der Theatergruppe, Beate Gierth, in beiden Aufführungen kräftigen Applaus.
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