Nördlinger Frauenrunde diskutiert über „Gewalt in Familien, Gewalt gegen Frauen“

 
(Foto: Heidi Källner)
Nachdem sich die Nördlinger Frauenrunde kürzlich bereits mit „Asyl“ und „Zivilcourage“ beschäftigt hatte, stand nun mit „Gewalt in Familien, Gewalt gegen Frauen“ ein weiteres heißes Thema auf der Tagesordnung.
Hierzu hatten die Organisatorinnen Birka Roder und Maximiliane Böckh Melanie Schäffenacker vom Frauenhaus Nordschwaben eingeladen. Besonders wurde Aksel Rinck, der Initiator der Frauenrunde, begrüßt.
In einem kurzen Vortrag beschrieb Frau Schäffenacker, die als Sozialpädagogin seit 2006 für das Frauenhaus arbeitet, zunächst die seit 21 Jahren bestehende Einrichtung. Laut Statistik waren bis 2014 821 Frauen sowie 843 Kinder aufgenommen worden: „Hier gibt es Unterstützung für Frauen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind.“ Sie erhalten mit ihren Kindern eine vorübergehende schützende und anonyme Unterkunft, bekommen psychosoziale Begleitung, werden beim Verarbeiten der Gewalterfahrungen, beim Umgang mit Ämtern und öffentlichen Einrichtungen sowie bei der Klärung der finanziellen Situation unterstützt. Außerdem steht ein Fachteam bei den Belangen der Kinder mit Rat und Tat zur Seite.
„Teilweise kommen die Frauen in einer absoluten Notsituation zu uns, die sich hochdramatisch gestaltet. Manchmal haben die Kinder nicht einmal Socken in den Schuhen, weil es so schnell gehen musste.“ Die meisten Frauen aber würden diesen Schritt strukturierter schaffen, da sie oft im Vorfeld ihrer Flucht selbst Kontakt mit dem Frauenhaus aufnähmen, so Schäffenacker.
Im Durchschnitt blieben die Frauen sechs Wochen in der anonymen Wohnung; viele seien nur sehr kurz da, weil sie bei Freunden oder der Familie unterkommen könnten. „Aufgrund der derzeit schwierigen Wohnungssituation müssen manche aber auch mehrere Monate bleiben, bis sich eine passende Unterkunft gefunden hat“, erklärte Melanie Schäffenacker. „In der Einrichtung treffen Menschen mit unterschiedlichen dramatischen, teils auch traumatischen Geschichten aufeinander, mit anderem sozialen und auch kulturellen Hintergrund, was das Zusammenleben durchaus anspruchsvoll gestaltet.“ Schön sei jedoch, dass trotz der daraus resultierenden Reibepunkte echte Freundschaften unter den Frauen entstünden, was gerade auch für das Team schön mitzuerleben sei.
Neben Frau Schäffenacker, einer weiteren Sozialpädagogin sowie einer Erzieherin gebe es viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und den Vereinsvorstand, denen allen ein großer Dank gebühre, weil auf diese Weise nicht nur die Kernzeiten abgedeckt seien, sondern rund um die Uhr jemand erreichbar sei.
Grundsätzlich leiste das Frauenhaus vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. Zudem biete es externe Beratungen an und lege großen Wert auf eine intensive Nachbetreuung, die in vielen Fällen längerfristig wahrgenommen werde.
Für die Nördlinger Frauenrunde war dies nicht nur ein sehr interessanter Vortrag mit vielen Zwischenfragen, sondern auch ein sehr emotionaler, was Maximiliane Böckh in ihrem Schlusswort deutlich machte: „Das Schicksal dieser Frauen berührt ungemein und besonders bewundernswert ist das Engagement der Angestellten und Ehrenamtlichen, die tagtäglich damit zu tun haben.“


Informationen für Frauen, die Hilfe suchen, finden sich auf der Homepage www.frauenhausnordschwaben.de; in akuten Situationen soll sofort die Polizei gerufen werden.
Wer das Frauenhaus unterstützen möchte, kann Mitglied im Verein werden, Geld spenden (Verein Projekt Frauenhaus – Hilfe bei Gewalt an Frauen und Kinder e.V.; RVB Ries eG; IBAN: DE82720693290000119075; BIC: GENODEF1NOE) oder Sachspenden (gute Kleidung, Handtücher, funktionierende Kleinelektrogeräte oder stabiles Kinderspielzeug) abgeben.
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9 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.07.2015 | 16:15  
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Günter Hoolmann aus Bad Arolsen | 20.07.2015 | 18:01  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 20.07.2015 | 18:57  
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Maximiliane Böckh aus Nördlingen | 20.07.2015 | 19:23  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 21.07.2015 | 10:05  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 21.07.2015 | 13:06  
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Maximiliane Böckh aus Nördlingen | 21.07.2015 | 13:47  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 21.07.2015 | 16:13  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 21.07.2015 | 16:21  
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