Freiheit und Verantwortung für die eigene Zukunft - 87 Schüler erhielten am THG Nördlingen das Reifezeugnis

Insgesamt 87 Abiturientinnen und Abiturienten nahmen heuer das Reifezeugnis entgegen.
 
Schulleiter Robert Böse (links) und Oberstufenkoordinator Michael Demel (rechts) freuten sich gemeinsam mit Claudia Stadlmayr über das beste Abiturergebnis.
 
Einige Schüler wurden für ihre besonderen Leistungen zusätzlich ausgezeichnet.
Zwei Tage nach ihrem Abschied vom Schulalltag durch das traditionelle Hofspektakel folgte nun für die Abiturienten des Theodor-Heuss-Gymnasiums Nördlingen mit der Überreichung des Abiturzeugnisses der endgültige Abschluss ihrer zwölfjährigen Schullaufbahn.
Dieser Festakt wurde durch das Orchester unter der Leitung von Jutta Schidlo mit dem zakigen Radetzkymarsch eröffnet. Unter den Instrumentalisten befanden sich auch einige Schüler der Q12. Anschließend hieß Dr. Renate Rachidi, die ab dem 1. August die Position der stellvertretenden Schulleiterin einnehmen wird, neben den Abiturienten und allen Mitgliedern der Schulfamilie die Ehrengäste herzlich willkommen.
Sie stellte fest, dass in acht gymnasialen Schuljahren ungefähr 10000 Arbeitsstunden investiert werden mussten, um das Ziel des Abiturzeugnisses zu erreichen. Im Vergleich dazu erscheine ein Marathonlauf, der 3,5 bis 4 Stunden dauere, wie ein Klacks, und doch biete sich das Bild sehr gut an. Schließlich seien die Schüler in der fünften Klasse frisch gestartet, manche seien dann locker durchgelaufen, andere hätten bei diversen Steigungen auch Durststrecken bewältigen müssen. Doch ebenso wie bei den Marathonläufern habe es eine ganze Entourage an Helfern gegeben; so hätten Eltern, Lehrer, Sekretärinnen, Reinigungspersonal, das Hausmeisterehepaar, Elternbeirat und Freundeskreis mit ihrer Unterstützung dazu beigetragen, dass die Ziellinie überquert werden konnte.
Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler freute sich, diesen besonderen Moment der Abiturfeier mit den Absolventen teilen zu dürfen, an der er sich selbst auch noch gut erinnere. Er habe damals zwiespältige Gefühle gehabt, da einerseits ein Weg zu Ende gewesen sei, der bedeutet habe, dass es keine Hausausaufgaben und Anweisungen durch Lehrer mehr gebe, aber andererseits habe der Ernst des Lebens begonnen, so dass von da an Pflichten, Aufgaben und Verantwortung noch weitergegangen seien, ja sogar zugenommen hätten. Dennoch habe ihn das Gymnasium auf das Leben vorbereitet und ihm das Handwerkszeug mitgegeben. Für die Zukunft riet er den Abiturienten: „Habt den Mut zu Entscheidungen, hört auch auf Herz und Bauchgefühl, vergesst aber trotz der Verlockungen der großen, weiten Welt den Landkreis nicht.“ Mit den Worten von Johann Wolfgang von Goethe, „Man feiere nur, was glücklich vollendet ist“, wünschte er allen eine schöne Feier.
Oberbürgermeister Hermann Faul überbrachte nicht nur Grüße von Landrat Stefan Rößle, sondern erkannte in den Gesichtern der Abiturienten auch Erleichterung und Stolz wegen der erreichten Leistung, zudem Unsicherheit im Bezug auf die Zukunft. Zum Abitur gratulierte er der Q12 und dankte den Eltern sowie Lehrern, die den Weg zum Schulabschluss begleitet hätten. „Laut Erasmus von Rotterdam beginnt das Lernen mit der Liebe zum Lehrer.“ – und entsprechend hätten die Lehrer einen guten Jahrgang geformt und ihm die Grundbildung für die Zukunft mitgegeben. Als Abiturienten seien sie nun gefragte Menschen, über deren spätere Rückkehr sich auch der Wirtschaftsstandort Nördlingen sehr freuen werde.
Der Elternbeiratsvorsitzende Dr. Ulf Kunze ging in seiner Rede auf das Abimotto „Abirouge – Ausbruch aus dem Rotstiftmilieu“ ein, dem man seiner Meinung nach deutlich die Erleichterung ansehe. Von nun an wartete die grenzenlose Freiheit im Bezug auf Berufswahl, Wohnungssuche, Eigenverantwortung und vielen anderen Dingen auf die Abiturienten. Damit sie die künftig bewältigen könnten, hätten sie die Lehrer in den vergangenen Jahren neben all der Wissensvermittlung bereits unterstützt, weshalb er ihnen seinen besonderen Dank aussprach. Als Elternbeirat assoziierte er aber mit dem Bild des Rotstifts auch die immer wieder stattfindenden Kürzungen im Bildungswesen, wie z.B. die erst kürzlich erfolgte Streichung der Mittel für das Mentorenprogramm durch das Kultusministerium. Aus diesem Grund wünsche er sich, so betonte Kunze, für die Zukunft von der Landespolitik genau so viel Weitsicht wie vom Kreistag, der der Generalsanierung des THGs zugestimmt und nicht nur eine kleine Schönheitskorrektur auf den Weg gebracht habe. Den Abiturienten wünschte er zum Schluss noch viel Glück beim Abenteuer Leben, in dem es immer noch Kontakt mit Nördlingen geben sollte.
Nach einer weiteren flotten Einlage des erstmals auftretenden Abiturienten- und Lehrerchors mit „California Dreaming“ von John Philipps griff Schulleiter Robert Böse ebenfalls das Abiturmotto des diesjährigen Jahrgangs auf, in dem auf den ersten Blick Freiheitssehnsucht, aber auch die Vorstellung von Gefangensein in einem Milieu, das von ganz gegensätzlichen Gefühlen geprägt sei, steckten. Generell bedeute das Abitur, den Pflichten und Zwängen des Systems Schule zu entkommen, in dem man pünktlich sein, Hausaufgaben erledigen, Prüfungen ablegen und sich mit eventuell für einen selbst uninteressanten Themen auseinandersetzen müsse. Gleichzeitig habe man während der gymnasialen Schulzeit nicht alles gelernt, was für das darauf folgende Leben notwendig sei, wie z.B. wie man Geld verdiene, eine Wohnung renoviere, einen Dübel in die Wand bekomme oder ab wann man mit Fieber zum Arzt müsse, was Publizist Martin Ahrens in einem recht polemischen Text zum Abitur seiner Tochter beschrieben habe. Doch laut Wolfgang Riedel, einem Würzburger Literaturwissenschaftler, sei die Rolle der gymnasialen Bildung im 21. Jahrhundert eine andere. So sei Bildung ein Elementarbedürfnis für eine sinnorientierte Daseinsführung und schließe sowohl Natur- als auch Geisteswissenschaften mit ein. Zudem stehe im Zentrum des Bildungswesens der Mensch mit all seinen Fragen, Ängsten, Hoffnungen, Ekstasen und Abstürzen; zu guter Letzt sei Bildung Pluralismusbewältigung, also Orientierungshilfe in der heutigen Welt voller Angebote und Möglichkeiten. Mit diesen Maximen, die die Abiturienten am Gymnasium mit auf den Weg bekommen hätten, könnten sie nun die Freiheit angehen, die in ihrem Motto stecke. Dabei sei es nicht nur die Freiheit von den Zwängen und Einschränkungen, die auf sie warte, sondern auch die Freiheit, Entscheidungen zu treffen und eigene Wege zu gehen. Dabei wachse auch die Verantwortlichkeit für das eigene Leben, wodurch eine absolute Freiheit doch wieder nur Illusion werde. Zugleich bedeute jede Entscheidung auch, dass andere Möglichkeiten eingeschränkt werden. Doch zunächst stünden die Abiturienten am Anfang ihres neuen Weges, von dem sie noch nicht wüssten, wohin er sie nach dem Ausbruch aus dem Rotstiftmilieu führe. Für alle anstehenden Entscheidungen in der Freiheit wünschte der Schulleiter ihnen aber alles Gute.
Die Freiheit nahm auch zentralen Raum in der Abiturrede ein, die Lilly Palackal und Mario Ruf stellvertretend für den diesjährigen Abiturjahrgang hielten. Gemäß dem Volkslied „Die Gedanken sind frei“ machten sie sich Gedanken über ihre eigene Freiheit, die sich in den vergangenen Jahren stets verändert habe. Für ihre Zukunft sei nun die Entscheidungsfreiheit von immenser Bedeutung, was nicht nur grenzenlose Möglichkeiten, sondern auch Druck, Verantwortung und Konsequenzen mit sich ziehe. Dies habe sich auch schon in den vergangenen beiden Jahren teilweise gezeigt, da die unterschiedlichen Charaktere, Talente und Ambitionen, die den Abiturjahrgang ausgemacht hätten, auch ganz unterschiedlich ihre Freiheit und Freizeit genutzt hätten. Doch trotz der Verschiedenheit habe man eine Einheit gebildet, die als Gruppe gut zusammengearbeitet habe. Dabei hätten sie sich an der Schule immer sehr sicher gefühlt, sei es durch die sichere Führung des Schulleiters Robert Böse, die omnipräsente Unterstützung durch den Hausmeister Wolfgang Mack oder den steten Leitfaden der Lehrer, wofür sie allen herzlich dankten.
Passend zur Abiturrede spielte das Orchester unter Leitung von Silke Kessler Hoffmann von Fallerslebens „Die Gedanken sind frei“.
Anschließend folgte mit der Übergabe der Abiturzeugnisse der eigentliche Höhepunkt des Festakts. Zusätzlich erhielten die 87 Absolventen leine Schultüten für ihren letzten Schultag und eine Rose. Das beste Ergebnis des Jahrgangs hat Claudia Stadlmayr mit einem Notendurchschnitt von 1,0 erzielt.
Zudem revanchierte sich der Abiturjahrgang bei seinem Oberstufenkoordinator Michael Demel für die geleistete Arbeit der vergangenen zwei Jahre, indem Theresa Böhm stellvertretend für den Jahrgang einen riesigen Präsentkorb überreicht. Dabei applaudierten die Schüler der Q12 mit stehenden Ovationen.
Den musikalischen Abschluss bildete „Once upon a time in the west” von Ennio Morricone, den das Orchester, in dem sich auch zahlreiche Abiturienten befanden, stimmungsvoll umsetzte.

Außerdem wurden einige Schüler für ihre besonderen Leistungen mit Geld- oder Sachpreisen, die von Sponsoren gestiftet wurden, ausgezeichnet:
- Pia Brenn für das beste Abitur im Fach Chemie (Gesellschaft deutscher Chemiker)
- Alexander Bürgler für langjährige SMV-/Schülersprechertätigkeit (THG-Freundeskreis)
- Aline Elz für überdurchschnittliche Leistungen im Fach Französisch (Stadt Nördlingen)
- Klara Hiemer für herausragende schulische Leistungen im Bereich Kunst (Raiffeisen-Volksbank Ries eG)
- Lukas Hofgärtner für überdurchschnittliche Leistungen im Fach Physik (Deutsche Physikalische Gesellschaft)
- Alisa Meier für hervorragende Leistungen im Fach Mathematik (Deutsche Mathematiker Vereinigung)
- Sebastian Reinnisch für überdurchschnittliche Leistungen im Fach Physik (Deutsche Physikalische Gesellschaft)
- Claudia Stadlmayr für das beste Abitur (Elterbeirat) und das beste schriftliche Abitur im Fach Latein (Deutscher Altphilologenverband)
- Alexander Weng für herausragende schulische Leistungen im Bereich Naturwissenschaften und Sprachen (Sparkasse Nördlingen)
- David Wiedemann für herausragende schulische Leistungen im Bereich Wirtschaft (Wirtschaftsförderverband Donau-Ries) und überdurchschnittliche Leistungen im Fach Physik (Deutsche Physikalische Gesellschaft)
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