Die Kantorei St. Georg Nördlingen präsentiert: John Rutter, MAGNIFICAT

Wann? 14.12.2014 18:00 Uhr

Wo? St. Georgskirche, Marktplatz, 86720 Nördlingen DE
Kantorei St. Georg und Oettinger Bachorchester
 
Probenfoto Oettinger bachorchester und Kantorei St. Georg
Nördlingen: St. Georgskirche |

Ein einzigartiges vorweihnachtliches Highlight präsentiert die Kantorei St. Georg am dritten Adventssonntag, dem 14. Dezember um 18 Uhr in der Nördlinger St. Georgskirche. Einzigartig deswegen, weil die beiden aufgeführten chorsinfonischen Werke erstmals in einem Konzert im Ries erklingen werden: das „Magnificat“ von John Rutter in der großen Fassung für Sopransolo, Chor und Sinfonieorchester sowie die Kantate „Die Nacht ist vorgedrungen“ über das gleichnamige Adventslied aus der Feder des Nördlinger Kirchenmusikdirektors Udo Knauer, der auch die Leitung hat. Es singen und musizieren die Kantorei St. Georg, Franziska Weinhuber, Sopran, Jakob Kreß, Bariton und das Oettinger Bachorchester.

Brilliantes Werk


Das Magnificat von John Rutter ist ein brilliantes chorsinfonisches Werk, das aus den zahlreichen Vertonungen des Lobgesangs der Maria der letzten Jahrhunderte hervorsticht. Rutter (geb. 1945) schämt sich als Komponist des 20. Jahrhunderts nicht, „schöne“ und wohlklingende Musik zu schreiben. Dabei beweist er nicht nur ungeheuren Melodienreichtum und rhythmischen Esprit, sondern vor allem ein feines Gespür für die Stimmung des Textes aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums. Darin erzählt der Verfasser von der schwangeren Maria, die nach der Begegnung mit dem Verkündigungsengel nach Judäa eilt zu Elisabeth, der Frau des Priesters Zacharias. Dort stimmt sie dann den als „Magnificat“ (so das erste Wort aus der lateinischen Bibel) berühmt gewordenen Lobgesang an: „Meine Seele preist den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes“, in der Lutherbibel sehr lapidar eingeleitet mit den Worten „Und Maria sprach“.

John Rutter lässt sich den Blick nicht durch die eigentümliche Sprache alter Bibelübersetzungen verstellen, sondern geht an die Geschichte ganz unmittelbar heran. In seinem Magnificat ist Maria ein junges quirliges Mädchen. Rutters Maria „spricht“ nicht, sondern sie tanzt: fröhlich, leichtfüßig, spontan, begleitet von hellen Orchesterfarben und heiter-verspielten Rhythmen. Dieses Tänzerische, Verspielte aber auch das Innige, Unschuldig-schöne prägt weite Teile der Komposition, der es trotzdem nicht an erhebenden Momenten mit großartigen Orchesteraufschwüngen fehlt. Das vierzigminütige Werk wurde 1990 in der New-Yorker Carnegie Hall mit kammermusikalischer Besetzung und Orgel uraufgeführt, ein Jahr später in der großen Orchesterfassung, so wie sie in Nördlingen zu hören sein wird.

Eigenkomposition des Nördlinger St.-Georgs-Kantors


Udo Knauer stellt diesem Magnificat eine eigene knapp 30-minütige Komposition voran, die eine ganz andere Seite des Advent zeigt: Seine Kantate „Die Nacht ist vorgedrungen“ entstand 1983. Sie vertont das Lied, das der evangelische Theologe und Journalist Jochen Klepper 1937 unter der Last der im nationalsozialistischen Deutschland fortschreitenden beruflichen Repressalien und Demütigung seiner jüdischen Frau gedichtet hatte. In allen fünf Strophen dieses Adventsliedes, das heute in vielen Gesangbüchern beheimatet ist, steckt das Ringen des Lichtes mit der Nacht aus Leid und Schuld, die Klepper umgab und letztlich 1942 zum Suizid der Familie führte.

In Knauers Kantate werden die Strophen mit biblischen Texten verknüpft, die einen Bogen vom Propheten Jesaja über die bekannte Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium bis hin zur Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel spannen. Lied- und Bibeltexte bilden einen ständigen Dialog, den sich die beiden Solisten und der Chor teilen. Dadurch entsteht eine Art Handlung, die in ihrem Mittelpunkt in der dritten Strophe den Weg der Hirten nach Bethlehem beschreibt und am Ende der letzten Strophe mit einem Wort aus der Offenbarung zum Thema des Advent zurückkehrt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an“. Die Orchesterbesetzung ist kleiner als die bei Rutters Magnificat: Neben Streichorchester kommen noch 3 Posaunen, Flöte, Oboe und Orgel zum Einsatz.

Großes Ensemble


Die Kantorei St. Georg präsentiert sich in diesem Konzert mit knapp 120 Sängerinnen und Sängern, das im Ries bestens bekannte Oettinger Bachorchester mit seinem Konzertmeister Günter Simon wurde für das Magnificat um eine große Holz- und Blechbläserbesetzung sowie Pauken, zwei Schlagzeuger und Harfe erweitert.

Die Sopranistin Franziska Weinhuber studierte Gesang bei Prof. Monika Bürgener an der Hochschule für Musik Würzburg, und schloss 2004 mit dem Opernexamen ab. Im Jahr 2003 gewann sie den 1. Preis beim Armin-Knab-Wettbewerb Würzburg und 2004 einen Sonderpreis beim 33. Bundeswettbewerb für Gesang in Berlin. Von 2005 bis 2013 war sie festes Ensemblemitglied bei Theater & Philharmonie Thüringen und gestaltete reizvolle Partien u. a. in Opern von Samuel Barber, Poulenc, Wagner ("Lohengrin") und Alban Berg. Sie lebt in Leipzig und ist seit 2013 als freischaffende Künstlerin tätig.

Der junge Bass-Bariton Jakob Kreß ging am Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen zur Schule. Noch während seiner Schulzeit begann er 2007 eine Gesangsausbildung als Gastschüler an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl. Während eines 2011 begonnenen Mathematik/Physik-Studiums in Erlangen wurde er von Kammersänger Sibrand Basa unterrichtet, seit 2012 studiert er Gesang an der Hochschule für Musik Nürnberg bei Prof. Dr. Jan Hammar. Er ist in einigen Opernproduktionen der Hochschule und des Staatstheaters Nürnberg solistisch eingebunden und bekommt auch außerhalb des Studiums mehr und mehr Engagements. Am Karfreitag 2014 war er in Nördlingen als Jesus bei der Johannespassion von Heinrich Schütz zu hören.



Karten von 8 bis 25 € gibt es noch bis 11. Dezember bei der Tourist-Information Nördlingen, Tel. 09081/84116, die Abendkasse öffnet um 17 Uhr.
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