Dahoam is Dahoam - Erinnerungen

von Heidi Kaellner aus Nördlingen | am 10.03.2010 | 586 mal gelesen | 6 Kommentare | 15 Bildkommentare | 24 Bilder
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Die gute Stube von Nördlingen - der Marktplatz mit Rathaus
 
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. . . deswegen liebe ich dich "Nearle" . . . weil du bist, wie du bist . . . dein ganz besonderes Flaire, dein besonderer Reiz, deine Ausstrahlung und dann deine Mauern, Gänge und Türme . . . eine Magie geht von dir aus . . .

Bei einer Wanderung durch die Altstadt wird man gefangen genommen von der Magie der Vergangenheit: das Mädchen, die Mutter und die Greisin . . . eine Stadt mit Geschichte. Sie war zuerst da, die Greisin - und hat Geschichte geschrieben. Viele Geschichten - um Krieg und Frieden, um Verfolgung, Lügen, Mord und Totschlag. Das sind Geschichten und Legenden in und um Nördlingen, die nie vergessen werden. Die alten, romantischen Häuser, Straßen, Gassen und Brunnen sprechen Bände.

Die Mauer rund um die Altstadt hielt und hält noch heute alles zusammen. Tritt man durch eines der fünf Tore beginnt die Zeitreise ins Mittelalter.

Die Geschichte mit dem ausgebüchsten Schwein durch eines der Stadttore vor vielen 100 Jahren - wer kennt sie nicht. Damals hat sich ein Torwächter von Dieben bestechen lassen und das Tor nicht ganz geschlossen. Durch eine Frau, wie könnte es auch anders sein - sie wollte ihren Mann von der Gastwirtschaft abholen - wurde aber alles noch rechtzeitig entdeckt, der Torwächter gefangen genommen und gefoltert . . . darum noch heute zur Erinnerung der Ruf des Torwächters abends ab 22 Uhr jede halbe Stunde "so G`sell so" , was wohl so viel heißt wie "du Schlingel".

Apropos Foltern - der Hexenwahn in Nördlingen . . . zum Ende des 16. Jahrhunderts wütete in Nördlingen der Hexenwahn. Der Teufelskreis aus Folterungen, Geständnissen und Prozessen erfasste die einfachen Leute bis hinauf zu den angesehenen Bürgen und wurden am Ende zum Scheiterhaufen verurteilt. Maria Holl, die schöne und selbstbewusste Kronenwirtin hat dem Wahn 1693 ein Ende gesetzt. Bis heute wird sie als Volksheldin verehrt. Damals hat sie durch ihre Tapferkeit viele Menschenleben gerettet und viele Familien vor unbeschreiblichem Elend bewahrt.

Das Mittelalter hat viel zu erzählen - auch von Kriegen, Belagerungen, Niederlagen und Siegen . . . aber jetzt will ich weg von der Greisin, von anno dazumal, von vorgestern . . . jetzt will ich in die Zeit der Mutter eintauchen. Ich sehe es als meine Zeit und überspringe sicher dabei eine ganze Menge Geschehen - aber eigentlich möchte ich ja vom Gestern und vom Heute in dieser heimeligen Kleinstadt berichten und von meiner Liebe zu ihr.

Meine Schulzeit, sie beginnt hier in Nördlingen 1950 - ohne Tatzenstock, aber mit Schmiere stehen vor dem Klassenzimmer. Rock`n Roll in der Schule, auf den Bänken, auf den Tischen, in der Pause, überall . . . Bill Haley, Elvis Presley usw. . . . damals trugen wir nur Röcke oder Kleider, und die flogen und flogen . . . es war toll, es war super, "sie kommt" - und schon saßen wir wieder ganz artig, atemlos und erhitzt in unserer Bank.

Warum liebe ich "Nearle"? Dazu gehört das Kopfsteinpflaster, der Viehmarkt inmitten der Stadt an der Schranne. Dieses Geschrei, Geblöke, Gequietsche beim Entladen der Tiere und beim Verkauf per Handschlag. Ich kann mich noch sehr gut erinnern - an die Rieser Bauerntracht, an das viele Stroh und dann der viele Mist - und das inmitten der Stadt. Das war der ganz besondere Duft, das Urige der Rieser Landwirtschaft.

Warum liebe ich "Nearle"? Dazu gehört auch die Nördlinger "Mess". In meiner Jugendzeit fand dieser Jahrmarkt noch innerhalb der Mauern statt. Karussells, Händler, Marktschreier und alles was zu so einem Jahrmarkt gehört . . . alles war in der Stadt. In der Mittagspause ein Bummel und am Feierabend ein Bummel durch die Messbuden. Ja, das war schon eine besondere Zeit. Jetzt gibt es keinen Viehmarkt mehr und die Mess ist auch draußen vor den Toren auf der Kaiserwiese. Dafür gibt es heute viele andere Märkte in der Fußgängerzone. Jede Jahreszeit hat ihren Markt - Frühjahrsmarkt . . . usw.

Warum liebe ich "Nearle"? Es war und ist hier wirklich eine Menge los . . . das Stabenfest, ein Fest für die Kinder - dann der sagenhafte Natur - Eisplatz am Bäumlesgraben. Das wunderbare Freibad inmitten der Natur auf der Marienhöhe - jetzt heißt es Solarbad.

Es gibt sehr viel über Nördlingen zu erzählen, nur ich fürchte, je mehr ich schreibe, je früher hören Sie auf zu lesen . . . und das soll nicht sein.

Noch eines ist ganz wichtig: meine große Liebe, das Ries, diese herrliche Landschaft mit ihren Tälern und Höhen, Burgen und Schlössern, mit ihren Bächen und Flüssen, ihren vielen Wanderwegen, Pilgerpfaden . . . dieser natürliche Mantel, welcher die Stadt geheimnisvoll umhüllt . . . wenn dieser Mantel der Natur nicht wäre, ja dann . . . ich weiß nicht so recht . . . und will auch gar nicht darüber nachdenken . . .

Nördlingen ist für mich "Dahoam" . . . darum liebe ich "Nearle".

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