Aus der Geschichte der Nördlinger "Mess"

Das Kaufhaus "Paradies", 1467-1877

Früher dauerte die Nördlinger Messe 14 (!) Tage, seit 1870 aber dann nur noch 10 Tage. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts erscheint die Bedeutung der hiesigen Messe unverändert. Aus weiter Ferne erschienen Kaufleute und Händler. Adlige Herren erhöhten den Glanz mit ritterlichen Spielen und Festlichkeiten. 1521 führte man auch eine 2. Messe ein, die auf den 12. Januar (Winter !) verlegt wurde. Wahrscheinlich letzteres ein Grund, daß sie bereits 1545 wieder einging. Der Mittelpunkt der 1219 urkundlich erwähnten Messe war der beim Barfüßerkloster ("Klösterle") gelegene Löwenberg, mit Kürschner- oder Hafenhaus und das sogenannte Paradies. Dieses Paradies wurde ab 1467 als Messehaus genutzt und 1877 abgerissen.
Heute ist dieser leere Platz nur noch PKW-Parkplatz. Im 19. Jahrhundert zogen während der Messe von den bürgerlichen Kompanien und den hiesigen Bürgersöhnen täglich 74 Mann auf die Wacht. Diese sorgten für ruhiges, friedsames Verhalten, kein Tragen gefährlicher Waffen, abschließen der Häuser und daß Kinder, Dienstboten und übrige Hausgenossen abends um 10 Uhr (!) zu Hause sein mußten.
1847 erneuert der Magistrat der Königlich Bayerischen Stadt zur bevorstehenden Jahresmesse u.a. folgende polizeiliche Anordnungen: die Verkäufer dürfen sich nur des bayerischen Maßes und Gewichtes bedienen, Glücksspiele sind verboten, in den Buden, Kaufmannsgewölben, Kramläden ist das "Tabakrauchen" verboten, die Straßen müssen bei trockener Witterung, täglich zwei- bis dreimal mit frischem Wasser hinreichend begossen werden.
Als Abschluss noch das Gedicht eines unbekannten Rieser Dichters zur Messe:
Warum sollt im Leben
Ich vor Lust nicht beben
Wenn der Messe Klänge wieder mich umweh'n
Wenn's vom ganzen Riese
Strömt herein, um diese
Große Feier würdig zu begeh'n !

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 01.07.2009
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Tanja Fackelmann aus Augsburg am 04.06.2009 um 15:23 Uhr  
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