Asyl-Paten gesucht - Diakonie sucht Bürger, die Patenschaften für Asyl-Familien übernehmen

Asylpatin Birka Roder vor dem Eingang zur Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge Am Hohen Weg in Nördlingen.

In Nördlingen, am Hohen Weg 2, gibt es seit vielen Jahren die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge . Die dort lebenden Menschen mussten aus unterschiedlichen Gründen ihre ursprünglichen Herkunftsländer verlassen, z. B. weil sie zu einer religiösen Minderheit gehörten, die dort verfolgt wird, oder weil sie sich politisch betätigten und um ihr Leben fürchten mussten oder auch aufgrund von Bürgerkriegen in ihren Heimatländern.

Integration ist nicht erwünscht

„Sie kommen aus Ländern wie Somalia, Irak, Iran, Syrien, Afghanistan, aus dem Kongo oder aus Nigeria“, weiß Katharina Kreppold, die hauptamtliche Mitarbeiterin der Diakonie, die sich um die Asylsuchenden und Flüchtlinge kümmert, zu berichten. „Die oft gefährliche Flucht erfolgte meist auf mehreren Etappen zu Fuß, auf Lastwägen, mit dem Schiff und mit dem Flugzeug durch verschiedene Länder und dauerte zum Teil viele Monate“, fährt sie fort. Manche der Menschen kommen stark traumatisiert in Deutschland an und wissen, dass sie hier auch nur auf Zeit erwünscht sind. In einem zumeist sehr langwierigen Asylverfahren wird dann entschieden, ob sie als politisch verfolgt anerkannt werden und ob sie in Deutschland bleiben können. Vielen Leuten droht früher oder später wieder die Abschiebung ins Herkunftsland. Dazwischen können aber viele Jahre der Unsicherheit liegen, ohne Anspruch auf Integrationsleistungen, wie der Möglichkeit deutsch zu lernen oder einer Arbeitserlaubnis. Offiziell ist in dieser Zeit eine Integration nicht erwünscht. Es besteht keine Möglichkeit an einem Integrationskurs teilzunehmen, eine Arbeitsaufnahme ist nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich, die „Freizügigkeit bei Reisen“ ist eingeschränkt, staatliche Leistungen gibt es überwiegend in Form von Sachleistungen, z. B. Essenspakte. Die meisten der Asylsuchenden sind in der Gemeinschaftsunterkunft zum Nichtstun verurteilt, Kontakte zu Einheimischen, wie sie z. B. in einem Arbeitsverhältnis entstehen könnten sind kaum möglich. Es ist ein angstvolles Warten, oft über Jahre hinweg und zumeist ein Leben in der Isolation.

„Um diese Isolation zu durchbrechen, um asylsuchenden Menschen und Flüchtlingen Kontakte und Beziehungen zu Einheimischen zu ermöglichen, sind wir immer wieder auf der Suche nach "Paten", die sich ohne Berührungsängste und Vorurteile auf Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern einlassen“, ergänzt Bigit Kögl, die beim Diakonischen Werk auch für das Projekt „Zeit spenden!“ zuständig ist. In diesem Projekt der Diakonie sollen Ehrenamtliche für unterschiedlichste Gelegenheiten gewonnen werden. Jeder „Zeitspender“ entscheidet selbst über Umfang, Dauer und Häufigkeit des Einsatzes.

Kontakte helfen, Vorurteile abzubauen

Eine dieser Ehrenamtlichen, eine „Asylpatin“, ist Birka Roder, die sich seit ca. einem Jahr um eine Familie aus dem Irak, deren Flucht auch über Afghanistan führte, kümmert. Sie weiß, dass viele einheimische Bürger ängstlich sind gegenüber den Bewohnern aus der Asylunterkunft, weil diese aus anderen Ländern, Kulturen und Religionen stammen und sich anders, ja fremd verhalten. „Dabei ist es unglaublich spannend, was für Geschichten hinter den Personen stecken“, so Birka Roder. Sie begleitet „ihre“ arabische Mutter zum Elternsprechtag der Tochter, zum Arzt oder bei Behördengängen. „Ich kann zwar selbst auch kein arabisch, aber mit Händen und Füßen und dem Wörterbuch klappt die Verständigung mit der Familie. Ich kann einige wichtige Dinge erklären und trotz der Sprachbarriere ist es für die Familie eine große Hilfe, dass jemand von außen und ohne Vorurteile kommt, der freundlich und offen für Neues ist, sich Zeit nimmt“, stellt Birka Roder fest. „Im persönlichen Kontakt lässt man dann schnell Vorurteile fallen und merkt, dass die asylsuchenden Familien - und ich kenne inzwischen auch andere aus der Gemeinschaftsunterkunft - sehr sauber, ordentlich, gastfreundlich und nicht aufdringlich sind, ganz anders als oft gehört und immer wieder gemutmaßt.“

Die Mitarbeiterinnen der Diakonie konnten inzwischen bereits Ehrenamtliche gewinnen, die für Asylsuchende Anfänger-Deutschkurse anbieten. Die deutsche Sprache zu lernen ist wichtig, auch wenn es anfangs nur bruchstückhaft geht. „Wir suchen aber noch weitere . Viele der Familien in der Gemeinschaftsunterkunft Am Hohen Weg würden sich freuen, wenn jemand ein- oder zweimal in der Woche bereit wäre, mit ihnen ein bisschen Zeit zu verbringen. Denkbar wäre ebenfalls eine Einzelbetreuung für Kinder aus Familien in der Gemeinschaftsunterkunft , z. B. in Form von Hausaufgabenhilfe“, werben die Diakonie-Mitarbeiterinnen für ihr Anliegen.

Informationen

Weiter Informationen zur Beratungsarbeit mit Asylsuchenden und Flüchtlingen sowie zum Projekt „Zeit spenden“ sind erhältlich beim Diakonische Werk Donau-Ries, Birgit Kögl, Bürgermeister-Reiger-Str. 38 in Nördlingen, Tel: 09081 – 29070-41, E-mail: koegl@diakonie-donauries.de , offene Sprechstunde jeweils montags von 13 – 15 Uhr oder bei Katharina Kreppold, ebenfalls im Diakonischen Werk, Tel. 09081 – 29070-16, E-Mail: kreppold@diakonie-donauries.de oder im Internet unter www.diakonie-donauries.de

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