Kerzentauchen im Rieser Bauernmuseum

Kinder beim Kerzentauchen (Foto: Fa. Creartec)

Nördlingen: Rieser Bauernmuseum | Kerzen und Kerzenlicht haben in unseren heutigen Wohnungen ausschließlich dekorativen Charakter oder sorgen in den letzten Wochen des Jahres für vorweihnachtliche Stimmung. Lange Zeit waren sie jedoch neben Kienspänen und Öllampen unverzichtbar, um besonders in der dunklen Jahreszeit Licht in die Stuben zu bringen. Der Großteil der Bevölkerung verwendete Kerzen aus Talg. Dieser wurde durch das Auslassen von Rinder- oder Schaffett gewonnen. Da Talg einen niedrigen Schmelzpunkt hat, tropfte die Kerze und verbrannte auch schnell. Der länger werdende Docht musste regelmäßig mit der Lichtputzschere „geschneuzt“ werden, und auch die Geruchsbelästigung war bei Talgkerzen nicht unerheblich.

Kerzen aus Bienenwachs waren schon immer am hochwertigsten, aber auch am teuersten. Sie wurden vor allem in den Kirchen und Klöstern benutzt, die aus diesem Grund auch Bienenhaltung betrieben. Erst im 19. Jahrhundert sorgte die Erfindung von Stearin aus Tier- und Pflanzenfetten und von Paraffin aus Erdöl für hell und fast geruchlos brennende Kerzen.
Für ihre Herstellung gibt es mehrere traditionelle Verfahren. Wurde flüssiges Wachs oder Talg in Formen aus Metall oder Holz gegossen, erhielt man schnell eine größere Anzahl der gewünschten Leuchtmittel. Beim Kerzenziehen wurde der Docht wiederholt durch das flüssige Brennmittel gezogen und dabei abwechselnd auf zwei große Trommeln auf- und abgewickelt. Den langen dünnen Strang zerschnitt man zu kleinen Kerzen oder wickelte ihn zu Wachsstöcken auf. Dickere Kerzen lassen sich im Tauchverfahren erzeugen, bei dem die bereits auf Länge geschnittenen Dochtstücke viele Male in das flüssige Wachs getaucht werden, bis die gewünschte Dicke erreicht ist.

Wer diese Technik einmal ausprobieren möchte, der hat während der Sonderausstellung „Wohlig warmer Winter“ im Rieser Bauernmuseum Maihingen Gelegenheit dazu. An den Samstagen, 9. und 16. Januar, und am Donnerstag, 18. Februar 2010 (Winterferien), finden jeweils nachmittags Kurse für Kinder statt, am Mittwoch, 20. Januar 2010, bietet das Museum einen Abend für Erwachsene an.

Nähere Informationen und Anmeldung unter 09087 / 920717-0. Das Programm ist auch unter www.rieser-bauernmuseum.de abrufbar.

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 29.12.2009
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