Hagen (Han) | Kaum einer weiß von ihrer Existenz... Hunderte Fahrgäste fahren jeden Tag im Zug an ihr vorbei - doch die Menschen, die sie täglich überqueren, kann man an einer Hand abzählen. Die Rede ist von der imposanten Anrufschranke "Rüttebach" bei Hagen - einem Überbleibsel aus Bundesbahnzeiten, das bis heute überlebt hat.
Die interessante Bahnübergangskonstruktion befindet sich am Kilometer 43,210 an der Eisenbahnstrecke Bremen - Hannover, genau mittig zwischen den Bahnhöfen Linsburg und Hagen (Han). Im Gegensatz zu herkömmlichen beschrankten Bahnübergängen, die nur geschlossen werden, wenn Züge fahren, werden bei dieser Einrichtung die Schranken nur geöffnet, wenn es jemanden gibt, der die Gleise passieren möchte - andernfalls sind sie permanent geschlossen.
Wer also an dieser Stelle auf die andere Seite der Bahnstrecke gelangen will, muss seinen Überquerungswunsch erst mittels einer Gegensprechanlage dem Fahrdienstleiter Hagen mitteilen, woraufhin dieser entweder den Bahnübergang direkt öffnet, oder darum bittet, noch den ein oder anderen Zug abzuwarten.
Wenn die Zugfrequenz es zulässt, öffnet der Fahrdienstleiter nach vorheriger Ankündigung den Bahnübergang und bittet darum, nach der Überquerung den erfolgreichen Abschluss eben dieser mitzuteilen und den Übergang damit wieder freizugeben. Nach einer erneuten Ankündigung schließt er dann die Schranken wieder.
Wegen der doch sehr abgelegenen Örtlichkeit, der nicht befestigten Zufahrtswege und der ausschließlichen Zulassung für landwirtschaftliche Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger, wird die Anrufschranke, von denen es im Hannoveraner Raum nur noch wenige gibt, nur von einer handvoll Menschen täglich überquert.
Wo in der Stadt eine solche Anlage sicher der häufigen Gefahr des Mißbrauchs ausgesetzt wäre, indem der Hebel "spaßeshalber" mehrere Male gedrückt würde und sich der Fahrdienstleiter den ein oder anderen "dummen Spruch" anhören müsste, funktioniert die zwischen Wäldern und großflächigen Äckern gelegene Anrufschranke in ihrer ländlichen Lage ganz hervorragend - weil sich jeder an die Spielregeln hält.
So hat die Anrufschranke "Rüttebach" einen ganz eigenen Charme, den Landwirte, Radtouristen und Wanderer hoffentlich auch noch in Jahren schätzen und adäquat nutzen können.
Wenn mich jemand gefragt hätte "richtig oder falsch", hätte ich auf falsch getippt. Und wenn das hier am 1. April gestanden hätte, hätte ich das für einen tollen Aprilscherz gehalten. Was es nicht alles gibt.
Noch gar nicht so lange her, da waren diese Rufschranken täglicher Alltag. Als Kind habe ich den Schrankenwärter öfters mal geärgert. Gut das es so etwas heute kaum noch gibt.
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