Das letzte "Bild" im Leben meiner Digitalkamera...
Sie ist mehrfach im freien Fall zur Erde geflogen - auf Schotter, Asphalt und Parkett.
Sie ist mir bei -10°C in den italienischen Dolomiten in den Schnee gefallen und machte bei +35°C Bekanntschaft mit dem Schlick des Niedersächsischen Wattenmeeres.
Sie überlebte etliche Open-Air-Festivals - unter anderem das legendäre 'Hurricane' 2006 mit einer Menge Staub und Matsch -, blickte Prominenten wie Dr. Franz-Josef Jung und Johann Traber direkt ins Gesicht.
Mit ihr machte ich hunderte Aufnahmen für die Lokalpresse - zeitweise wurde sie sogar von der Polizei beschlagnahmt.
Mehr als viereinhalb Jahre trug ich sie stets griffbereit an meinem Herzen...
Jetzt ist sie kaputt.
Nach der 36951sten (!) Aufnahme dahingerafft von einer höchst unschönen Kombination aus zwei Klappsitzen in einem Doppelstock-Zug der DB Regio AG und meiner eigenen Trägheit.
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Der Tag fing schon unangenehm genug an. Als ich am Morgen auf dem Bahnsteig in Nienburg angekommen war, musste ich feststellen, dass sich der Reißverschluss-Nippel meiner Jeanshose verabschiedet hatte. Ich nahm im Zug Platz und hantierte wild an meinem "Hosenstall" herum (das muss einigermaßen ungewöhnlich ausgesehen haben), um den Reißverschluss zu reparieren, der sich immer wieder von selbst zu öffnen drohte.
Nach kurzer Zeit vergebener Mühe resignierte ich schließlich und war im Begriff, mich (mit gerade so vom Hemd verdeckten offenen Hosenlatz) von dem einen Klappsitz auf den benachbarten zu setzen. Aufstehen wollte ich dafür nicht. Zu müde. Zu genervt. Deshalb klappte ich den Sitz rechts neben mir herunter, hielt ihn mit einer Hand unten, den auf dem ich saß, mit der anderen Hand und wollte mich so hinüberhangeln.
Schlechte Idee! Dummerweise hatte ich nämlich meine rechte Jackentasche unbemerkt zwischen den zwei Sitzen eingeklemmt und schob nun mehr oder weniger mit meinem Gesäß die darin befindliche Kamera an die harte Ecke des Sitzes. Noch als ich den Widerstand merkte, sprang ich auf: "Das war jetzt nicht so gut", resümierte ich den bedauerlichen Zwischenfall direkt, kümmerte mich aber erstmal nicht weiter darum und setzte mich...
Nach einer nervenaufreibenden Bahnfahrt und einem noch viel nervenaufreibenderen Arbeitstag in Seelze bemerkte ich nach Feierabend auf dem Rückweg in Neustadt ein interessantes Motiv und zückte die Kamera aus meiner Jackentasche, um es zu fotografieren.
Wie so oft schaltete die Kamera routiniert ein und hielt den Finger schon auf dem Knopf zur Blitz-Unterdrückung bereit. Das Objektiv schnurrte behaglich heraus, aber das Display sah nun gar nicht so aus wie sonst. Ich kombinierte schnell und wusste: "Das war's dann jetzt!" - Und richtig: Durch die Geschichte am Morgen war das Display gesprungen. Meine Kamera konnte nicht mehr mit mir kommunizieren. Sie hat sozusagen ihre Stimme verloren...
Obwohl sie noch einigermaßen gut sehen kann (die Optik ist heile), kann sie mir ihre Eindrücke nicht mehr mitteilen und ich kann ihr auch nur noch ansatzweise sagen, was sie tun soll. Sie versteht mich jetzt nicht mehr.
Ich werde sie nun zu den anderen Uralt-Analog-Kameras auf mein Regal stellen und möglicherweise in den nächsten Tagen an dieser Stelle ein paar Best-Of-Bilder präsentieren aus dem Leben einer Kamera, die mich durch Dick und Dünn begleitete und mir stets zuverlässig zur Seite stand...





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