Rege Betriebsamkeit am Sonntag im Bahnhof Estorf

Außerplanmäßiger Halt: Fahrdienstleiter und Triebfahrzeugführer tauschen sich aus
 
ER 20-003 auf der 'Natobahn'

Hallo allerseits!

Heute morgen entschloss ich mich spontan zu einer Fahrradtour mit nicht unwesentlichem Eisenbahnfotografie-Charakter. Eigentlich hatte ich die Tour Nienburg-Landesbergen-Leese-Stolzenau-Liebenau-Nienburg anvisiert - unterwegs kam es jedoch ganz anders...

Nachdem ich schon am vergangenen Mittwoch am Tanklager Schäferhof eine private Diesellok umherrangieren sah, entschloss ich mich, einen kleinen Abstecher von der B215 zum südwestlichen Teil der großflächigen Anlage, die seinerzeit rege von der Bundeswehr genutzt wurde, zu machen. In der Ferne (also in Höhe des nordöstlichen Anschlusses) entdeckte ich zu meinem Erstaunen eine silber-gelbe Dispolok, die mit einigen Kesselwagen munter auf der Hauptstrecke stand.

Ich warf also meine Planungen hinsichtlich der Routenführung über den Haufen und entschied mich spontan, mir diese Zugleistung näher anzusehen. Ein erstes Foto gelang mir auf dem Weg zum Bahnhof Estorf an einem Bahnübergang. Als ich dem Zug so hinterherschaute, bemerkte ich, dass das Einfahrsignal Estorf nicht nur Hp1 (Fahrt), sondern auch Hp2 (Langsamfahrt) anzeigen kann... Der Zug würde also in Estorf "an die Seite" gehen.

Ich fuhr also so schnell als möglich nach Estorf und fand mich wenig später im wirklich höchst idyllischen Dorfbahnhof wieder, in dem die Zeit irgendwie still zu stehen schien und auf dessen Überholgleis nun ER 20-003 stand und das Zugpersonal ein wenig mit dem Fahrdienstleiter plauderte.

Mit einem nicht zu überhörenden "Driiiing" kündigte sich dann der RegionalExpress (RE) aus Minden an - wenige Minuten später begleitet von der weithin hörbaren Pfeife des Triebfahrzeugs. Die Schranken am Bahnübergang senkten sich und die Schienen begannen schon zu singen, als ich nach links blickte und die Ausfahrt für den RE noch nicht stand. "Was kommt denn nun?!", fragte ich mich und siehe da: Es kam 143 174 mit ihrem RegionalExpress nach Rotenburg - allerdings nicht im sonst üblichen Tempo...

Der Triebfahrzeugführer fuhr auch nicht bis zum Ausfahrsignal, sondern legte gekonnt eine Punktlandung vorm Stellwerk hin, um vom Fahrdienstleiter das ein oder andere Dokument entgegenzunehmen. Direkt vor meiner Nase war das Abteil eines Wagens zu stehen gekommen, in dem eine Gruppe Jugendlicher reiste. Das Fenster ging auf und wir schauten uns gegenseitig ein wenig skeptisch an. Nachdem mich einer der Jugendlichen dann freundlich begrüßt hatte, legte er los (sehr aufgeregt zu seinen Kollegen): "Guckt mal, Wahnsinn! Wir stehen hier mitten im Dorf, da übergibt jemand irgendwas an unseren Zugführer und der Kerl da fotografiert das!" - Ich grinste kurz ob dieser spitzfindigen Feststellung und er wandte sich an mich: "Ey, ist das 'n Bahnhof hier?!", wollte er wissen. "Nö. Eigentlich nicht. Ich weiß ich auch nicht, warum Ihr hier steht!", entgegnete ich - wohlwissend, dass es sich sehr wohl um einen Bahnhof handelt. Ich hielt es aber für zu kompliziert, ihm zu erklären, dass Bahnanlagen, die wenigstens eine Weiche besitzen, grundsätzlich als 'Bahnhof' klassifiziert sind, ihr Zug hier aber trotzdem nicht planmäßig hält und verneinte das eben kurzerhand.

Dann übernahm sein Kollege: "Und was fotografierst Du dann da?!" - "Es geht mir eigentlich um den Güterzug da nebenan...", stellte ich klar. "Wieso", grinste er, "sind da bunte Bildchen drauf?!". Auch das verneinte ich und schmunzelte kurz über die Verwendung des Synonyms "bunte Bildchen"... Dann setzte sich der Zug wieder in Bewegung und wir wünschten uns noch einen schönen Tag.

Die Strecke war nun frei und die farbenfrohe Kesselwagenzug-Lok hatte nun Gelegenheit, einmal "Kopf zu machen". Ich dokumentierte kurz dieses eher seltene Schauspiel und machte mich dann auf den Weg zurück zum Tanklager Schäferhof. Dort angekommen rangierte einige Zeit später die Lok munter Wagen hin und her, bevor an ihr Lichter und Motor ausgingen und jemand mit einem lauten Krachen das Zufahrtstor schloss.

"Auch am Sonntag muss schließlich mal irgendwann Feierabend sein", dachte man sich wohl und auch ich trat unter diesem Credo den Heimweg an...

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3 Kommentare zum Beitrag
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Christel Pruessner aus Springe am 28.03.2010 um 21:14 Uhr  
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Alfred Köther aus Peine am 28.03.2010 um 21:18 Uhr  
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Dieter Goldmann aus Seelze am 28.03.2010 um 21:37 Uhr  
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