Frühstücken ist für Wildtiere zur Zeitgefährlich.
Neustadt: B454 | Gefährliche Frühstückszeit für Wildtiere !
Zeitumstellung ist dem Wild nicht bekannt.
Auf Deutschen Straßen sterben jährlich 215.000 Rehe mit steigender Tendenz.
Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Uhren werden eine Stunde vorgestellt. Abrupt fallen morgendlicher Berufsverkehr und Dämmerung zusammen. Damit steigt das Risiko für Wildunfälle schlagartig, denn Rehe sind besonders in den frühen Morgenstunden verstärkt auf Futtersuche. Nach dem langen Winter sind die Notreserven aufgebraucht – das Frühstück wird zum tödlichen Glücksspiel. Hegegmeinschaften und Jägervereinigungen appelliert von daher an alle Autofahrer, besonders an Wald- und Feldrändern aufmerksam zu sein. Angepasste Geschwindigkeit und Bremsbereitschaft kann für Mensch und Tier lebenswichtig sein.
Die Tiere folgen bei ihrer Futtersuche einem festen Rhythmus. Sie wandern vom Wald, ihrem Schlafzimmer, zu nah gelegenen Wiesen und Feldern, ihrem Esszimmer. Ein gefährliches Unterfangen, zeigt die aktuelle DJV-Unfallstatistik: Allein 214.483 Rehe kamen im Jagdjahr 2009/2010 auf Deutschlands Straßen unter die Räder – das mehr als im Vorjahr. Aber auch Wildschweine, Hirsche und andere kleinere Tiere werden jedes Jahr zu Tausenden überfahren. Die hier genannten Zahlen passieren auf gemeldeten Unfällen und Auffunden von Fallwild. (Erklärung Fallwild: Zugrunde Gehen von Wild durch Krankheit, Hunger oder durch Folgen eines Unfalles)
Die meisten Wildunfälle passieren in den Monaten März und April. Denn jetzt lockt das frische Grün: Nachdem Rehe und andere Pflanzenfresser den Winter im Energiesparmodus verbracht haben, sind sie nun hungrig. Gehörn- und Geweihbildung bei männlichen Tieren, Fellwechsel oder die Geburt und Aufzucht des Nachwuchses sind besonders Kraft zehrend. Auch die Streusalzreste am Straßenrand sind eine hochwertige Delikatesse für die Tiere. Denn jetzt gilt es, den leeren Mineralhaushalt aufzufüllen. Wildschweine wühlen gerne nach Salz und brechen mit Ihrer Schnauze die Straßenränder auf um ans Salz zu gelangen. Dabei kann es vorkommen dass die Tiere herankommende Fahrzeuge nicht wahrnehmen und plötzlich auf die Fahrbahn springen. Ein zusätzliches Risiko für Tier und Mensch.
Sollte es zu einem Wildunfall kommen, rät die Jägerschaft, Ruhe zu bewahren und die Unfallstelle abzusichern. Auch müssen Polizei und, wenn bekannt, der zuständige Jäger benachrichtigt werden. Beim Jäger handelt es sich in der Regel um den Jagdpächter oder von Ihm beauftragte Person. Lassen Sie sich von Polizei oder Jäger eine Wildunfallbescheinigung ausstellen. In der Regel Gebühren pflichtig. Diese reichen Sie der KFz Versicherung ein, bei der Schadensabwicklung. Die getöteten Wildtiere dürfen keinesfalls mitgenommen werden, dies wäre Wilderei.
Selbst wenn am Fahrzeug kein sichtbarer Schaden entstanden und das Tier geflohen ist, bittet der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Marburg III.- Ostkreis- , Peter Glinski darum, in jedem Fall den zuständigen Jagdpächter zu benachrichtigen. Denn verletztes Wild läuft unter Schock erst einmal weiter. Ein Jäger kann es mit einem speziell ausgebildeten Jagdhund suchen und das Verletzte Stück Wild von seinen Qualen erlösen. Ist der Jagdpächter nicht bekannt, hilft auch die örtliche Polizei weiter.
Bei der Benachrichtigung bitte genauen Unfallort, Wildart und bei flüchtigem Wild die Fluchtrichtung merken. Hilfreich ist auch die Angabe ob das Wildtier noch lebt oder verendet ist.
Peter Glinski.
Vorsitzender HG.
Quellen : DJV 03.2011, W.Frebert.“Wörterbuch Jägerei.“


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