Über die Folgen einer mittelalterlichen Bluttat
Die Geschichte ereignete sich im tiefsten Mittelalter. Sie ist so lange her, dass es wohl keine Aufzeichnungen mehr darüber gibt.
Damals lebte ein Herr von Overhoy auf seinem Hof, dem heutigen Backhaus-Anwesen in Averhoy. Den brachte sein Knecht so in Harnisch, dass er ihn erschlug. Der Anlass ist nicht überliefert, aber er muss schwerwiegend gewesen sein, denn die Tat wurde wohl nicht als Mord gewertet. Aber wie Heiner Rust sagt, „war so etwas selbst damals nicht die feine Art“.
Der Herr von Overhoy wurde also verurteilt. Er musste öffentlich vor dem Altar der Basser Kiche Abbitte tun und dem Kirchspiel 50 Morgen seines Grundbesitzes abtreten. Offensichtlich hielt sich seine Reue jedoch in Grenzen, denn er suchte sich ein sumpfiges, abgelegenes Stück Wald mit dem vielsagenden Namen Tannenbruch aus. Es liegt am Rande des Moores zwischen Averhoy und Metel.
Dieses Stück Land wurde nun nach einem komplizierten Schlüssel aufgeteilt: Man zerlegte es in zwölf Teile. Davon gingen ein Teil nach Averhoy, je zwei Teile nach Metel und Scharrel, drei Teile nach Basse und vier nach Suttorf. (Rechnet ruhig nach, das macht exakt 12! )
Innerhalb der Dörfer wurden wiederum Anteile errechnet und vergeben: Vollmeier erhielten zehn Einheiten, Halbmeier neun, Groß- und Kleinkötner acht und Brinksitzer sowie Anbauern je sieben. Dabei kamen etwa 120 Anteilseigner zusammen, deren Nachfolger bis heute die "Interessengemeinschaft Kirchspielforst Basse“ bilden.
Der Besitz ist nämlich „an das Herdfeuer“ gebunden, kann nicht separat veräußert werden, sondern geht beim Hausverkauf auf den neuen Eigentümer über.
In jüngster Zeit hatten es sich die fünf Ortsvorsteher nun vorgenommen, ihre Listen zu aktualisieren, um alle Mitglieder der Interessengemeinschaft zu einer Waldbegehung einladen zu können. Auf diesem Wege erfuhr manch ein überraschter Hauseigner erst von seinem Waldbesitz.
Wer nun aber dachte, zu unerwartetem Reichtum zu kommen, wurde enttäuscht, denn schon 1972 wurde das Vermögen wegen Geringfügigkeit aufgelöst und ausgezahlt. Seitdem wird der Wald zwar bewirtschaftet, aber Kosten und Ertrag halten sich die Waage.
Immerhin kamen am 2. Mai 2010 zwanzig Waldbesitzer zusammen, um mit den Ortsvorstehern ihren Wald in Augenschein zu nehmen. (Die Leinezeitung berichtete darüber) Übrigens führt den Vorsitz der Gemeinschaft traditionsgemäß der Vertreter Metels ( z.Z. Friedrich Dettmering ), sein Vertreter ( z.Z. Thorsten Klingemann ) kommt immer aus Averhoy. So hat es keiner von ihnen weit, wenn überraschenderweise doch mal jemand Holz kaufen will.
Text: Monika Stoepper

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