Neustädter Grüne: Patienten brauchen Besseres als nur einen zentralen Ärztenotdienst für vier Städte

"Für Patienten und Ärzte in Neustadt, Wunstorf, Garbsen und Seelze hat der neue zentrale Ärztenotdienst viele Nachteile gebracht", kann Fachredakteur Uwe Lötzerich belegen. Für die Grünen kandidiert er für den Schneerener Ortsrat und den Stadtrat.
 
„Hat ein Kollege aus Wunstorf, Garbsen oder Seelze Dienst, müssen schwer kranke oder gebrechliche Neustädter jetzt länger auf Hilfe warten als bisher“, sagt der Schneerener Hausarzt und grüne Rats- und Ortsratsherr Dr. Godehard Kass. Grund: NAch dem Willen der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es für vier Städte nur noch den zentralen Ärztenotdienst am Neustädter Klinikum und nicht mehr die vier gut funktionieren Ärztebereitschaften vor Ort.
Neustadt: Klinikum Neustadt |

Eine wirklich bürgernahe Reform des ärztlichen Notdienstes anstelle der neuen zentralen Bereitschaftspraxis im Regionsklinikum für 190.000 Neustädter, Wunstorfer, Garbsener und Seelzer haben die Grünen in Neustadt gefordert.

„Wir erwarten von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), dass sie zu gewöhnlichen Arbeits- und Geschäftszeiten den Nutzen der zentralen Bereitschaft für Patienten und Ärzte in allen vier Städten nachweist - und nicht in den Schulferien“, sagt der Grünen-Ratsherr und Schneerener Hausarzt Dr. Godehard Kass. Schließlich hatte die KV-Bezirksstelle Hannover dafür die funktionierenden Ärztenotdienste in Wunstorf, Garbsen, Neustadt und Seelze abgeschafft.

Für keineswegs aussagekräftig halten die Grünen die jüngst von der KV für Neustadt gezogene positive Bilanz zur neuen Zentralpraxis. Denn viele Familien befanden sich zu der Zeit noch im Urlaub oder kannten den erst seit 1. Juli bestehenden zentralen Ärztenotdienst noch gar nicht.

Die Grünen kritisieren den Zentralnotdienst anstelle der vier bewährten Bereitschaften vor Ort als „Reform zu Lasten von Patienten und Ärzten". Allgemeinmediziner wie Dr. Sami Mohtadi (Wunstorf), Dr. Jan Reimers und Boris Höppner (Garbsen), die Bürgermeister von Wunstorf und Garbsen, und bislang nur einzelne Kommunalpolitiker anderer Parteien teilen ihre Bedenken.

Bereits erwiesene Nachteile

Nachteile kann Fachredakteur Uwe Lötzerich, Grünen-Kandidat für den Schneerener Ortsrat und den Stadtrat, schon belegen: „Zur Behandlung Bettlägeriger mussten Wunstorfer und Garbsener Bereitschaftsärzte nach Mitternacht schon sehr weite Strecken in entlegene Dörfer im Neustädter Norden bewältigen.“

Das kann Dr. Kass nur bestätigen: „Hat ein Kollege aus Wunstorf, Garbsen oder Seelze Dienst, müssen schwer kranke oder gebrechliche Neustädter jetzt länger auf Hilfe warten als bisher.“ Die Diagnose des Hausarztes: „Ungünstige Krankheitsverläufe und mehr Rettungsdiensteinsätze werden nun wahrscheinlicher. Denn entnervte Patienten werden häufiger die schnellen Retter alarmieren, die eigentlich nur bei Lebensgefahr ausrücken sollen.“

Noch mobile Patienten aus Wunstorf, Garbsen und Seelze haben bei Akutbeschwerden wie Fieber nun viel weitere Wege zum Klinikum zu bewältigen, wenn ihre vertraute Arztpraxis geschlossen hat. Lötzerich: „Das benachteiligt ärmere Familien, Alleinerziehende und Ältere ohne eigenes Auto, die jetzt abends und nachts auf teure Taxifahrten angewiesen sind.“

Stadt Wunstorf bezweifelt KV-Behauptungen

Die von der KV genannte Höchst-Anfahrtszeit von 25 Minuten zur Neustädter Bereitschaftspraxis können Patienten aus entlegenen Dörfern wie Mesmerode oder Idensen nicht einhalten, hat die Stadt Wunstorf bereits überprüft. Zudem verlängere sich deren Anreise mittwochs oder freitags durch abendlichen Berufsverkehr und durch lange Wartezeiten an Neustädter Bahnschranken.

Patientenbeschwerden zum neuen Notdienstsystem wollen die Grünen im Auge behalten. Daher sollten die vier Städte Beschwerden dazu sammeln und mit der KV bessere Lösungen suchen.

Den Arztberuf auf dem Lande mache diese Reform auch nicht attraktiver. Denn Marathon-Dienste neben dem Praxisbetrieb müssten Mediziner bei Bereitschaften in Kauf nehmen. Einige Vertretungsärzte wollen Bereitschaften nur noch befristet übernehmen, wissen die Grünen. Grund: Wegen längerer Anfahrten haben sie weniger bezahlte Einsätze.
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