Neuer "Parkverhinderungs-Wall" vor Neustadts Bahnhof sorgt für Bürgerunmut

Der neue "Parkverhinderungs-Wall" vor Neustadts Bahnhof wirkt auf Bürger wie ein "Schildbürgerstreich". Fotos: Lötzerich
 
Aktuell gibt es nur noch zwei Kurzzeit-Parkplätze für Bahnreisende, die morgens und abends längst nicht ausreichen.
 
Etliche Berufspendler wie hier am Dienstagmorgen, 16. Februar 2016, sind genervt: Für ihre Pkw fehlt es an Parkplätzen auf der Westseite des Bahnhofs (Hintergrund).
 
Die aktuelle Parkmisere auf der Westseite des Neustädter Bahnhofs: Kaum noch Stellplätze finden hier Berufspendler werktags.
Neustadt am Rübenberge: Bahnhof |

Der neue „Parkverhinderungs-Wall“ auf dem über 16 Monate für 8,4 Millionen Euro umgebauten Bahnhofsvorplatz in Neustadt/Rbge. sorgt derzeit für gehörigen Unmut bei vielen, die häufig auf die Bahn angewiesen sind. Als "Schildbürgerstreich“, „bürgerferne Planung auf Kosten der Steuerzahler“ oder „Schnapsidee“, die Bussen mehr als Bürgern nützt, kritisieren Berufspendler, Bahnreisende und Taxifahrer diese ungewohnte Hügellandschaft. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage von myHeimat.de am Dienstagmorgen, 16. Februar 2016.

Neustadt/Rbge. Worum es geht? Auf einer Freifläche des provisorischen neuen Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) an der Wunstorfer Straße (B 442) wollten die städtischen Wirtschaftsbetriebe als Eigentümer noch einige Kurzzeit-Parkplätze für alle einrichten, die per Auto Bahnreisende bringen oder abholen. Denn nach der aufwändigen Umgestaltung finden sich auf dem Bahnhofsvorplatz gerade einmal zwei Kurzzeit-Parkplätze, ein Behinderten-Parkplatz und zwei Stellplätze für Taxis. Die Region Hannover und RegioBus meldeten jedoch Bedenken gegen den Bauantrag des städtischen Tochterunternehmens an: Mehr Individualverkehr auf dem ZOB-Gelände behindere die An- und Abfahrt der Linienbusse.

Dem hätten sich die Neustädter Wirtschaftsbetriebe laut "Neustädter Zeitung" fügen müssen, ließen schon vorhandenen Asphalt abtragen und die „Parkverhinderungs-Wälle“ rund um die neue Brachfläche aufschütten. Man habe sich mit der Stadt auf den Erdwall geeinigt, weil er optisch schöner sei als ein Bauzaun, erläuterten die Wirtschaftsbetriebe. Aber angeordnet habe die Stadt die neuen Wallanlagen laut Stadtsprecherin Nadine Schley nicht.

Was Beobachter verwundert: Regionssprecher Klaus Abelmann hat gegenüber der "Leine-Zeitung" (20.02.16) die Verantwortung der Region für den denkwürdigen Rückbau des bereits asphaltierten Geländes zur wallumfriedeten Brachfläche auf Kosten der Steuerzahler zurückgewiesen. Denn die Stadt habe über den Bauantrag zu entscheiden und die Region nur dazu Stellung genommen.

Falls die Stadt dort aber bis zur späteren Bebauung einen Kurzzeit-Parkplatz einrichten wolle, müsse sie dort eine Ampelanlage vorsehen. Denn so ließe sich vermeiden, dass an- und abfahrende Autos den Busverkehr behindern. - Offizielle Reaktion der Stadtverwaltung: "Ein Parkplatz ist dort für den Busverkehr ungünstig, da die Zufahrt nur über die Bahnhofskreuzung führen kann."

Doch gleichgültig, wer sich nun den "schwarzen Peter" zuschiebt: Für Aufmerksamkeit und Missmut sorgt die große Brachfläche mit Erdwällen, die ein wenig an aufgereihte steinzeitliche Hügelgräber erinnern, allemal.

Wie reagieren Bahnreisende?


Wie mühsam sich derzeit das Absetzen einer Bahnreisenden auf dem Bahnhofsvorplatz gestaltet, erlebt beispielsweise Kerstin Koller an diesem Dienstagmorgen gegen 8.45 Uhr. Drei Taxis und eine andere Autofahrerin belegen gerade vier Parkplätze, so dass die junge Frau kurz auf den Behinderten-Parkplatz fahren muss, um ihre Mutter aussteigen zu lassen und nicht den Busverkehr zu behindern. Die junge Frau zu myheimat.de: „Auf diesem neuen Vorplatz ist kaum Platz für Kurzzeit-Parker wie mich. Das ist bei uns in Nienburg besser gelöst!“ Dann entdeckt sie die neue Erdwall-umfriedete Brachfläche: „Ein Schildbürgerstreich, oder?“

Kopfschütteln ernten diese neuen Wallanlagen auch bei einem älteren Neustädter, der täglich per Bahn zur Arbeit nach Hannover pendelt: „Das ist doch eine Schnapsidee, die Bussen mehr nützt als uns Bahnreisenden!“ 16 Monate Umbau des Bahnhofsvorplatzes mit zusätzlichen Verkehrsbehinderungen in der Stadt und dann solch ein Ergebnis. Der langjährige Bahnfahrer gegenüber myheimat.de: „Dass es hier im Bahnhof noch nicht einmal einen Kiosk gibt, wo man sich morgens einen Kaffee oder eine Zeitung kaufen kann, zeigt doch auch, dass hier einige Leute nicht bis zu Ende geplant haben.“

Die nächsten Unzufriedenen finden sich nur wenige Meter weiter. „Vor dem Umbau gab es sieben Halteplätze für Taxis, jetzt sind es gerade noch zwei. Da vorn auf der Warteschleife sollen nur noch drei weitere Taxi-Stellplätze entstehen“, bemängelt Taxifahrerin Petra Kemkes und weist in Richtung Wunstorfer Straße. „Für Taxi-Unternehmen hat der teure Umbau die Parksituation ebenfalls verschärft“, pflichtet Erika Kranenberger ihrer Kollegin bei.

Für Berufspendler, die ihren Pkw morgens auf den rasch gefüllten Park- und Ride-Plätzen und Freiflächen auf der Bahnhofs-Westseite abstellen und zu den Gleisen eilen, brachte der millionenschwere Vorplatz-Umbau mit neuem ZOB auch keine Erleichterung: „Warum man hier auf der Bahnhofs-Rückseite nicht gleich mehr Parkplätze für Berufspendler eingerichtet hat, kann ich nicht verstehen“, reagiert eine Pkw-Fahrerin genervt. Mit Glück hat sie noch einen Parkplatz auf den rundum zugeparkten Flächen ergattert, ehe sie zu ihrem Zug nach Hannover hastet. „Das ist doch bürgerferne Planung auf Kosten der Steuerzahler!“

Chancen durch gute Diplomatie?


Doch wie reagieren für Neustadt zuständige Abgeordnete im Regionsparlament auf diese Parkmiseren? Die Unzufriedenheit der Bahnreisenden und Berufspendler kann zum Beispiel der CDU-Regionsabgeordnete Werner Rump gut verstehen, während seine SPD-Kollegin und Neustädter Ratsvorsitzende Christina Schlicker inzwischen in einem Ratsausschuss ihrem Unmut Luft machte: Um diesen „Schildbürgerstreich“, die wallgeschützte Freifläche auf dem Vorplatz, zu beseitigen und die Parksituation rund um den Bahnhof zu verbessern, müssten sich doch intelligente Lösungen finden lassen, ist Rump überzeugt. "Denn baulich machbar ist das allemal", erklärt der frühere Polizeibeamte gegenüber myheimat.de.

Rumps Vorschlag, auf diplomatischem Wege gute Lösungen zu finden, stimmen spontan auch einige Neustädter Politiker wie der Grünen-Ratsherr Dr. Godehard Kass zu: „Für einige Kurzzeit-Parkplätze auf der Freifläche im Interesse der Bürger müssten sich der Neustädter Bürgermeister und der Regionspräsident wohl einfach mal zusammensetzen. Denn auf Sachbearbeiter-Ebene ist da keine Lösung mehr zu erwarten." Die Regions- und RegioBus-Vertreter pochten auf freie Fahrt für den Busverkehr. Die Neustädter Wirtschaftsbetriebe, so Rump, kämen mit dem Erdwall rund um die unfreiwillig zurückgebaute Freifläche nur ihrer Verkehrssicherungspflicht nach und hätten mit den Wällen zumindest ansehnlichere Parkhürden angelegt als Bauzäune.

Neuer Behelfsparkplatz vor Gericht gescheitert


Inzwischen scheiterte vorerst auch der Plan der Stadt, auf der Bahnhofs-Westseite einen zusätzlichen Behelfsparkplatz für die vielen Berufspendler zu schaffen, am Widerstand des örtlichen Bauvereins. Denn erfolgreich hatte sich die alteingesessene Wohnungsgenossenschaft als Anlieger per Klage gegen das Vorhaben gewehrt, weil sie dadurch geltendes Baurecht durch die Stadt verletzt sah.

Genossenschafts-Vorstand Lutz Nolte beschreibt auf Anfrage von myheimat.de, worum es vor Gericht ging: "Der Bau des Parkplatzes sollte entgegen des derzeitig gültigen Bebauungsplanes, der dort auch Wohnbauflächen vorsieht, seitens der Stadt durchgesetzt werden."

Sehr wohl hätte der Bauverein dem Behelfsparkplatz seinerzeit befristet und unter den Bedingungen zugestimmt, dass für Schallschutz gesorgt und er später bei Baubedarf des Wohnungsunternehmens zurückgebaut wird. Lutz Nolte gegenüber myheimat.de: "Leider ist der damalige Stadtbaurat darauf nicht eingegangen." Mit dem im Mai 2015 mit großer Ratsmehrheit abgewählten einstigen Stadtbaurat und Ersten Stadtrat Dr. Jörg Windmann (SPD) habe der Genossenschaftsvorstand gesprochen. Seitdem sei die Stadt aber noch nicht wieder an den Bauverein herangetreten.

„Auch in diesem Fall wäre doch mal ein vernünftiges Gespräch der Stadtspitze mit dem Vorstand des Bauvereins angebracht, um eine für beide Seiten sinnvolle und vor allem für die Berufspendler nützliche Lösung zu finden“, regt der Regionsabgeordnete Rump an. An guten Ergebnissen im Interesse ihrer Bürgerinnen und Bürger müsse sich doch die Qualität von Kommunalpolitik messen lassen, bestätigt er eine entsprechende Frage von myheimat.de.

"Stadt befindet sich in Gesprächen"


Für die Stadt reagierte Stefan Bark, Leiter des Bürgermeisterreferats, auf Anfrage von myheimat.de auf diese Vorschläge: "Die Stadt befindet sich bereits in Gesprächen mit der Region und wird auch mit dem Bauverein noch sprechen, um die Parksituation rund um den Bahnhof zu verbessern."

Wenige Tage später keimt eine gewisse Hoffnung auf, dass doch noch weitere Kurzzeit-Parkplätze auf der Brachfläche vor dem Bahnhof entstehen: Sollte der Parkplatz auf dem Vorplatz doch genehmigt werden, "dann eher nur für Kurzzeitparker, nicht für Pendler, damit nicht zur Feierabendszeit allzu viele Autos auf einmal von dort starten", erklärte die Stadt der "Leine-Zeitung". Auch die Bereitstellung alternativer Parkflächen werde noch geprüft.

Ob der Bahnhof in absehbarer Zeit auch noch einen Kiosk erhält, wofür wiederum Zuständigkeiten und bestehende Mietverträge zu prüfen wären, halten Kenner der örtlichen Kommunalpolitik da für die kleinste Hürde.
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4 Kommentare
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 17.02.2016 | 20:39  
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Uwe Lötzerich aus Neustadt am Rübenberge | 18.02.2016 | 04:31  
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 18.02.2016 | 08:26  
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Uwe Lötzerich aus Neustadt am Rübenberge | 18.02.2016 | 17:23  
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