Wie der „Moorhennies Pfad“ zu seiner Bezeichnung kam

An historischer Stelle: Monika Strecker (r.) überreicht Annemarie Pollner eine etwa 100 Jahre alte Aufnahme des 1953 abgerissenen Moorkruges, der einst neben dem neuen Moorkrug stand. Foto: Preugschat
Neustadt: Moorkrug |

Namenspate ist eine Sicius-Erzählung


Mit einer etwa 100 Jahre alten Aufnahme des 1953 abgerissenen alten Moorkrugs bedankte sich Monika Strecker, die Vorsitzende des Arbeitskreises Kulturlandschafts-Erlebnispfad, bei Annemarie Pollner für den Vorschlag, den noch zu installierenden Weg „Moorhennies Pfad“ zu nennen.

Namenspate ist die Erzählung „Der Moorhennies“, die der Zeitungs-Verleger Wilhelm Sicius 1903 für die Leine-Zeitung verfasste. In der wohl fiktiven Geschichte aus dem 17.Jahrhundert geht es um Brandstiftung, Liebe, Mord, Rache und Vergeltung. Auf Wunsch eines nach Amerika ausgewanderten Freundes gab Bertha Sicius, die Witwe des Zeitungsmannes, 1953 das Geschriebene als Buch heraus.

„Im Mittelpunkt steht dabei unser Poggenhagener Moorkrug, der von jungen Leuten aus Neustadt, Bordenau und sogar Klein Heidorn ein gern besuchtes Vergnügungsziel gewesen sein muss“, betonte Strecker. Ob zu der Zeit um den 30-jährigen Krieg an der heutigen Wunstorfer Straße schon eine Schankwirtschaft für Honigbier stand, wird von Heimatforschern allerdings bezweifelt. Urkundlich erwähnt wird das Wirtshaus, das als Wiege Moordorfs gilt, erst um 1754, als mittels eines Rezesses der Torfabbau geregelt wird und daraus die Moorkolonie entstand.

In dem für damalige Zeiten ansprechenden Gebäude logierte der Moorvogt, der die Torfstechparzellen im Neustädter Bürgermoor einteilte und auch für die Überwachung einer Schleuse auf dem vorbeifließenden Schiffgraben zuständig war. Im 18. Jahrhundert soll das begehrte Heizmaterial mittels Kähne einige Jahrzehnte lang zur Leine und sogar gegen den Strom mittels Treideln bis nach Hannover transportiert worden sein.

Ähnlich wie Sicius ist auch Annemarie Pollner schriftstellerisch tätig. Die Autorin, die in der Neustädter Kulturszene eine Größe ist und 2012 das Qualitätslabel des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung erhielt, verfasste „Zeit-TRaum" und das Kinder- und Jugendbuch „Schnurfel vom Steinhuder Meer“. Selbiger ist ein neutraler Umweltschützer, einzigartiger Heimatkundeförderer und romantischer Fremdenführer mit der Botschaft für Nachhaltigkeit.

Der Abbruch des Moorkruges 1953, der nun zur Firma Dyckerhoff gehörte und seit der Errichtung des neuen Moorkruges in den 1920er Jahren als Wohnhaus diente, fand nicht überall Zustimmung. Es fehlte für eine Sanierung des Traditionshauses allerdings das Geld. Hauptgrund war jedoch, dass das Gebäude einer neuen Bahnüberführung weichen sollte, die nie realisiert wurde. Stattdessen wurde der Schiffgraben verrohrt und dort 1980 der Treckertunnel errichtet, der heute vornehmlich von Radfahrern genutzt wird, denen das Warten an der Schranke Moordorfer Straße auf den Geist geht.
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