Im Rathaus wirds kalt

Neustadt: Rathaus | Eine kleines satirisches Zwiegespräch


Nachdenklich steht der Bürgermeister am Fenster seines Büros.

In der Stadt haben sich demokratische Widerstandsnester gebildet. Natürlich, einige Ortsräte haben den Kampf um hingeworfenen Knochen aufgenommen und streiten jetzt darum, während der Tisch über Ihnen doch so reich gedeckt ist. Aber diese Bürger. Diese immer wieder gestellten Fragen, diese immer wieder gestarteten Aktionen, das ist doch einfach nicht normal.
„Warum soll ein neues Rathaus gebaut werden, brauchen wir wirklich ein Spaßbad, warum wird bei Schulausschusssitzungen die Fragestunden an den Anfang gelegt, wie sieht der Schulweg meines Kindes aus, muss mein Kind in Containern lernen, wie werden die freiwerdenden Gebäude genutzt?“
Als ob ihre Kinder das wichtigste auf der Welt wären, richtig hysterisch diese Leute.

Man traut sich ja schon gar nicht mehr einer von diesem Gören huldvoll über den Kopf zu streicheln, weil man Angst haben muss, das es gleich losbrüllt, dass es seine Schule behalten will.

Den Bürgermeister fröstelt. „Schnickschnack…“ ruft er nach seinem treuen Dezernenten. “Hier bin ich, mein Bürgermeister, stets zu Diensten …“
„Schnickschnack, sparen ist ja ganz schön, aber doch nicht bei der Heizung im Bürgermeisterbüro.“ „Das war aber ihre eigene Idee, mein Bürgermeister, um den Leuten mal zu zeigen dass die Grundschüler auch bei niedrigen Temperaturen lernen können.“ „Ja, ja, aber es ist ja so saukalt, dass ich schon keinen Stift mehr halten kann. Ich denke wir haben jetzt drei Stunden lang genug gutes Beispiel gegeben, drehen sie die Heizung mal wieder auf.“
Schnickschnack hantiert am Heizungsknopf. Es wird wärmer und die Stimmung des Bürgermeisters hellt sich auf: „Erzählen sie mal was Positives, Schnickschnack!“

„Unser Freund aus dem Norden hat den Entwurf des zweiten Faktenbriefes eingereicht.“

„Lesen`se doch mal vor!“

Der Dezernent liest: „Fakt ist: Die Erde ist eine Scheibe. Fakt ist: Der Bürgermeister hat immer Recht. Fakt ist: Man soll immer nur bis zum Rand des eigenen Dorfes schauen. Fakt i…“

„Reicht schon… “ unterbricht ihn der Bürgermeister „ sagen Sie ihm, er soll den ersten Satz nochmal überarbeiten, aber sonst. Nicht schlecht. Respekt. Da wird wohl einigen der Kamm schwellen. Hähä.“

Der Bürgermeister muss über seinen gelungenen kleinen Scherz selbst ein Bisschen lachen.

„Danke Schnickschnack, jetzt habe ich wieder bessere Laune. Was ist los, sie sehen unglücklich aus?“

„Im fernen Mindien, wo ich herkomme, da war alles einfacher, da konnte ich einfach alles zusammenstreichen. Die Menschen hier sind so dickköpfig und ich glaube, sie mögen mich nicht.“

„Aber, aber, mein lieber Schnickschnack, doch nur so lange die Grundschulen geschlossen werden, danach ist alles ruckzuck vergessen, sie werden sehen.“

„Und die geplante Nachnutzung?“ gibt Schnickschnack zu bedenken.

„Ja, die Nachnutzung, sie haben Recht, da kommt noch was auf uns zu. Ach was …“ der Bürgermeister legt väterlich den Arm um seinen Dezernenten.

„Ich mag Sie doch. Die Feuerwehr hat übrigens gestern neue Schläuche beantragt, bei denen kürzen Sie doch auch so gerne. Und dann kenne ich da noch ein neues Spiel. Es heißt „Heute Deine Schule, morgen meine Schule“.

Total witzig sage ich Ihnen, zwei Dörfer kämpfen gegeneinander um den Erhalt ihrer Schulen und zum Schluss sind dann beide weg…“
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