Bordenauer Wanderer in der Otto-Stadt Magdeburg

Morgens am Bahnhofsplatz Magdeburg
 
Ankunft der Bordenauer Reise- und Wandergruppe
Bordenauer Wanderer in der Otto-Stadt Magdeburg

Wo soll man anfangen, wenn man den Besuch der TSV-Wanderer aus Bordenau unter der Leitung von Karl Bähre in eine hochinteressante Stadt beschreiben will? Fangen wir mit dem Organisator an, das geht am schnellsten, Note „Ausgezeichnet“! Allein schon deswegen, weil die Rückfahrt nach Bordenau so gewählt war, dass jeder noch beim Spiel Deutschland gegen Ghana am vergangenen Samstag dabei sein konnte.
Dann wird es allerdings schon erheblich schwieriger, die Ottostadt Magdeburg auch nur annähernd in ihrer Gesamtheit zu würdigen. Aber genau das konnte die Gästeführerin, die die Gruppe am Magdeburger Bahnhof in Empfang und nach einer kurzen geschichtlichen Einführung mit auf die Reise durch die historisch bewegte Vergangenheit und die Gegenwart dieser 230.000 Einwohner zählenden Großstadt nahm. 805 wurde „Magadoburg“ erstmals urkundlich erwähnt und 2005 konnte sie ihr 1200-jähriges Bestehen feiern. Der gebürtige Magdeburger Otto von Guericke, dem die Erfindung der Luftpumpe nachgesagt wird, und Otto I., der erste Deutsche Kaiser und 968 Gründer des Erzbistums Magdeburg, sind die Namenspatrone dieser Stadt an der Elbe (oder an der A2, ja nach Betrachtungsweise).
Otto von Guericke demonstrierte dem staunenden Publikum 1657 mit seinem spektakulären Experiment der „Mag-deburger Halbkugeln“ die gewaltige Kraft des Luftdrucks. Damit war er nicht nur der Begründer der Vakuumtechnik, sondern nach ihm wurde auch ein 63 km durchmessender Mondkrater benannt, was allerdings nicht bedeutet, dass Magdeburg auf oder hinter dem Mond läge.
Das bewies nicht zuletzt auch die Gästeführerin, deren nicht leicht zu lösende Aufgabe es war, den Besuchern innerhalb von nur zwei Stunden ihre Stadt näher zu bringen. Und das war gewiss nicht in einem gemächlichen Spaziergang zu bewältigen! Folglich schlug sie bei der Vermittlung ihres umfangreichen Wissens eine recht forsche Gangart an, der die atemlos staunenden Bordenauer mit großem Interesse folgten. Wie ausgedehnt dieses Wissen war, stellte sie bei der Frage nach dem „Preußischen optischen Telegraphen“ unter Beweis: „Station 14 auf dem Dach der Johanniskirche, 1832 bis 1849!“, wie aus der Pistole geschossen! Nochmals Note „Ausgezeichnet“! Für an diesem Thema interessierte Leser sei auf eben diesen Suchbegriff bei Wikipedia verwiesen.
Das „Magdeburger Stadtrecht“ aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert war Ursprung des späteren „Sachsenspiegels“, der als ältestes deutsches Rechtsbuch gilt und bemerkenswerterweise auch in Osteuropa Anwendung fand. Nach völliger Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde Magdeburg wieder aufgebaut, um im Januar 1945 erneut und gründlich bis zu 90 Prozent zerstört zu werden.
Viele wieder aufgebaute und in ihrem ursprünglichen Glanz neu erstrahlende historische Gebäude und Kirchen galt es auf dem weiteren Weg zu bestaunen, deren einzelne Aufführung an dieser Stelle sicher erwähnenswert wäre, den Rahmen dieses Berichtes aber sicher sprengen und die Redaktion einer diesen Bericht veröffentlichenden Zeitung vor ein nahezu unlösbares Problem stellen dürfte (weshalb die Veröffentlichung auf myHeimat auch der sinnvollere Weg ist). Darunter natürlich auch der Dom, für den aus Zeitmangel zunächst jedoch nur ein kurzer Blick auf die Fassade übrig blieb, später ergab sich noch eine Gelegenheit, den Dom doch noch von innen zu sehen. Und nicht zu vergessen die unzähligen Skulpturen, Plastiken und Reliefs, die überall die Aufmerksamkeit des Betrachters hervorrufen. Schließlich endete die trotz der Zeitknappheit durchaus empfehlenswerte Führung durch die Domstadt beim Denkmal Otto von Guerickes und dem Standbild des „Goldenen Reiters“.
Nach kurzer Mittags- und Verschnaufpause folgte eine zweite Führung, dieses Mal war das „Hundertwasser-Haus“ Objekt des Interesses. Allerdings tat sich die hierfür eingesetzte Gästeführerin schwer, zumal gerade die Vorbereitungen zur Mittsommerfeier ausgerechnet in den Innenhöfen des von Menschen überlaufenen Gebäudes für soviel Lärm und Gedränge sorgten, dass von den sicherlich bedeutsamen Ausführungen der guten Frau nur wenige das Gehör der Bordenauer Wandergruppe erreichten. Reichlich überflüssig war dann auch der Ausflug in die Tiefgarage des Hauses, wo sich bei den mit weißer Farbe auf den Boden gepinselten Einstellboxen der Hang zur unkonventionellen Linienführung des Erbauers fortsetzte. Bei der Besichtigung einer der vielen Einliegerwohnungen konnten die Bordenauer Wanderer dann feststellen, dass es sich in ihrem Heimatdorf doch besser leben lässt als in der Enge einer 90 Quadratmeter messenden Wohnung mit schrägen Fliesen und mit Ausblick auf die bunte Vielfalt einer ziemlich verrückten Architektur. Zur Benotung dieser Führung sollte mit Rücksicht auf die hilflos wirkende Gästeführerin besser nichts gesagt werden. Zum Ausklang des Tages folgte eine wie auch auf der Hinfahrt zweieinhalbstündige Rückfahrt über Braunschweig mit der Deutschen Bahn, bei der das Erlebte noch einmal ausgiebig diskutiert und nachempfunden werden konnte.
Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Da schreibt und kürzt man sich ‘nen Wolf, schickt den ganzen Kram exklusiv an irgend eine Zeitung und dann – pfff! Nur ein brav herunterberichtetes laues Lüftchen war das Endergebnis. Wer es gelesen hat, weiß, was ich meine. Ich glaub‘, ich lass‘ es demnächst lieber (wieder)!
1
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.