Vertigo entführt in schwindelnde Höhen

Die Formation "Power!" zeigt elegante Sportakrobatik (Foto: Turn- und Sportfördergesellschaft mbH)
 
Breakdance auf Krücken - Dergin "Stix" Tokmak (Foto: Turn- und Sportfördergesellschaft mbH)
Das Feuerwerk der Turnkunst trägt 2015 den Titel „Vertigo“. 16 Showacts sowie ein Comedian und das Feuerwerk der Turnkunst Showteam als roter Faden erhielten am Sonntag, 11. Januar 2015 nach ihrem Auftritt in der ausverkauften Olympiahalle in München viel Applaus.

Im Lateinischen heißt Vertigo Umdrehung, kommt von vertere („wenden“). Gleichzeitig ist Vertigo der medizinische Ausdruck für Schwindel. Dieser Begriff passt also ganz gut für die zweistündige Vorstellung, in der sich die Turner und Artisten mal ebenerdig und mal in schwindelerregenden Höhen wendeten und wirbelten. Da kombinierte Lisa Rinne eine von ihr entwickelte akrobatische Strickleiter mit einem Trapez und vollführte unter der Kuppel der Olympiahalle eine phänomenale Darbietung, die dem Programmtitel „Vertigo“ ganz klar gerecht wird.

Auch Stepan Melnyk an den Strapaten, Artem Ghazarian und Thomas Greifenstein an den Ringen sowie Nataliia Moskvina und Katarina Prokesova auf dem Trampolin wollten hoch hinaus. Marcel et ses drôles femmes verbanden solide Action auf dem Corean Cradle mit Klamauk und auch bei den Franzosen vom Trio des gars de planche auf dem Schleuderbrett kamen Slapstick-Einlagen nicht zu kurz. Ein rasantes Tempo legten die Adole Brothers aus Äthiopien bei ihren „Ikarischen Spielen“ vor. Der liegende Akrobat schleuderte seinen Partner zu „Satisfaction“ von den Rolling Stones mit den Füßen in die Luft. Diese spektakuläre Show wirkte wie aus einem Guss, schwindelerregend trotz niedriger Fallhöhe knapp über dem Boden. Und das war auch gut so, denn zwei Mal war dem Duo selbst offenbar die eigene Geschwindigkeit nicht mehr geheuer.

Sportakrobatik-Nachwuchs überzeugt
Das Tempo-Gegenteil zu den Adole Brothers lieferte Handstandakrobatin Anastasiia Mazur, die das Publikum mit Körperbeherrschung in Zeitlupe faszinierte. Schwungvoller wurde es direkt danach bei Taras Hoi am Schlappseil – einem zwischen zwei festen Punkten lose hängendem Seil. Der Ukrainer vollführte darauf im Balancieren Kunststücke mit verbundenen Augen. Natürlich erwarten Zuschauer bei einem Feuerwerk der Turnkunst im Gegensatz zum Zirkus auch auf Show getrimmte turnerische Darbietungen und Pyrotechnik. Letztere kam in Form von Fontänen an Rhönrädern zu Beginn der Nummer von Wheel Sensation zum Einsatz. Für hochklassiges Turnen sorgten Gharzarian und Greifenstein mit ihrem Kollegen Kevin Wittig am Seitpferd mit Airtrack, das Quartett Rokashkov, das eine Liebesgeschichte am Reck inszenierte, sowie die Sportakrobatik-Gruppe „Power!“. Bei Power!, den Gewinnern des TUI Nachwuchspreises 2014, zeigten nicht nur die Pyramiden-Spitzen Spagate, sondern auch die Hebenden wechselten während der Figur in den Spagat. Der Nachwuchspreis wird jährlich unter den lokalen Gruppen im Rahmen der Tournee des Feuerwerks der Turnkunst vergeben.

Als lokale Gruppe eröffneten die „Magic Butterflys“ vom Turn- und Artistikverein Neumarkt in München das Feuerwerk der Turnkunst 2015. Im Matrosen-Outfit zeigten die mehr als 40 Kinder und Jugendlichen eine abwechslungsreiche Darbietung im Seefahrer-Bild mit Hebefiguren und Jonglage zu Musik von Santiano. Zwei Mal vereinnahmte Dergin „Stix“ Tokmak die Bühne für Breakdance auf Krücken und machte dabei stets einen heiteren Abgang im Zusammenspiel mit Kai Eikermann oder dem Feuerwerk der Turnkunst Showteam. Diese bauten die Brücken zwischen zwei Nummern und versüßten den Zuschauern die Umbauten. Physical-Comedian Eikermann unterhielt mit Bewegungen und Körperausdrücken zu Geräuschen. Das von Heidi Aguilar choreographierte Showteam dagegen zeigte viele Facetten aus den Bereichen Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Tanz und Akrobatik, wobei auch immer wieder ein Einrad glänzend eingebunden wurde.

Zum Ende der Show banden die Dunking Devils bei ihrer Basketball-Show mit Minitrampolin zwei Statisten aus dem Publikum ein und begeisterten mit innovativen Einlagen. Nach dem Finale mit allen Teilnehmern sorgte „MainTenanT“, eines der gefragtesten Akrobatik-Duos weltweit, zum Abschluss noch einmal für staunende Münder. Dr. Alfons Hölzl, Präsident des Bayerischen Turnverbandes und Bayern1-Moderator Stefan Lehmann hatten in ihren Grußworten in der Olympiahalle nicht zu viel versprochen.

Am 16. Januar 2016 kehrt der Niedersächsische Turner-Bund mit der Turn- und Sportfördergesellschaft mbH mit einem neuen Programm für Europas erfolgreichste Turnshow nach München zurück. Dann bietet das Feuerwerk der Turnkunst 2016 mit dem Titel „Imagine“ sogar zwei Vorstellungen an.

Rückblende: Das Feuerwerk der Turnkunst 2014 trug den Titel „Esperanto“ und beinhaltete noch mehr Vielfalt und spektakulärere Akrobatik aus aller Welt.
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