Rezension: Kalte Fische

Kalte Fische (Foto: Cover; Frankfurter Allgemeine Buch)
In „Kalte Fische – Warum wir Top-Jobs mit Top-Flops besetzen“ beschreibt Assessment-Experte Leopold Hüffer, weshalb so viele Personalentscheidungen unglücklich getroffen sind. Er widmet sich Blendern und Patriarchen genauso wie leistungsstarken Abteilungsleitern, denen für ihre Beförderung eine notwendige Kompetenz fehlt. Zum Kauf verleitet wird der Neugierige mit Erwähnungen des Pannenflughafens Berlin-Brandenburg und der Elbphilharmonie Hamburg auf dem Klappentext. Doch das Werk aus dem Verlag Frankfurter Allgemeine Buch erfüllt die dadurch geweckten Erwartungen des Lesers nur geringfügig.

Versprochen wird ein Blick hinter die Kulissen der Personalentscheidungen. Dabei soll der Leser die gesellschaftlichen Mechanismen entdecken, die zu „Vetternwirtschaft, Karrierestreben, Bauchgefühl und Kurzschlussentscheidungen führen“. Diesem Versprechen kommt Leopold Hüffer auch nach. Aber er analysiert nicht - wie gedacht - die katastrophalen Entscheidungen, die im Verlauf der erwähnten Großprojekte Flughafen Berlin-Brandenburg und Elbphilharmonie getroffen wurden und nennt auch sonst keine namentlich greifbaren Fehlbesetzungen. Auf die Frage des Untertitels „Warum wir Top-Jobs mit Top-Flops besetzen“ verliert sich der Autor geradezu in einer Vielzahl an Erklärungen. Leider zieht er dabei fast keine klaren Schlussfolgerungen, sodass sich der Leser nach der Lektüre nicht wirklich schlauer fühlt.

Hüffer bricht eine Lanze für Assessment-Expertise
Festzustehen scheint, dass es für Stellenbesetzungen auf Führungsebene keine Musterlösung gibt. Da helfen die vielen Beispiele, warum diverse Personalentscheidungen katastrophal nach hinten losgingen, nur bedingt. Und auch ein Assessment-Center ist nicht unfehlbar, wie Leopold Hüffer betont. Er ermutigt die sich ihrer Verantwortung häufig anscheinend nicht bewussten Gremien, die über die Einstellung des Geschäftsführers zu entscheiden haben, allerdings pausenlos dazu, auf erfahrene Assessment-Profis sowie Headhunter zurückzugreifen. Logisch, schließlich verdient der Diplom-Psychologe, „Unternehmensberater für Führungskräfteassessments“ (Eigenbeschreibung im Prolog) und Lehrbeauftragte der Universität Zürich auch gut an der Vermittlung von Kandidaten in die Chefetage. „Kalte Fische“ genügt wissenschaftlichen Ansprüchen aufgrund der etwas unübersichtlichen Struktur, der starken persönlichen Meinung und der wenigen klaren Erkenntnisse jedenfalls nicht.
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