Plattenkritik: Otto Normal - Das neue Normal

Otto Normal Band (Foto: Pressefoto)
Otto Normal ist eine Band aus Freiburg. Auf ihr Album „Das neue Normal“ haben sie 15 treibende Stücke gepackt. Sie, das sind Rapper/Sänger Peter Stöcklin, Lucas Oberascher und Patrick Heil an den Keys, Gitarrist Sebastian Scheipers, Bassist Philipp Rauenbusch sowie Anthony Greminger am Schlagzeug. Mal klingen die Tracks nach Deichkind, mal nach Kraftklub. Doch die Scheibe mit den überwiegend belanglosen und wenig abwechslungsreichen Texten, bleibt nicht unbedingt im Ohr. Eine Plattenkritik von Song zu Song.

Der erste Track auf „Das neue Normal“ ist die Single-Auskopplung „Augen zu“. Ein schwacher Auftakt, der matt vor sich hin dümpelt. Daran schließt sich „Paris Paris“ an. Hauptsache ein paar französische Sprachfetzen wie „très bien“ eingestreut, eine weibliche, gedämpfte und nach viel technischer Unterstützung klingende Stimme im Hintergrund und fertig ist die blödsinnige Liebeserklärung an Frankreichs Hauptstadt. Es folgt der nervtötende „Tanzroboter“, dessen funky Soundkleid wenigstens zum Thema passt. Spätestens beim vierten Track „Ich bin geil“, in der die titelgebende Zeile bis zur Unerträglichkeit im Stil eines Mantras gequietscht wird, möchte man die CD aus dem Rekorder werfen.

Drogen, Nutten und Deichkind
Der fünfte Song „Noch n Nö“ versucht auf den Spuren von Deichkind zu wandeln. Um Gleitgel und Kreidehaut geht es im mäßig gerappten „Sternenfeuer“, das die Geschichte einer Prostituierten aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen möchte. Entspannter als beim hektisch vorgetragenen „Sternenfeuer“, ja geradezu seicht und einschläfernd, geht es im darauffolgenden „Ich tauch ab“ zu. Darin wird eigentlich geflogen - und zwar ins Szenario des Folgesongs „Traumfänger“, der textlich mehr zu bieten hat, als der begleitende Sound zulässt. Direkt wieder bergab geht es im Disco-Song „Black Beauty Paradise“, in dem Drogen aufgezählt werden. Immerhin transportiert die immer rasender werdende Stimme die Drogenrausch-Stimmung.

Auch der zehnte Track „Alarm Alarm“ gibt dem Album von Otto Normal keinen Mehrwert, weder textlich, noch gesanglich und auch nicht musikalisch. Ein bisschen nachdenklicher, reifer und dennoch flockiger kommt da schon der CD-Namensgeber-Song „Das neue Normal“ daher, trotz Kinderchor im Ende. Das Lied beschreibt die Sehnsucht nach einem lebenswerten Dasein in einer Welt als Attrappe mit „Kulissen aus Pappe“, in der Menschen als Statisten Stunden verbrauchen. Nun wird’s aber Zeit für den obligatorischen Herzschmerz, den „Das siebte Jahr“ liefert. So recht passen mag der Liebeskummer-Beitrag aber nicht zum bisher Gehörten.

Perlen am Ende versteckt
Sind das etwa orientalische Klänge zu Beginn von „Herr König“? Drei verschiedene Soundmuster, aufregend miteinander verwoben, bietet der 13. Song, der phasenweise in epische Gefilde schwingt. Kriegt das belanglos vor sich hinplätschernde Album von Otto Normal in den letzten Stücken noch die Kurve? „Herr König“ zählt klar zu den Lichtblicken der Platte. Solide präsentiert sich die nachfolgende Nummer „Lichtgeschwindigkeit“, die doch tatsächlich mit den Worten „Augen zu“, also dem Titel des Openers, startet. Nach hinten raus zieht sie sich allerdings, ohne Neues zu bringen. Zum Nachdenken regt auch der Abschlusstitel „Der Clown“ an. Musikalisch von einem Blasinstrument unterstützt und ausnahmsweise zwischendurch mit ein paar Zeilen auf Englisch. Schade, dass das Album von Otto Normal erst mit dem Trio am Schluss des Tonträgers zeigt, dass die Freiburger durchaus Potenzial haben.
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