Wem gehört Deutschland?

Wem gehört Deutschland? Ein Buch von Jens Berger. (Foto: Cover; © Westend Verlag)
Jens Berger versucht in seinem Buch „Wem gehört Deutschland? Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen“ die Reichtumsverhältnisse in der Bundesrepublik zu beleuchten und die Diskussion über die Vermögensschere in Gang zu setzen.

Der Journalist, der vor allem für die NachDenkSeiten, seinen politischen Blog Spiegelfechter und die taz schreibt, liefert auf Basis offizieller Statistiken wie der PHF-Studie, dem sozio-ökonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Top 500 Liste des Manager Magazins einen „inoffiziellen Reichtumsbericht“. Auf 256 Seiten veranschaulicht Jens Berger in zwölf Kapiteln zahlenlastig, dass nur die Superreichen überhaupt die Möglichkeit haben, Vermögen anzuhäufen. Im 13. Kapitel liefert er dann einen 16-Punkte-Katalog ab, wie die Vermögensschere seiner Meinung nach fair zu schließen wäre, ohne dass dem Staat Steuereinnahmen verloren gehen.

Jens Berger bemerkt, dass sich offizielle Berichte weniger auf Reiche stützen, sondern überwiegend Zahlen- und Datenmaterial zur Armut liefern. Er stellt fest, dass am Rentensystem nach Rürup und Riester praktisch nur Vertriebler verdienen, Arbeitnehmer sich jedoch keine solide Altersvorsorge aufbauen können. Auch an Immobilien verdienen nur große Konzerne, die, auf Rendite getrimmt, Mieten erhöhen aber Instandhaltung/Sanierung vermeiden. Bei jeder Art von Finanzdienstleistung scheinen es ausnahmslos die Finanzunternehmen und ihre Besitzer zu sein, die profitieren. Dem kleinen Mann wird Jens Berger zufolge die Chance auf Vermögensbildung verwehrt, während den Superreichen, politisch gewollt, noch mehr gegeben wird: durch Dividenden, schonungsloser Rendite-Getriebenheit und vor allem steuerlicher Begünstigung. Sie mehren ihr Vermögen im Gegensatz zum kleinen Mann auch durch Sparen und Erbschaft.

Von der Politik hofiert, pressen die großen Kapitalisten ihre Angestellten durch Lohn-Dumping u.a. aus, während Kleinbetriebe, mittelständische Unternehmen und vor allem die häufig am Existenzminimum lebenden (Zwangs-) Selbständigen leiden. Der Autor zeigt die Macht von BlackRock, einem Global Player, der Anteilseigner aller DAX-Konzerne ist, auf. Im elften Kapitel kommt er noch konkret auf mächtige und extrem reiche Familien in Deutschland zu sprechen, die er in Billigheimer, Profiteure (Einzelhandelsmilliardäre), Dividendenkönige, Kriegsgewinnler, Spendierfreudige, Medienbarone, Finanzmogule, Rüstungsmagnaten, Wurstkönige, Hühnerbarone und Heiler unterteilt.

Fazit: Leser von „Wem gehört Deutschland?“ können zwar die titelgebende Frage nicht konkret beantworten, wissen aber nach der Lektüre, warum die Vermögensschere auseinandergeht und dass hauptsächlich den Finanzunternehmen nicht nur Deutschland, sondern wohl die ganze Welt gehört. Ohne mutige Politiker, die eine sozial gerechte Umverteilung des Vermögens, durchsetzen, werden die Armen noch ärmer, während die Superreichen weiterhin noch mehr Reichtum anhäufen. So schließt Jens Berger seinen inoffiziellen Reichtumsbericht dann prompt mit der Forderung „Zivilisiert den Kapitalismus!“

Titel: Wem gehört Deutschland? Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen
Autor: Jens Berger
Infos zum Buch: 256 Seiten, Klappenbroschur
Erscheinungsdatum: Mai 2014
Verlag: Westend
ISBN: 978-3-86489-053-6
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