„Man muss wissen, worauf man sich einlässt“ – Ein Interview mit Hansjörg Durz
Hansjörg Durz ist 2. Bürgermeister von Neusäß und Mitglied im Stadtrat. Seit mehreren Jahren lenkt er schon die politischen Geschicke von Neusäß mit. Nächstes Jahr wird er zur Wahl zum 1. Bürgermeister antreten. Die myheimat-Reporterinnen Claudia Dörr und Carolin Westphal kamen mit dem sympathischen Politiker ins Gespräch über seine politischen Wurzeln, Neusäß und sommerliche Freizeitaktivitäten.
myheimat: Herr Durz, Sie wurden vor kurzem mit einem sehr eindeutigen Ergebnis zum Bürgermeisterkandidaten der CSU gewählt. Hätten Sie dieses Ergebnis erwartet?
Hansjörg Durz: Erhofft, aber nicht erwartet. Man weiß ja nie, wie die Delegierten an so einem Abend entscheiden.
myheimat: Bestätigt Sie das in Ihrer Arbeit?
Hansjörg Durz: Das auf jeden Fall. Als 2. Bürgermeister hat man ja auch schon Entscheidungen zu treffen, die vielleicht dem ein oder anderen nicht so gefallen. Das Ergebnis hat mich riesig gefreut und das gibt auch Kraft für die Zukunft.
myheimat: Die Basis Ihrer zukünftigen Politik ist „Politik im Dialog“ – was heißt das für Sie?
Hansjörg Durz: Das heißt einfach in den verschiedensten Bereichen auf die Menschen vor Ort zuzugehen und sie mit in die anstehenden Entscheidungen einzubinden.
myheimat: Was sind Ihre politischen Ziele?
Hansjörg Durz: Ich habe in der Nominierungsveranstaltung vier Ziele genannt:
1. Den Bürgerservice verbessern: z.B. das Rathaus offener und bürgerfreundlicher gestalten.
2. Wirtschaftsförderung: kleine und mittelständische Betriebe langfristig in Neusäß halten und neue Unternehmen ansiedeln. Es ist wichtig, dass es hier Arbeitsplätze gibt.
3. Schulen fördern: Neusäß ist der Schulstandort im Landkreis Augsburg. In einer Zeit, in der Kinder eigentlich fehlen, ist es umso wichtiger, dass man die Einrichtungen erhält und schaut, dass diese so gut wie möglich ausgestattet sind.
4. Bildung eines Stadtzentrums: In Verbindung damit ist vor allem die Entwicklung eines S-Bahn Systems zu nennen.
myheimat: Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Hansjörg Durz: Ich bin während dem Studium gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, für den Stadtrat zu kandidieren. Ich habe mir dann überlegt, dass man nicht nur kritisieren kann, sondern wenn man was verändern will, selber mitmachen muss und kandidierte auf dem vorletzten Listenplatz. Ich bin für mich total überraschend weit nach vorne gewählt worden und saß dann im Stadtrat. So kam eins zum anderen und plötzlich war ich mitten im politischen Geschehen drinnen: Nach zwei Jahren wurde ich stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Ein paar Jahre später 2. Bürgermeister. Im nächsten Jahr werde ich als 1. Bürgermeister kandidieren.
myheimat: War die politische Laufbahn bis jetzt immer so, wie Sie sich sie vorgestellt haben?
Hansjörg Durz: Man muss wissen, worauf man sich einlässt, aber wenn man sich zu viele Gedanken macht, liegt man immer falsch. Als ich zum ersten Mal für den Stadtrat kandidiert habe, wusste ich nicht, worauf ich mich da einlasse. Vor allem, dass die zeitliche Inanspruchnahme so extrem ist, habe ich damals nicht gedacht. Aber das ist so, da muss man sich einfach rein leben.
myheimat: Jetzt mal weg von der Politik. Mit welchen drei Wörtern lässt sich Ihr Charakter am besten beschreiben?
Hansjörg Durz: Ruhig – mehr Zuhören als Reden – Familienmensch.
myheimat: Was machen Sie bei den derzeitigen sommerlichen Temperaturen in Ihren wenigen freien Stunden?
Hansjörg Durz: Am liebsten in den Bergen Radfahren, z.B. mit dem Mountainbike in der Schweiz. Ich habe das große Glück, dass meine Frau das mitmacht. Wobei das momentan eher weniger der Fall ist, weil wir eine kleine Tochter haben, die gerade ein Jahr alt geworden ist.
myheimat: Arbeiten Sie noch regelmäßig in Ihrem Unternehmen oder bleibt durch Ihr politisches Engagement keine Zeit dafür?
Hansjörg Durz: Es sind im Grunde zwei Unternehmen: der elterliche Betrieb und das Internetunternehmen, das ich zusammen mit meinem Bruder gegründet habe. Ich bin in beiden für den betriebswirtschaftlichen Teil verantwortlich und das kann ich mir momentan zeitlich noch einteilen. Wenn ich zum 1. Bürgermeister gewählt werden sollte, ändert sich das natürlich. Man kann sich nur auf eine Aufgabe richtig konzentrieren. Ich kann aber jederzeit auch wieder in die Firma zurückkehren und das ist wichtig im politischen Bereich.
myheimat: Neusäß hat ja drei Partnerstädte – welche würden Sie am ehesten als privates Reiseziel auswählen?
Hansjörg Durz: Das ist eine gemeine Frage (lacht). Ich war mehrfach in Markkleeburg und zweimal in Cusset. Wo ich noch nicht war, ist in Schweden. Insofern würde das als Reiseziel eher anstehen.
myheimat: Hatten Sie jemals den Gedanken aus Neusäß wegzuziehen, zum Beispiel in die Großstadt München?
Hansjörg Durz: Nach der Grundschule in Täfertingen war ich neun Jahre lang im Internat in St. Ottilien. Das ist zwar auch auf dem Land, hat aber einen S-Bahnanschluss nach München. Ich bin dann, weil ich die Verbindung zur Heimat halten wollte, zum Studieren wieder hierher gekommen und habe in Augsburg studiert. Dann stand die Entscheidung an, ob ich beruflich nicht ins Ausland gehe. Aber ich habe festgestellt, dass es mir sehr, sehr wichtig ist, dass meine Familie und meine Freunde in der Nähe sind und dann war für mich entschieden, dass ich wirklich hier bleiben möchte.
myheimat: Was ist für Sie typisch Neusäß und was gefällt Ihnen am besten?
Hansjörg Durz: Die Vielseitigkeit. Dass es entstanden ist aus acht Dörfern, dass jedes Dorf so seine Eigenheiten hat, aber dass sich das gerade hervorragend ergänzt. Es gibt in jedem Stadtteil Besonderheiten und das macht Neusäß aus.
myheimat: Herr Durz, vielen Dank für dieses Gespräch.
Interview: Claudia Dörr und Carolin Westphal
Bilder: H.J. Durz



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