Unterhaltung mit Biergeschmack

   

Friedrich Ani, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller aus München, war am 1.April als Höhepunkt der Aktion „DIEDORF LIEST! Lesen Sie mit!“ der Buchecke Diedorf im Theaterhaus Eukitea zu Gast. Im Mittelpunkt stand die Lesung aus seiner neuen Kurzgeschichtensammlung „Unterhaltung“, anschließend beantwortete Ani bereitwillig Fragen zu seinem Wirken und Leben.

Vier Wochen lang wurden die Diedorfer Leserinnen und Leser durch die Aktion „DIEDORF LIEST! Lesen Sie mit!“ auf die Lesung des bekannten Autors Friedrich Ani neugierig gemacht. Sein Buch „M“ konnte nicht nur in der Buchecke, sondern in vielen anderen Geschäften beim täglichen Einkauf erworben werden. Der Erfolg dieser ungewöhnlichen Art zum Lesen anzuregen wurde durch die großen Anzahl Besucher, die dann am 1. April in das Theaterhaus Eukitea kamen, deutlich.
Ani, leidenschaftlicher und vielseitiger Schriftsteller, Autor zahlreicher Kriminalromane, unter anderem der „Tabor-Süden-Reihe“ mit inzwischen 19 Folgen, Hörspiele, Drehbücher und Bühnenstücke, Gedichte und Jugendromane, wurde vom Team der Buchecke Diedorf und den begeisterten Lesern freudig begrüßt. Nach einem stärkenden Schluck vom Bier der Marke „Amaris 50, feinherbe Vorfreude“, bedankte sich Ani für die erneute Einladung der „freundlichsten Buchhandlung der Republik“ nach Diedorf – wo es immer auch dieses wunderbare Getränk gibt.
Und dann begann er zu lesen, akzentuiert, amüsant, aus seinem Buch „Unterhaltung“. Darin gesammelt sind Monologe und Dialoge, schräge und seltsame Geschichten über eigenwillige, verzweifelte Figuren, Menschen, die (Bier) trinken und reden.
„Der verzweifelte Erlöser“ ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch, sein Leben besteht aus der Aufregung über die moderne Fernsehwelt, Markus Lanz, das „ätzende Spatenbier“ und den kompletten Verlust der Ordnung in seiner Welt. Nicht mal mehr Monika Gruber ist die Alte.
In der Geschichte „Bioherz mit Bandnudeln“ beklagt Arnulf, der Immobilienmakler, sein trauriges Leben als „Wegelagerer“, ärgert sich über den Hollerblüten-Prosecco, den die „Medien-, Jura-, und BWL-Blondie“ an der Bar neben ihm in sich reinkippt, und bekommt am Ende von der Dame einen tödlichen Schlag verpasst.
„Kann ich jetzt gehen?“ fragt der Angeklagte vor Gericht, der einen ehemaligen Klassenkameraden in den Kofferraum seines gelben Porsches gestopft hat.. eine Geschichte voller Vorurteile und bitterbösem Humor.
Die „Bekenntnisse eines Stüberlbewohners“ sind eher melancholisch, berichten von der Einsamkeit eines Stammkneipenbesuchers, der zur Abwechslung - „Erst durch Abstand entsteht wahre Liebe“ - einmal in der Woche in ein anderes Stüberl wechselt.
In „Komplexer Disput gegen Mitternacht“ wird leider immer noch nicht abschließend geklärt, ob Hitler nun ein Nazi war oder nicht…
Richtig heiter wird es wieder mit der „Verunglückten Fahrzeugkontrolle“ mit dem eindeutigen Beweis, dass Polizisten auch nur Menschen sind.
Ani unterbricht seinen Vortrag immer wieder mit launigen Erzählungen, einem kurzen Lamento, dass „das beste Bier überschäumt und scheiße schmeckt, wenn es warm wird“, und gibt auch zwei kurze „Postkarten-Krimis“ zum Besten.
Nach lang anhaltendem Applaus, durchaus in der Hoffnung, eine „Zugabe“ zu bekommen, die aber leider enttäuscht wurde, ließ sich Ani bereitwillig auf Fragen aus dem Publikum ein.
„Haben Sie das Bier absichtlich zum Hauptthema dieses Abends gewählt oder war das eher zufällig?“ Ani meinte, das hätte sich einfach so ergeben, natürlich durch den Stoff – einsame Menschen in Kneipen – bedingt, die eben viel trinken würden.
„Wie kommen die Themen zu Ihnen?“ Ani sieht sich nicht als Autor, der Themen in einer Schublade „sammelt“, in der er nachsehen kann, wenn er einen neuen Roman oder eine Geschichte schrieben will. Er notiert sich keine Dialoge in Gasthäusern, er schaut und hört nur zu, was die Menschen machen und sprechen. Die Geschichten entstehen dann aus der Erinnerung und dem, was er sich in seinem Arbeitszimmer ausdenkt. Er ist auch ein sehr disziplinierter Schriftsteller, er verbringt viele Stunden an seinem Schreibtisch, das ist seine „Anwesenheitspflicht“, vor der er nicht weg läuft. Jeder neue Roman ist eine Herausforderung, das Schreiben wird durch die Anzahl der Veröffentlichungen nicht leichter, im Gegenteil, oft hilft ihm erst ein „lieber Brief vom Lektor“ über die Hürde.
„Sind Sie schon mal als Kabarettist aufgetreten?“ „Nein, haben Sie das Gefühl, dass es zu wenig Kabarettisten gibt???“ – Ani sagt von sich, er hätte nie etwas anderes sein wollen als Autor, und das Vorlesen gehöre für ihn dazu. Leider wäre er mit Lesungen aufgewachsen, bei denen die Autoren ihre Texte nur „ins Wasserglas gemurmelt“ hätten. Aber er als „verkappter Musiker“ hat da andere Ansprüche an sich, auch sollte man die Szenen und Texte nie erklären müssen, sondern für sich selbst sprechen lassen. Er sei ein absoluter Liebhaber der Poetry-Slams.
„Was ist die Psychologie hinter Ihren neuen Themen, den Säufern und Kneipenbesuchern?“ – Ani meinte, das sei eigentlich dieselbe wie bei seinen früheren Charakteren, den „verschwundenen Leuten“ – Einsamkeit, Kommunikationslosigkeit, „Verlorenheit in einer Welt, die zu groß ist“. Alkohol oder Bier würde ihnen helfen, über die Nacht zu kommen, aber alle hätten sie noch etwas vor in ihrem Leben.
„“Du stellst keine Fragen, weil Dir keine einfallen“ – ein Zitat aus dem „Komplexen Disput nach Mitternacht“ – Herr Ani, sind Sie auch ein Fragensteller?“ Nein, Ani selbst sieht sich eher als Abwartender, er lässt die Leute lieber mit ihren Geschichten zu ihm kommen, als sie auszufragen. Das könne er zwar auch, in seiner Zeit als Polizeireporter habe er in der Zusammenarbeit mit der Kripo doch einiges gelernt, aber das würde er nie nutzen um eine Geschichte vorzubereiten. Er sei im Leben auch immer mehr verstummt, schweigende Männer (guter Titel für ein neues Buch „Der schweigende Mann“?!) gäbe es sowieso viel zu wenige. Autoren sollten seiner Meinung nach auch eher im Hintergrund bleiben, „Chronisten am Wegesrand“, wachsam sein, zuhören. Er gehe auch nicht gerne an die Öffentlichkeit, aber so ein Abend wie der heutige sei etwas anderes. Man gehöre ja zusammen…
Mit diesen freundlichen Worten verabschiedete sich der charismatische Autor von seinem Publikum und signierte anschließend (natürlich bei einem Glas Bier) im Foyer des Eukitea noch geduldig seine Bücher.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.neusässer | Erschienen am 02.05.2015
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Gabriele B. aus Gersthofen | 10.04.2015 | 09:52  
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