Ein Tabu wird gebrochen!
Gian Domenico Borasio, Über das Sterben; Beck-Verlag, 17,95€
Am Anfang des Buches steht ein ungewohnter Gedanke: Geburt und Tod haben viel gemeinsam, beides sind Ereignisse, für die die Natur bestimmte Programme vorgesehen hat. Sie laufen dann am besten ab, wenn sie möglichst wenig gestört werden. Palliativbetreuung und Sterbebegleitung, wie Borasio sie versteht, sind deshalb viel mehr als medizinische Symptomkontrolle. Vor allem leben sie von der Kommunikation, dem Gespräch zwischen allen Beteiligten, das die medizinische, psychosoziale und spirituelle Betreuung erst möglich macht. Sachlich informierend und argumentierend, setzt sich Borasio aber auch mit dem schwierigen Thema "Sterbehilfe" und mit Mythos und Realität der Palliativ- und Hospizarbeit auseinander. Ungeschminkt benennt er zudem die schlimmsten Fehler am Lebensende und sagt, wie man sich am besten davor schützt - einschließlich konkreter Hinweise zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Aus der Sicht des Arztes, der sich auch für die Seelennöte der Menschen zuständig weiß, leistet dieses Buch dringend notwendige Aufklärung über ein Lebensthema, das wir zu unserem eigenen Schaden mit zahlreichen Tabus belegen.
Michael de Ridder, Wie wollen wir sterben? Pantheon-Verlag, 14,99€
Die Würde des Menschen muss auch bei unheilbar kranken und alten Menschen respektiert werden. Viel zu oft allerdings setzen sich Ärzte über den Willen ihrer Patienten hinweg, tun alles, was medizinisch und technisch möglich ist, und tragen so eher zur qualvollen Sterbeverzögerung als zur sinnvollen Lebensverlängerung bei. Aber Lebensverlängerung, so Michael de Ridder, darf nicht zum Selbstzweck werden. Ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende.
Fritz Roth, Das letzte Hemd ist bunt; Campus-Verlag, 19,99€
Unser ganzes Leben lang streben wir nach Selbstbestimmtheit und Autonomie. Doch als Trauernde lassen wir uns unsere Toten stehlen. Wir haben gelernt, zu delegieren, uns auf "Experten" zu verlassen. Und spätestens, wenn wir persönlich mit dem Verlust eines nahe stehenden Menschen konfrontiert sind oder wenn uns eine lebensbedrohliche Krankheit überkommt, erkennen wir schmerzlich, dass die alten Rituale nicht mehr passen.
Wir sind als Individuen und auch als Gesellschaft gefordert, eine neue Sterbe- und Trauerkultur zu entwickeln. Wollen wir unser Leben (bis zum Ende) gestalten oder nur verwalten?
Gabriele Wohmann; Sterben ist Mist, der Tod aber schön; Kreuz-Verlag, 14,95€
Was ist eigentlich die ideale Frisur für das Jenseits?, fragt sich die Grande Dame der Kurzgeschichten. Auch wenn das Sterben natürlich eine traurige Perspektive ist, hat sie kein Buch von Traurigkeit geschrieben, denn sie erzählt von dem, was sie erhofft, wenn das irdische Leben zu Ende ist. Sie erzählt vom Jenseits - alltäglich und zugleich so verzaubernd schön, dass man die Erdenschwere schon einmal vergessen kann. Naiv ist das aber nicht. Denn immer wieder unterbricht sie ihr Wünschen, bekennt sich zu Zweifeln, Angst und Skepsis. So sind traumartige Skizzen vom künftigen Leben entstanden, die glaubwürdig sind.




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