Madagaskar Rundreise 3/8: Lehmziegel & Reisfelder gehören zusammen

Ziegelproduktion in ehemaligen Nassreisfeldern
 
Madagassische Reisterrassen
Tag 4 unserer Rundreise durch Madagaskar: Von Andasibe nach Antsirabe: An diesem Tag gilt es, Kilometer hinter sich zu bringen und beim Blick aus dem Busfenster neue Impressionen einzufangen und bereits erlangte Eindrücke von Madagaskar zu manifestieren. Davon handelt das dritte Kapitel meines Reiseberichts.

Während wir an Obstständen mit prächtiger Frucht-Vielfalt vorbei brettern, erfahren wir, dass 70% der Menschen im Inselstaat arbeitslos sind. Dabei wird hier noch Wert auf Menschenkraft statt Maschinen gelegt. Landwirtschaft wird mit viel Handarbeit betrieben, Felder werden mit dem Ochsenpflug bestellt.

Doch in vielen Teilen des Landes muss der Reisanbau der Ziegelproduktion weichen. Madagaskar, einst weltgrößter Reisexporteur, importiert heute minderwertigen Reis aus Pakistan, wie auch europäische Politiker wissen. An jedem luftgetrockneten Lehmziegel, der übrigens direkt auf den ehemaligen Nassreisfeldern hergestellt wird, verdient der Produzent 50 Ariary. Für ein kleines Säckchen kleingeklopfter Steine gibt es für die Frauen, die mit ihren Hämmern im Rahmen eines sozialen Projekts eines Geistlichen in Tana mitten in der prallen Hitze zerkleinern, was ihre Männer aus dem Steinbruch geholt haben, gibt es 2.000 Ariary. Ein gefüllter Stohsack spült andernorts auf Madagaskar 5.000 Ariary in die Haushaltskasse. Jedes Dorf ist für irgendwas berühmt. Hat einer eine gute Verkaufsidee, machen es ihm alle nach.

Wir sind offenbar im Hut-Dorf angelangt, denn unser Reiseveranstalter schenkt uns einen Strohhut, den wir an einem der vielen Stände, die alle das gleiche Sortiment feilbieten, aussuchen dürfen. Hühner und Straßenhunde streunen durch die Dörfer. Und es erhärtet sich der Verdacht, dass LKW und Warndreiecke auf madagassischen Straßen unzertrennlich sind. Bilder davon gibt's im sechsten Kapitel.

Biete Luftballons für Fotomotiv

Unser Mittagessen nehmen wir im Gemeindehaus von Andriambilany ein. Anschließend machen wir einen Rundgang durch das großzügig angelegte Dorf und genießen die herrliche Aussicht von der Eisenbahnbrücke aus polierten Steinen, bei denen Bau einst mehr als hundert Menschen starben, auf die landwirtschaftliche Idylle und die am Fluss freudig winkenden und rufenden Kinder weit unter uns. Die übrigen Dorfkinder haben sich schon an exponierter Stelle fürs Foto versammelt und ergattern von Mitreisenden Luftballons oder Kekse, die einzeln verteilt werden. Bloß nicht die Packung hergeben, denn diese wird aufgerissen und der mehrteilige Müll achtlos auf den Boden geworfen. Umweltschutz scheint noch nicht im Lehrplan zu stehen, denn das Müllproblem und seine Ursachen sind allgegenwärtig.

Wir lernen noch ein bisschen etwas über kulturelle Riten. Rado erzählt, dass madagassische Kinder unabhängig von der Religion beschnitten werden. Das sei schon allein deshalb wichtig, weil nur Beschnittene im Familiengrab bestattet würden. Alles andere gelte als Schande. Andere Traditionen sind da schon amüsanter für westliche Gemüter. Beispielsweise waschen Menschen sich selbst, ihre Wäsche und auch ihre Autos im Fluss (bzw. in Städten eben auch in Wasserrinnen am Straßenrand).

Immer wieder faszinierend, was die Menschen alles auf dem Kopf transportieren: Strohsäcke, prall gefüllte Einkaufstaschen, und und und. Weiter geht die Fahrt und allmählich komme ich zu der Annahme: Je ärmer ein Land, desto größer der Nationalstolz. Selbst auf halbfertigen Häusern weht die Nationalflagge Madagaskars. Wir lassen Dörfer hinter uns, in denen Hühner und Straßenhunde streunen, völlig unbeeindruckt vom Verkehr. Wo ist nur der Fluchtinstinkt dieser Tiere geblieben? Obwohl wir mit Julien einen sehr umsichtigen, erfahrenen Wagenlenker haben, grenzt es an ein Wunder dass wir weder Huhn noch Hund überfahren haben.

Weitere Reiselektüre:
Hier geht es zu den einzelnen Kapiteln meines chronologischen Madagaskar-Reiseberichts:
1/8: Antananarivo & Kinderspielzeug
2/8: Chamäleons & Lemuren
4/8: Bonbons, Edelsteine und Kunst aus Zebuhorn in Antsirabe
5/8: Schulbesuch, Prozession & Übernachtung im Gemeindehaus
6/8: Regenwald, Rum, Kattas & Vanille
7/8: Strandurlaub und quirlige Kinder auf Anakao
8/8: Ambohimanga und letzte Eindrücke von Madagaskar

Weitere Reiseberichte aus Afrika:
Botswana: Okavango-Reise
Namibia: Rundreise aus Sicht einer Leopardin (Übersicht der 14 Kapitel)
Tansania: Auf Safari in der Serengeti
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