Lovelace – Filmkritik

Amanda Seyfried spielt Linda Lovelace. (Foto: Planet Media)
Im Porno-Drama „Lovelace“ erzählen die Dokumentarfilmer Rob Epstein und Jeffrey Friedman in ihrem zweiten Biopic die Geschichte von „Deep Throat“-Hauptdarstellerin Linda Lovelace. DVD und Blu-ray sind seit 16. Januar 2014 im Handel.

Anfang der 1970er Jahre revolutionierte der nur 25.000 Dollar teure Sexfilm die Pornoindustrie und machte Linda Lovelace zum Star. Der Film zeigt den Einstieg der religiös aufgewachsenen Linda ins Sex-Business. Aus Liebe zu ihrem Ehemann Chuck und dessen Geldsorgen wird aus dem braven, schüchternen Mädchen eine ausgebeutete Sex-Ikone. Im Zuge des Erfolgs von „Deep Throat“ macht Chuck als ihr gewalttägiger Manager und Zuhälter aus Linda eine kaputte, bedauernswerte Frau.

Rezension: Stark gespielt, interessant aufgebaut
Wer einen Softporno erwartet, wenn er „Lovelace“ in die Hand nimmt, wird enttäuscht – obwohl nackte Haut zu sehen ist. Denn „Lovelace“ ist ein erschütterndes Drama in 70er-Jahre-Optik, die Lebensgeschichte einer gleichsam gefeierten wie gepeinigten Frau. Zuerst erzählt das Regie-Duo, wie die naive Linda an den charismatischen Chuck gerät, ihn heiratet und offenbar mehr oder weniger freiwillig beim Porno landet. Das sanfte Mädchen von nebenan erntet Lob von allen Seiten, inklusive Hugh Heffner, und strahlt für die Außenwelt.

Bis im zweiten Teil des Films wesentliche Teile erneut gezeigt werden – aus einer Dimension, die von Gewalt und Zwang geprägt ist und die Geschichte in einem viel dunkleren Licht erscheinen lassen. Besonders erschreckend ist dabei die Haltung von Lindas Mutter, die der Tochter den Ausweg aus ihrer verheerenden Situation verwehrt. Die Regisseure arbeiten dabei die Schrecken und das Leiden ihrer Protagonistin klar heraus, zeigen, wie sich das Schlimme entwickelt und vermitteln dem Zuschauer deutlich, wie böse die einzelnen Szenen ausgehen - ohne dabei in letzter Konsequenz die harte Brutalität in aller Heftigkeit zu zeigen. Glücklicherweise, denn sonst wäre „Lovelace“ ein klarer Fall für FSK 18. Der Stoff ist auch so nichts für schwache Nerven.

Nicht nur Regie, Aufbau und Optik des Films überzeugen – auch die der Cast glänzt (nicht nur mit bekannten Namen). Insbesondere Amana Seyfried als Linda Lovelace sieht man den Schmerz und die Angst genauso an wie man ihr das schüchterne Mädchen und das naive Porno-Betthäschen abnimmt. Seyfried erweist sich als perfekte Wahl, sorgt sie doch mit ihrem Schauspiel dafür, dass die Wendung zum Ausbeuterdrama funktioniert. Peter Sarsgaard spielt ihren prügelnden Ehemann/Manager/Zuhälter so erschreckend kompromisslos, dass Wut im Zuschauer aufkeimt. In Nebenrollen überzeugen Sharon Stone als streng religiöse Mutter, Robert Patrick als Vater, Adam Brody als Pornodarsteller, die stilecht wirkenden Pornomacher um Chris Noth oder in noch kleineren Rollen James Franco als Hugh Heffner und Wes Bentley als Fotograf. „Lovelace“ bleibt im Gedächtnis.
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