Greenwald, Snowden und Überwachung – Wie es zur Enthüllung der Geheimdienst-Machenschaften kam und was die NSA sonst noch treibt

Glenn Greenwald - Die globale Überwachung (Foto: Buchcover; © Droemer)
Glenn Greenwald ist der investigative Journalist, der die von Whistleblower Edward Snowden gesammelten NSA-Geheimakten an die Öffentlichkeit gebracht hat. In seinem im Mai 2014 erschienen Buch „Die globale Überwachung“ beschreibt Greenwald, wie Snowden Kontakt zu ihm aufgenommen hat und wie persönliche Treffen verliefen. Dann geht es ans Eingemachte, denn Greenwald publiziert außerdem weitere interne Geheimdienst-Dokumente und legt dar, wie weit die Überwachung durch die NSA geht. Zudem schildert der Autor die Gefahren einer Massenüberwachung und reflektiert den Umgang mit investigativen Journalisten und Whistleblowern seitens Medien und Regierung.

In den beiden Kapiteln rund um die Kontaktaufnahme und die Treffen mit Edward Snowden erzählt Greenwald nicht nur, wie sie sich gefunden haben, sondern auch, mit welchen Kommunikationsmitteln (PGP-Verschlüsselung; Chatprogramm OTR) der Austausch zu Stande kam. Denn Handys und Laptops lassen sich auch ausgeschaltet ferngesteuert als Wanze einsetzen. Im dritten Kapitel „Alles sammeln!“ veranschaulicht der Autor anhand zahlreicher übersetzter Dokumente wie Beschlüsse und Präsentationen aus dem NSA-Archiv die Datensammelwut des Geheimdienstes, dessen Aufgabe es ist, Informationen für andere nationale Geheimdienste sowie den Verbündeten der Five Eyes, also den Geheimdiensten von Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland zukommen zu lassen.

Was wird von der NSA überwacht?
„Die NSA fängt regelmäßig Router, Server und andere Netzwerkgeräte ab, bevor sie die USA verlassen und zu den internationalen Kunden transportiert werden“, weiß Greenwald. Daher warnen Politiker der Vereinigten Staaten die ganze Welt davor, Technik von chinesischen Kommunikationsunternehmen wie Huawei zu nutzen. Einerseits, weil die Chinesen damit leichter die Möglichkeit haben, abzuhören und Nachrichten abzufangen. Andererseits, weil der NSA somit eine simple Option entgeht, noch mehr Netzwerkverkehr mühelos zu überwachen. Wenn wir chinesische Technik kaufen, verliert nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern auch die amerikanischen Geheimdienste (vgl. S. 213ff.).

Die NSA greift vor allem Metadaten sowie E-Mails, Chats, Online-Suchabfragen und den Browserverlauf. Ihr wirkungsvollstes Programm dafür ist XKeyscore. Damit sei sogar die „Echtzeit“-Überwachung möglich. Die NSA sieht Online-Aktivitäten einzelner Personen bei Bedarf also live (vgl. S. 220f.). Auch private Mobiltelefone werden abgehört, da werden hochrangige Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht ausgenommen. Das verschafft den US-Vertretern einen internationalen Vorteil in praktisch allem. „Über Manipulationen auf diplomatischer Ebene und wirtschaftlichen Profit hinaus ermöglicht ein System allgegenwärtiger Spionage den USA, die Welt im Griff zu behalten“ (S. 242), schlussfolgert Greenwald. Die USA üben grenzenlose Macht „ohne jede Transparenz oder Rechenschaftspflicht“ (S.242) aus.

Gefahr durch Massenüberwachung und Massenmedien
Über die Gefahren, die durch die Massenüberwachung und die Gier nach Daten entstehen, lässt sich der Journalist im vierten Kapitel aus. Politiker mit Doppelmoral und Geheimdienste machen es sich, einmal ertappt, in der Regel leicht, die illegalen Maßnahmen zu rechtfertigen. Der vorgeschobene Grund, mit der die Überwachung im großen Stil legitimiert werden soll, lautet Terrorabwehr. Den Beweis, dass die Sammelwut terroristische Anschläge verhindert hat, bleiben die Überwacher laut Greenwald bislang schuldig. Stattdessen konzentrieren sie sich zur Schadensbegrenzung darauf, investigative Journalisten und Whistleblower zu diffamieren und zu kriminalisieren.

Dabei helfen ihnen zu oft die Massenmedien, die sich eher politisch beeinflussen lassen als ihrer Rolle als „vierte Gewalt“ im Staat nachzukommen. „Man braucht keine verfassungsmäßig garantierte Pressefreiheit, damit Journalisten Politiker unterstützen, bestärken und glorifizieren können. Die Verankerung der Pressefreiheit war notwendig, damit Journalisten das Gegenteil tun können“ (S. 327) weist Greenwald im fünften Kapitel aus den unlauteren Umgang mit Seinesgleichen hin und geht auf die Folgen für die Beteiligten im Fall Snowden ein.

Fazit: Wer noch mehr Informationen über den Fall Edward Snowden, über die Arbeit investigativer Journalisten und über das Ausmaß der globalen Überwachung durch die NSA erfahren möchte, wird in „Die globale Überwachung“ fündig.

Titel: Die globale Überwachung. Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen
Autor: Glenn Greenwald
Infos zum Buch: Droemer, Hardcover, 368 Seiten, Mai 2014
ISBN: 978-3-426-27635-8
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Peter Michl aus Neusäß | 25.07.2014 | 09:57  
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