Was macht eigentlich Andreas Kümmert?

Andreas Kümmert hat sich mit seiner Blind Audition bei The Voice of Germany 2013 in die Herzen deutscher Musikfans gesungen. Mit seiner Interpretation von Elton Johns Rocket Man katapultierte sich der bescheidene Vollblutmusiker aus Gemünden am Main, der mit seiner kauzigen Art so gar nicht in die Scheinwelt einer Castingshow passen mag, direkt zum Favoriten und gewann die Sendung haushoch.

Einige Termine der Konzerttour, bei der die besten Kandidaten der The Voice of Germany Staffel auftraten, sagte Andreas Kümmert ab. Auch Solokonzerte stornierte er bisweilen extrem kurzfristig, erschien z.B. in Groß-Gerau laut bild.de noch zum Soundcheck. Mit seinem Voice-Siegersong Simple Man landete der Musiker, der die geschniegelte Musikindustrie schon allein mit seinem authentisch ungepflegten Erscheinungsbild herausfordert, einen Charterfolg. Es folgten die Singles Just like you, Heart of Stone und Home is in my Hands. Mit den beiden letztgenannten Songs wagte sich Andreas Kümmert erneut auf die große Bühne, indem er beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2015 antrat. Mit einem gigantischen Vorsprung wählten die anrufenden Fans Andreas Kümmert zum Sieger. Doch noch in der Show überließ dieser der Zweitplatzierten Ann-Sophie seinen Platz beim ESC – weswegen Deutschland dort gnadenlos versagte. Was treibt Andreas Kümmert immer wieder ins Rampenlicht, das er offenkundig hasst?

Kümmert mit feinem Blues-Rock in Augsburg
Seine Blues-Stimme ist unglaublich, mit seinem Gesang könnte Andreas Kümmert Stadien füllen. Doch stattdessen tourt der Songwriter trotz seines Bekanntheitsgrades über die kleinen deutschen Bühnen. Er fühlt sich als kleiner Sänger, mag das Drumherum in der Musikbranche und den Medienrummel nicht. Wenn er etwas nicht mag, dann macht er es auch nicht. In Augsburg wollte er am Samstag, 12. September 2015, glücklicherweise. Der Ausnahmesänger spielte im Flammensaal der Kantine vor knapp 400 Zuhörern rund 20 Songs. Wie gewohnt im bequemen Sweatshirt und fast ohne Augenkontakt zum Publikum. Allerdings wirkte er etwas gepflegter als bei seinen TV-Auftritten; die willkürlich abstehenden Zauselbart mit den entsprechenden Haaren hat er glattrasiert.

Andreas Kümmert bleibt ein Mann der wenigen Worte. Die Begrüßung des Publikums in Augsburg verlief unspektakulär: kurz die Hand gehoben, ein minimales Grußwort gesprochen, auf den Stuhl gesetzt, die Gitarre gepackt und akustisch losgelegt. Insgesamt drei Titel spielte er alleine, bei den anderen Stücken unterstützte ihn Tobias Niederhausen an der E-Gitarre und mit Backvocals. Der harte Kern seiner Fans war auch nach Augsburg mitgefahren, um Andreas Kümmert zu lauschen. Dieser servierte Veit, Tina und Co. sowie den wenigen Twen-Mädels aus der ersten Reihe und den größtenteils Ü35-Zuhörern handgemachte, schnörkellose Livemusik ohne Effekthascherei oder Vorband, mit ausgiebigen Gitarrenriffs und stimmlich in Topform.

Qualität statt Kommerz
Neben all seinen bekannten Hits würzte der Blues-Musiker seinen Auftritt in der Kantine mit Cover-Versionen, denen er seine inbrünstige Note einhauchte. „Easy“ von den Commodores fand ebenso Anklang beim mitsingenden Publikum wie Johnny Nashs „I can see clearly now“ und „To love somebody“ von den Bee Gees. Bei Letzterem hielt der Augsburger Chorus so lang an, dass Andreas Kümmert auf der Bühne ein zufriedenes Lächeln über die Lippen kam. Als Zugabe verabschiedete der Unterfranke seine Zuhörer mit dem „Rocket Man“ und der wie üblich Alice Schwarzer gewidmeten „It's a man's world“.

Beim Auftritt in Augsburg wurde erneut deutlich: Andreas Kümmert braucht keine große Bühne und vor allem kein Trara. Er reduziert den Kommerz auf ein Minimum, legt Wert auf musikalische Qualität. Am Merchandising-Stand waren für einen Zehner lediglich ein T-Shirt und ein Vinyl-Album im Angebot.

Das Finale von The Voice of Germany 2013 im Rückblick.
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