Von Schweden ins Morgenland in zwei Minuten...

Neusäß: Titania Erlebnisbad | == Vorwort ==
Ich besuche sehr viele Bäder und Saunas, die meisten davon aber nur alle paar Jahre einmal. Es gibt aber auch ein paar Bäder, die ich immer wieder aufsuche, sobald ich mich in der Nähe befinde. Zu diesen zählt das „Titania“ in Neusäß, das für mich eines der schönsten Bäder überhaupt ist.
== Neusäß ==
Die Wohn- und Geschäftsstadt Neusäß liegt im bayerischen Teil Schwabens, direkt angrenzend an die Metropole Augsburg. An Sehenswürdigkeiten sind hier vor allem das Freizeit- und Wellnessbad „Titania“ sowie die Schlösser Hammel und Hainhofen zu erwähnen. Natürlich eignet sich Neusäß auch bestens als Ausgangspunkt für die Erkun-dung der vielen touristischen Highlights der über 2.000 Jahre alten Römerstadt Augsburg. Dort kann man außer den alten, verwinkelten Gäßchen, durchzogen von zahllosen Kanälen, beispielsweise das Fuggerviertel („Fuggerei“), das Alte Rathaus (mit dem goldenen Saal), den Dom, die Puppenkiste, den Zoo oder den Botanischen Garten besuchen.
== Anfahrt ==
Direkt an die Autobahn A8 München - Stuttgart sowie die Bahnstrecke Ulm - Augsburg angebunden ist Neusäß gut erreichbar. Das „Titania“ befindet sich am nördlichen Stadtrand, ausgeschildert als „Erlebnisbad“. Direkt am Bad gibt es einen großen, kostenlosen Parkplatz. Bei meinem Besuch an einem Freitag-Abend im November 2013 waren hier allerdings kaum noch freie Plätzchen zu finden. Das mag aber teilweise auch daran liegen, dass im ganzen Oktober wegen Generalreinigung geschlossen war.
== Öffnungszeiten ==
Ein großer Pluspunkt des „Titania“ sind die Öffnungszeiten. Man kann hier nämlich täglich von morgens (09:30 Uhr) bis spät in die Nacht hinein (23:00 Uhr) baden und schwitzen. Nach Adam Riese sind das also bis zu 13 ½ Stunden. Wer genügend Zeit zur Verfügung hat, für den lohnt eine Tageskarte also allemal. Noch lohnender ist der Besuch an jedem ersten Freitag im Monat, denn dann ist lange Saunanacht bis 01:00 Uhr morgens. An diesen Tagen ist übrigens auch das textilfreie Baden ab 21:00 Uhr in sämtlichen Becken möglich. Ein besonderes Highlight also für FKK-Freunde, die ein solches Angebot nur in ganz wenigen Bädern vorfinden.
== Empfang ==
Von außen ist man zunächst über die Dimensionen des Bades erstaunt, denn es ist für eine Kleinstadt ungewöhnlich groß. Verblüfft ist man dann auch, sobald man durch die Drehtür ins Foyer gelangt. Dort kann man nämlich nicht nur bequem sitzen und die komplette Speisekarte der Gastronomie durchprobieren - Blickfang ist hier ein vielleicht acht Meter langes Wikinger-Boot, das den Empfang beherbergt. Zwei entspannt wirkende Damen kümmern sich hier um den Ein- und Auslass. Obgleich etwa zehn Personen vor mir anstanden, kam ich sehr schnell an die Reihe und erhielt meinen Chip, mit dem ich durch das Drehkreuz schlüpfte.
== Sachenwechsel ==
Vorbei an einem mannshohen Metallgebilde, einer Art zum Roboter mutierte Dampfmaschine („Wasserschorsch“ ge-nannt), sowie den Verschönerungs-Plätzen mit Spiegeln und Föhnen geht es zu den weitläufigen Umkleide-Bereichen. Im Erdgeschoß kleidet man sich gemischt um (natürlich mit etlichen Einzelkabinen), was hier vor allem die Familien wahrnehmen. Speziell für die Saunagäste gibt es eine Etage höher auch geschlechtergetrennte, weitere Umkleideräume. Die Schrankwahl ist frei, die Spinde können nach dem Einschieben des Chips verschlossen werden. Schlüsselpfand wird nicht benötigt. Etwa 1.000 halbhohe Schränke sind vorhanden, es kommt also kein Gedränge auf.
== Sanitäre Einrichtungen ==
Großzügig angelegt sind auch die Duschen und Toiletten, die ebenso wie die Umkleideräume trotz des heute starken Besucheraufkommens immer tipptopp gereinigt waren. Ich prüfte mehrmals die ausgehängten Reinigungspläne, die stündlich abgezeichnet werden. Auch in der übrigen Bade- und Saunalandschaft sind mir nirgendwo verschmutzte Stellen aufgefallen, obgleich ich intensiv danach gesucht habe. Volle Punktzahl also für das Reinigungsteam.
== Felsenland ==
Kaum aus der Dusche raus öffnet sich vor mir ein Felsen-Labyrinth aus rotem, schräg geschichtetem Sandstein, der mehrere Meter hoch aufragt, durchbrochen von unregelmäßigen Sichtgelegenheiten. Man könnte sich hier an der schwedischen Schärenküste wähnen, die wohl Pate gestanden hat. Allerdings herrschen hier anders als am Baltischen Meer ganzjährig hochsommerliche Temperaturen. Das gilt für die Luft ebenso wie für das Wasser. Seit der Wiederer-öffnung vor ein paar Wochen hat man die Regler nämlich deutlich nach oben verschoben. So ist das Wasser in fast al-len Bassins nun wirklich angenehme 33 bis 34 °C warm. So wohltemperiert ist es an der schwedischen Küste freilich nie. Auch beim Aussteigen aus dem molligen Naß verspürt man keine Kälte.
Doch nicht nur das Wohlbefinden steigt beim Eintauchen in die 135 cm tiefen, warmen Fluten, sondern auch das Auge bekommt hier jede Menge geboten. Kaum biegt man um die erste Ecke, türmt sich das abgebrochene, reich verzierte Heck eines alten Segelschiffes vor einem auf. Dem Erstbesucher bleibt aber kaum Zeit, den vor Erstaunen weit ge-öffneten Mund wieder zu schließen, denn die Felslandschaft mit dem gestrandeten Segler setzt sich nach links zu einem Höhlenlabyrinth fort. Das wäre wirklich der ideale Abenteuer-Spielplatz für die „Goonies“, die „Vorstadt-Krokodile“ oder auch die Freunde von Pippi Langstrumpf. Vorbei an einer Sprudel-Grotte treibt, schwimmt oder taucht man durch eine riesige, mit brusthohem Wasser geflutete Kaverne. Etwas Vergleichbares findet man wohl in keinem anderen Bad Europas, vielleicht weltweit nicht.
== Auge in Auge ==
Ich bin vielleicht dreißig Meter weit geschwommen, da gelange ich zum hintersten Teil der Wassergrotte. Hier ist die massive Sandsteinwand von drei großen Glasscheiben unterbrochen. Da taucht er auf: ein riesiger Fisch. Seine wulstigen Lippen öffnen sich und zwei Glubschaugen schauen direkt in die meinen. Doch der Riesenfisch ist ganz friedlich und als sein Maul weit geöffnet ist, blitzen mir auch keine spitzen Zähne entgegen. Er betrachtet mich noch eine Weile recht gelangweilt, bevor er nach unten abtaucht und zwischen Steinblöcken verschwindet. Jetzt bemerke ich auch, dass in dem weitläufigen Aquarium noch ein paar Dutzend andere Meeresbewohner herumschwimmen, teilweise noch größer als dieses Exemplar. Das ist wie ein kleiner Zoo-Besuch in Badehosen.
== Gestrandet ==
Ein zweiter Höhlen-Ausgang macht sich mit einem sprudelnden Sog bemerkbar. Ein Strömungskreisel zieht mich in seinen Bann und ich drehe ein paar Runden, um dann durch eine Schleuse nach draußen zu schwimmen. Der Blick in den Himmel zeigt mir nicht nur die Sterne, sondern die wahren Dimensionen des Segelschiffes. Mittelteil und Bug liegen nämlich im Freien, wobei die Masten steil nach oben ragen. Wie ein gestrandeter Wal ragt es aus der Badehalle heraus. Wirklich imponierend und sehr phantasievoll. Fast erwartet man, dass gleich ein paar Piraten über die Reling ins Wasser springen. Das passiert natürlich nicht, denn wie jeder weiß sind Piraten ja eher wasserscheu. Außerdem ist dieses Schiff ja schon lange ein Wrack und dementsprechend verlassen. Schade, einen Schatz wird man hier wohl nicht finden, doch die Verlockung ist groß, danach zu suchen.
Warme Nebelschwaden ziehen über das Außenbecken. Trotz Lufttemperaturen um den Gefrierpunkt fühle ich mich im 33 °C warmen Becken pudelwohl. Weiter hinten sehe ich auch einen Wasserfall plätschern. Um dorthin zu gelangen, muss ich jedoch zunächst eine Barriere überwinden. Das Außenbecken wird nämlich knapp unter der Wasserlinie durch eine schräg ansteigende Mauer in zwei Hälften unterteilt. Die ist jedoch leicht zu überwinden. Im hinteren Bereich kann man das ganze Bad von außen bewundern. Gedämpfte Freudenschreie von hoch rechts oben zeigen mir, dass in der blauen Röhrenrutsche, die sich hier an der Fassade entlang schlängelt, noch heftiges Treiben herrscht. Ich genieße aber erst mal die sanfte Massage des Wassers, das aus zwei Metern Höhe auf meine Schultern prasselt. Es ist hier etwas kühler als vor der Barriere, aber es hat immer noch wohlige 31 °C Wassertemperatur. Schade, dass es schon Herbst ist, denn in der warmen Jahreszeit könnte ich mich auf die große Wiese hinter dem Becken legen und bräunen oder eine Runde Beach-Volleyball spielen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.
== Action ==
Das vergnügte Treiben auf der Riesenrutsche lockt mich wieder nach drinnen. Im „Titania“ ist sie abgedun¬kelt als „Black Hole“ mit Lichteffekten. Ganze 120 Meter lang geht es in rasanter Fahrt nach unten, nachdem man den 12 m hohen Turm erklommen hat. Ein Vergnügen, das nach Wiederholung schreit. Bei jedem Ritt durch die Dunkelheit macht es mehr Spaß. Nach dem fünften Mal habe ich genügend Mut gefaßt, um den Thrill weiter zu steigern. Gleich nebenan sticht nämlich ein großer, grüner Trichter aus dem Felsenmeer hervor - die erste jemals in Deutschland in-stallierte „ProBowl“. Es braucht schon etwas Traute, sich in die steile, enge Röhre hineinzustürzen, die fast senkrecht nach unten führt. Auf 40 Metern beschleunigt man aus dem Stand auf über 50 km/h. Da bleibt einem echt die Luft weg. Doch zum Angst haben ist gar keine Zeit, denn schon wird der Rutschende in einen gro¬ßen Trichter ausgespuckt. Nach ein paar immer langsamer werdenden Runden im Kreis fällt man durch ein großes Loch in der Mitte der Bowl aus etwa zwei Metern Höhe ins ebenso tiefe Auffangbecken. Ein Riesen¬spaß, aber nichts für Anfänger, denn die Auf¬regung vorm Sprung in den Abgrund kommt dem Bungee-Jum¬ping sehr nahe und schwimmen muss man natürlich auch kön-nen.
== Sport ==
Apropos schwimmen: neben dem Spaß kommt im „Titania“ auch die Fitness nicht zu kurz. Gleich neben dem großen Trichter öffnet sich die professionelle Schwimmhalle dem Blick des Sportlers. Hier kann jeder, der seinen Stil oder seine Zeit verbessern möchte, 25 m lange Bahnen ziehen. Davon sind fünf Stück vorhanden, womit man sich nicht so schnell in die Quere kommt. Vom Aufstellen neuer Rekorde träumt man in meinem Alter zwar nicht mehr, aber ein paar Runden ziehe ich immer gerne, damit ich im nächsten Strand-Urlaub noch genügend Kondition habe, um das rettende Ufer wieder zu erreichen...
== Finnland ==
Okay, nach einer halben Stunde auf den Rutschen und zehn Minuten Brustschwimmen habe ich mir eine Auszeit ver-dient. Also schwupp durch die Schranke und ab ins Saunaland. Die Badetasche in der Ablage deponiert und los geht´s. Allerdings ist es hier längst nicht so ruhig, wie ich es erwartet hatte. Heute herrscht wirklich lebhaftes Treiben und gleich bin ich von drei Dutzend dampfender, nackter Menschen umgeben, die ins Freie strömen. Logisch, der Aufguß ist gerade zu Ende. Weitere zwanzig Personen sitzen im Fernsehraum und schauen sich das Fußball-Länderspiel an. Drei Blockhäuser mit Saunas im echtfinnischen Stil stehen im Innenbereich zur Verfügung, wobei die Aufgußsauna jetzt erst mal gelüftet wird. Die ebenso heiße Kräutersauna nebenan ist ebenfalls sehr gut besucht.
Ein Blick in die sanftere Biosauna zeigt mir, dass dort aber gerade viel Platz ist. Nachdem ich ein junges Paar begrüßt habe, das nahe des Ofens kuschelt, breite ich mein großes Saunatuch auf der mittleren Bank aus und bringe meine Rü-ckenwirbel wieder in eine Reihe. Das zweite Handtuch bequem unter den Kopf gelegt dauert es nicht lange, bis sich meine innere Ruhe eingestellt hat. Das wechselnde Farblicht eines künstlichen Sternenhimmels und leise Musik ver-suchen mich in den Schlaf zu wiegen, doch ich widerstehe der Versuchung natürlich. Kaum eine halbe Stunde später wache ich dann wieder auf...
== Wikinger? ==
Mein übliches Ritual nach dem ersten Schwitzgang läßt sich gleich nebenan erledigen: lauwarme Dusche, dann kurz ins kalte Tauchbecken und anschließend ein wechselwarmes Fußbad, zum Abschluß natürlich warm. Kneippschlauch und kalte Sturzdusche sind nicht so sehr mein Fall, zumal ich letztens erfahren habe, dass eine lauwarme Dusche den gleichen, positiven Effekt hat. Zwischenzeitlich wieder abgetrocknet hülle ich mich in meinen kuscheligen Bademantel und gehe an die frische Luft.
Wie gut das jetzt tut, den kalten Atem der herbstlichen Natur zu spüren, wohl wissend, dass es gleich wieder in die Wärme geht. Der Hof hat ein großes, oval gerundetes Entspannungsbecken als Mittelpunkt, um das sich rund herum weitere Schwitzräume und Blockhäuser tummeln. Auch eine große Sitzbank gibt es hier, in Manier eines Ruderbootes am Ufer drapiert. Dort sitzen gerade ein paar kräftige Männer mit ihren langhaarigen Begleiterinnen und gönnen sich einen Humpen Weizenbier - alkoholfrei, nehme ich an, oder vielleicht eher nicht. Jedenfalls stürzen sich, während ich die Szene noch beobachte, zwei der Männer ins kühle Außenbecken und führen einen Wettbewerb durch. Sie tauchen ganze zwei Bahnen, bevor sie prustend wieder an die Oberfläche kommen, wo sie von den Damen mit Küßchen be-lohnt werden. Das müssen wohl Wikinger gewesen sein. Ich weiß nicht, ob ich die Strecke so einfach geschafft hätte.
== Saunadorf ==
Die drei finnischen Innensaunas im Erdgeschoß sind natürlich längst nicht alles, was das „Titania“ an Schwitzräumen zu bieten hat. Nach meinem Rundgang ums Badebecken habe ich weitere sechs Außensaunas gezählt. Alle kann ich zwar nicht ausprobieren, doch immerhin drei weitere Saunagänge je fünfzehn Minuten umfasst mein Schwitzpro-gramm für heute. Zunächst geht es in die rechte Banjasauna, mit bäuerlichem Charakter. Hier sitze ich auf einem Po-dest oberhalb des Ofens und komme sehr schnell ins Schwitzen. Vielleicht trägt dazu die erhöhte Luftfeuchtigkeit bei, denn über der Feuerstelle schwebt ein mit Kräutersud befüllter Kessel.
Nach kurzem Blick in die runde Steinkammer und die Banja-Sauna nebenan (nach russischem Vorbild) lockt mich die Erdsauna. Auf der untersten Bank sitzend zieht mich das lodernde Kaminfeuer in seinen Bann. Hier könnte ich es si-cherlich noch recht lange aushalten, doch es gibt noch so viel zu entdecken. Gleich nebenan befindet sich beispielsweise die „Kiva-Sauna“. Dort finden automatische, sehr interessante Aufgüsse statt. Ich will ja nicht zu viel verraten, doch das sollte man wirklich mal miterlebt haben. Ein echtes Spektakulum!
Anschließend schlendere ich über eine kleine Brücke und an der Wassergrotte vorbei zur gegenüberliegenden Stein-sauna, die mit angenehmen 80 °C und Kupferkessel-Verdampfer ködert. Bei den Schwitzräumen sei last but not least noch die große Kelosauna zu erwähnen. Das Besondere hier sind natürlich die Aufgüsse, für die wirklich genügend Platz vorhanden ist. Nach meiner Zählung passen locker 60 Personen auf drei Sitzstufen rein. Das wäre ein idealer Ort für Aufguss-Wettbewerbe (z. B. die „gesunde Aufguß-WM“). Aber ich persönlich habe für heute schon genug geschwitzt und jetzt ist erst mal Pause angesagt.
== Hypnos ruft! ==
„Nur keinen Streß“ ist die Devise. Schließlich bleiben mir ja noch ein paar Stunden für die Erkundung der restlichen Räume und ich bin ja vorwiegend zum Entspannen hierher gekommen. Abba wohin? Auch dabei gilt die Qual der Wahl. Sehr schön ist es ja im Sauna-Obergeschoß mit Panorama-Blick auf den Hof, doch ich entscheide mich für das große Kelo-Ruhehaus bei der Sauna-Liegewiese. Dort ist es urgemütlich, vor allem auf den Sesseln beim flackernden Kaminfeuer. Ich lese ein wenig in einer Zeitschrift, bis eine der 27 Liegen frei wird und kuschele mich in eine wärmende Decke ein.
== 1001 Nacht ==
Kaum die Augen zugemacht, schon ist eine Stunde verflogen. Dabei war ich noch gar nicht im Sauna-Obergeschoß, wo sich mein persönliches Highlight befindet - das osmanische Bad. Wer hier zum ersten Mal reinkommt, ist einfach nur überwältigt. Ich kenne ja einige alte Hamams, z. B. diejenigen aus der Türkenzeit in Budapest, doch so schön wie hier ist es nirgendwo anders. Der Architekt hat hier die perfekten Voraussetzungen zum absoluten Wohlfühl-Erlebnis geschaffen. Handgearbeitete Keramiken aus Marokko schmücken die Wände, mit typisch arabischer Formgebung und Farbenfreude. Mit Worten ist das kaum zu beschreiben - einfach märchenhaft. Alleine dieser Anblick ist schon das Eintrittsgeld wert. Für die Freunde der Hamam-Schwitzkultur einfach ein „must see“.
Zunächst wäre da das zentrale Entspannungsbecken, rund und flach und warm und von einer eiförmigen Kuppel über-spannt, die effektvoll beleuchtet ist und parabelförmige Ausschnitte besitzt. Anschließend zieht es mich in ein hochge-legtes, viertelkreisförmiges Heißbecken. Vielleicht 150 cm breit, finden hier etwa zehn Erholungssuchende ihr Plätzchen. Man liegt im etwa körperwarmen, nassen Element und vergißt alle Sorgen. Das Wasser springt als kleiner Wasserfall über die Überlaufkante etwa einen Meter tiefer und plätschert dabei. Eigentlich will ich hier gar nicht mehr weg, doch ein Blick auf das Zeiteisen zeigt mir, dass mein Massagetermin näher rückt. Also erst mal raus aus dem Jungbrunnen und noch schnell die drei Warmräume erkundet, die rund um das zentrale Becken angeordnet sind.
Natürlich gibt es auch einen traditionellen Hamam-Raum mit heißen Liegeflächen. Besser gefällt es mir aber im da-neben gelegenen „Laconium“. Dieses aus dem römischen Kulturkreis stammende Schwitzbad ist mit gelb und königs-blau gekachelten Wärme-Liegebänken ausgestattet. Die Raumtemperatur von bis zu 60 °C wird hauptsächlich durch die Strahlungswärme der Sitzflächen erzeugt, die angenehm körperbetont geformt wurden. Man liegt hier also definitiv bequem rund um einen zentralen Brunnen, die Füße auf einer mittigen Sitzfläche abgelegt. Wenn man nach ein paar Minuten mal die Augen öffnet, blickt man auf einen in dunkelblauer Wischtechnik gestalteten Sternenhimmel. Wer sich hier nicht wohl fühlt, dem ist nicht mehr zu helfen. Als zwölfter und letzter Schwitzraum bleibt dann noch das osmanische Dampfbad zu erwähnen, das in drei Nischen unterteilt ist und vor heißem Nebel wabert.
== Oh, well! ==
Mein persönliches Highlight bei jedem Sauna-Besuch ist eine entspannende Massage. Glücklicherweise hatte ich beim Einchecken gerade noch den letzten Termin für heute ergattern können. Es empfiehlt sich hier also wirklich, schon vorab telefonisch zu reservieren. Durch ein Drehkreuz beim Dampfbad gelange ich direkt zu den drei Massageräumen, die sich auf der Galerie im Erlebnisbad befinden. Dort erwartet mich bereits Herr Ngom, ein dunkelhäutiger Senegalese, der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt und Teamleiter der Wellness-Abteilung ist. Ich muss zugeben, ich war zunächst skeptisch. Eigentlich sind mir nämlich Frauen als Masseure lieber, weil sie meist einfühlsamer mit den Gästen umgehen. Hier war das aber nicht der Fall. Meine einstündige Rücken- und Beinmassage war wirklich vom Feinsten. Herr Ngom kennt sich offenbar bestens mit den Chakren und den Fußreflex-Punkten aus. Nach der Massage fühlte ich mich definitiv besser und auch die Tage danach bis heute bin ich schmerzfrei. Meine persönliche Empfehlung also für diesen sehr netten und bestens ausgebildeten Masseur. Chapeau sozusagen.
== Kinder? ==
Bislang habe ich die Einrichtungen für die Sprösslinge noch nicht erwähnt, doch beim Blick von der Galerie fällt der Spielbereich direkt ins Auge. Direkt neben dem großen Becken mit dem Segelschiff findet man zwei warme Kleinkind-Becken mit Minirutschen, maximal 20 bzw. 40 cm tief. Zudem ist das Heck des Seglers drinnen eine Art Abenteuer-Spielplatz auf mehreren Ebenen. Kinder bis vielleicht zehn Jahren können sich hier also gut beschäftigen. Die älteren Kids sind sowieso nur zwischen Wassergrotte und Riesenrutschen unterwegs. Somit ist das „Titania“ auch ein vollwertiges Familienbad.
== Schlemmen ==
So langsam meldet sich der kleine Hunger in meiner Magengegend mit der Botschaft, dass er gewachsen sei und ge-füttert werden möchte. Dafür bietet das „Titania“ drei Anlaufstellen. Bereits erwähnt hatte ich das Bistro für externe Gäste im Foyer. Die gleiche Auswahl an Speisen und Getränken für jeden Geschmack und Geldbeutel findet man aber sowohl in der Badehalle als auch im Sauna-Erdgeschoß. Am gemütlichsten ist es natürlich im Saunaland, wo ich mir an der Theke einen großen Salat-Teller mit Putenbrust-Streifen sowie eine Johannesbeer-Schorle bestellte. Gerne hätte ich beispielsweise auch das Rumpsteak probiert, doch zur jetzt fortgeschrittenen Stunde (es war um 21:30 Uhr) hielt ich etwas Leichteres für angebrachter.
Essen und Getränke werden übrigens wie alles andere auch auf den Chip gebucht, so dass man kein Bargeld benötigt. Etwa zehn Minuten später war mein Salat fertig. Und ich muss sagen, es gab nichts zu meckern. Zwar hatte man mich bei der Bestellung nicht nach dem Dressing gefragt, doch die offenbar hausgemachte Sauce war so lecker, dass ich sie nicht hätte besser aussuchen können. Der Salatberg war frisch und riesig, kaum zu schaffen. Die Geflügelsticks genau richtig angebraten, gut durch und angenehm gewürzt, aber nicht fettig oder zäh. Dazu wurden drei frische, angeröstete Baguette-Scheiben gereicht. Mit einem Satz: das Essen war perfekt. Besser hätte ich in einem Restaurant auch nicht speisen können und der Preis war angemessen.
== Pfiat di ==
Es ist kurz vor 23:00 Uhr, also Zeit Abschied zu nehmen. Zwar kommt die Durchsage zum Schließen des Bades bereits eine halbe Stunde vorher, doch Hetze ist nicht angesagt. Man kann in Ruhe noch sein Schwimmchen oder den Saunagang beenden und sich in aller Ruhe umziehen. Niemand wirft einen hinaus, solange man es bis 23:00 Uhr zur Kasse schafft. Ich bin entspannt und zufrieden und werde heute Abend nur noch eines tun: in die weichen Kissen meines Hotelzimmers einsinken und dann rasch ins Reich der Träume abgleiten.
== Factbox ==
Adresse: „Titania“, Birkenallee 1, D-86356 Neusäß
Region: Bayern, bei Augsburg
Typ: Freizeit¬bad / Sportbad / Hallenbad / Familienbad / Themenbad / Sauna¬land
Eignung: Kin¬der / Erwach¬sene / Senio¬ren / Sport / Wellness / Textil¬frei / FKK
Motto: Soviel erleben, soviel entspannen…
Telefon: (+49) 0821 - 454 40 30
Fax: (+49) 0821 - 454 403 20
e-mail: info@titania-neusaess.de
Internet: titania-neusaess.de
Eröffnung: März 2001, Teil-Sanierung geplant für Mitte 2014
Anfahrt: A8 Mün¬chen - Stuttgart bis Neu¬säß. Am Stadtrand.
== Tarife ==
Ein Billig-Angebot ist das „Titania“ zwar nicht, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier. Man bekommt nämlich wirklich eine sehr gute Leistung für sein Geld geboten. Nachfolgend die aktuelle Preisliste:
Freizeitbad: 4 - 15 Jahre: 9 € (2 Std.), 12 € (4 Std.), 14,50 € (Tag)
Ermäßigte: 12 € (2 Std.), 15 € (4 Std.), 17,50 € (Tag)
Er¬wach¬sene: 14 € (2 Std.), 17 € (4 Std.), 19,50 € (Tag)
Fa¬mi¬lien (2 Erw. + 2 Kinder): 41,50 € (4 Std.), 52 € (Tag)
Sauna + Bad: 4 - 15 Jahre: 15,50 € (2 Std.), 18 € (4 Std.), 20,50 € (Tag)
Ermäßigte: 18,50 € (2 Std.), 21 € (4 Std.), 23,50 € (Tag)
Er¬wach¬sene: 20,50 € (2 Std.), 23 € (4 Std.), 25,50 € (Tag)
Fa¬mi¬lien (2 Erw. + 2 Kinder): 64,25 € (4 Std.), 73 € (Tag)
Zuschläge für WE / Fei (je 1 € pro Person). Ermäßigte sind Jugendliche 16 - 17 Jahre, Schüler, Azubis, BFD, Studenten. Sonder¬preise für Frühschwimmer (Sportbad), Clubkar¬ten, Einheimi¬sche, Kinder¬ge¬burtstage, Gruppen (ab 15 Personen), Behinderte (ab 70 %). Kin¬der unter 4 Jahren und Ge¬burtstags¬kin¬der (bei Buchung des Geburtstagsangebots) frei. Verleih von Saunatuch (5,50 €) und Bademantel (7 €); Stand: 11/13
== Betreiber ==
Zum Oktober 2013 hat es im „Titania“ einen Betreiber-Wechsel gegeben, was an der ganzen Atmosphäre im Bad zu spüren ist. Zwar gehört die Therme immer noch der Stadt Neusäß, doch die Führung wurde von einer neu gegründeten Betriebsgesellschaft übernommen. Das Personal wurde offenbar größtenteils beibehalten, doch die Leitungspositionen hat man nun mit erfahrenen Fachkräften der GMF-Gruppe besetzt. Diese ist ja als größter privater Bäderbetreiber in Deutschland für eine ausgezeichnete Betriebsführung bekannt.
== Schlußworte ==
Liegt es daran, dass neue Besen gut kehren? Jedenfalls ist dem „Titania“ der frische Wind mit dem neuen Betreiber offensichtlich gut bekommen. Alles wirkt wieder wie neu, das Personal erscheint mir motiviert, fleißig und freundlich, Sauberkeit und Angebot stimmen. Klar, es gibt immer ein paar Möglichkeiten, um das Angebot noch interessanter zu machen, doch bestimmt wird man die bereits geplante, mehrwöchige Frischzellenkur im Sommer 2014 dazu nutzen, die Attraktivität weiter zu steigern. Bereits jetzt gehört das „Titania“ aber zu meinen Lieblings-Bädern und ich kann daher volle fünf wellSterne vergeben und eine uneingeschränkte Besuchs-Empfehlung aussprechen.

Publiziert:
www.freizeitengel.de/Angebot/Ausflug/Schwimmbad/Augsburg-Land/Titania-Therme-Neusaess/auswahl?p=863


== Felsenland ==
Direkt beim Betreten der Badehalle öffnet sich vor mir ein Felsen-Labyrinth aus rotem, schräg geschichtetem Sand-stein, der mehrere Meter hoch aufragt, durchbrochen von unregelmäßigen Sichtgelegenheiten. Man könnte sich hier an der schwedischen Schärenküste wähnen, die wohl Pate gestanden hat. Allerdings herrschen hier anders als am Bal-tischen Meer ganzjährig hochsommerliche Temperaturen. Das gilt für die Luft ebenso wie für das Wasser. Seit der Wiedereröffnung vor ein paar Wochen hat man die Regler nämlich deutlich nach oben verschoben. So ist das Wasser in fast allen Bassins nun wirklich angenehme 33 bis 34 °C warm. So wohltemperiert ist es an der schwedischen Küste freilich nie. Auch beim Aussteigen aus dem molligen Naß verspürt man keine Kälte.
Doch nicht nur das Wohlbefinden steigt beim Eintauchen in die 135 cm tiefen, warmen Fluten, sondern auch das Auge bekommt hier jede Menge geboten. Kaum biegt man um die erste Ecke, türmt sich das abgebrochene, reich verzierte Heck eines alten Segelschiffes vor einem auf. Dem Erstbesucher bleibt aber kaum Zeit, den vor Erstaunen weit ge-öffneten Mund wieder zu schließen, denn die Felslandschaft mit dem gestrandeten Segler setzt sich nach links zu einem Höhlenlabyrinth fort. Das wäre wirklich der ideale Abenteuer-Spielplatz für die „Goonies“, die „Vorstadt-Krokodile“ oder auch die Freunde von Pippi Langstrumpf. Vorbei an einer Sprudel-Grotte treibt, schwimmt oder taucht man durch eine riesige, mit brusthohem Wasser geflutete Kaverne. Etwas Vergleichbares findet man wohl in keinem anderen Bad Europas, vielleicht weltweit nicht.
== Auge in Auge ==
Ich bin vielleicht dreißig Meter weit geschwommen, da gelange ich zum hintersten Teil der Wassergrotte. Hier ist die massive Sandsteinwand von drei großen Glasscheiben unterbrochen. Da taucht er auf: ein riesiger Fisch. Seine wulstigen Lippen öffnen sich und zwei Glubschaugen schauen direkt in die meinen. Doch der Riesenfisch ist ganz friedlich und als sein Maul weit geöffnet ist, blitzen mir auch keine spitzen Zähne entgegen. Er betrachtet mich noch eine Weile recht gelangweilt, bevor er nach unten abtaucht und zwischen Steinblöcken verschwindet. Jetzt bemerke ich auch, dass in dem weitläufigen Aquarium noch ein paar Dutzend andere Meeresbewohner herumschwimmen, teilweise noch größer als dieses Exemplar. Das ist wie ein kleiner Zoo-Besuch in Badehosen.
== Gestrandet ==
Ein zweiter Höhlen-Ausgang macht sich mit einem sprudelnden Sog bemerkbar. Ein Strömungskreisel zieht mich in seinen Bann und ich drehe ein paar Runden, um dann durch eine Schleuse nach draußen zu schwimmen. Der Blick in den Himmel zeigt mir nicht nur die Sterne, sondern die wahren Dimensionen des Segelschiffes. Mittelteil und Bug liegen nämlich im Freien, wobei die Masten steil nach oben ragen. Wie ein gestrandeter Wal ragt es aus der Badehalle heraus. Wirklich imponierend und sehr phantasievoll. Fast erwartet man, dass gleich ein paar Piraten über die Reling ins Wasser springen. Das passiert natürlich nicht, denn wie jeder weiß sind Piraten ja eher wasserscheu. Außerdem ist dieses Schiff ja schon lange ein Wrack und dementsprechend verlassen. Schade, einen Schatz wird man hier wohl nicht finden, doch die Verlockung ist groß, danach zu suchen.
Warme Nebelschwaden ziehen über das Außenbecken. Trotz Lufttemperaturen um den Gefrierpunkt fühle ich mich im 33 °C warmen Becken pudelwohl. Weiter hinten sehe ich auch einen Wasserfall plätschern. Um dorthin zu gelangen, muss ich jedoch zunächst eine Barriere überwinden. Das Außenbecken wird nämlich knapp unter der Wasserlinie durch eine schräg ansteigende Mauer in zwei Hälften unterteilt. Die ist jedoch leicht zu überwinden. Im hinteren Bereich kann man das ganze Bad von außen bewundern. Gedämpfte Freudenschreie von hoch rechts oben zeigen mir, dass in der blauen Röhrenrutsche, die sich hier an der Fassade entlang schlängelt, noch heftiges Treiben herrscht. Ich genieße aber erst mal die sanfte Massage des Wassers, das aus zwei Metern Höhe auf meine Schultern prasselt. Es ist hier etwas kühler als vor der Barriere, aber es hat immer noch wohlige 31 °C Wassertemperatur. Schade, dass es schon Herbst ist, denn in der warmen Jahreszeit könnte ich mich auf die große Wiese hinter dem Becken legen und bräunen oder eine Runde Beach-Volleyball spielen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.
== Action ==
Das vergnügte Treiben auf der Riesenrutsche lockt mich wieder nach drinnen. Im „Titania“ ist sie abgedunkelt als „Black Hole“ mit Lichteffekten. Ganze 120 Meter lang geht es in rasanter Fahrt nach unten, nachdem man den 12 m hohen Turm erklommen hat. Ein Vergnügen, das nach Wiederholung schreit. Bei jedem Ritt durch die Dunkelheit macht es mehr Spaß. Nach dem fünften Mal habe ich genügend Mut gefaßt, um den Thrill weiter zu steigern. Gleich nebenan sticht nämlich ein großer, grüner Trichter aus dem Felsenmeer hervor - die erste jemals in Deutschland in-stallierte „ProBowl“. Es braucht schon etwas Traute, sich in die steile, enge Röhre hineinzustürzen, die fast senkrecht nach unten führt. Auf 40 Metern beschleunigt man aus dem Stand auf über 50 km/h. Da bleibt einem echt die Luft weg. Doch zum Angst haben ist gar keine Zeit, denn schon wird der Rutschende in einen großen Trichter ausgespuckt. Nach ein paar immer langsamer werdenden Runden im Kreis fällt man durch ein großes Loch in der Mitte der Bowl aus etwa zwei Metern Höhe ins ebenso tiefe Auffangbecken. Ein Riesenspaß, aber nichts für Anfänger, denn die Aufregung vorm Sprung in den Abgrund kommt dem Bungee-Jumping sehr nahe und schwimmen muss man natürlich auch kön-nen.
== Sport ==
Apropos schwimmen: neben dem Spaß kommt im „Titania“ auch die Fitness nicht zu kurz. Gleich neben dem großen Trichter öffnet sich die professionelle Schwimmhalle dem Blick des Sportlers. Hier kann jeder, der seinen Stil oder seine Zeit verbessern möchte, 25 m lange Bahnen ziehen. Davon sind fünf Stück vorhanden, womit man sich nicht so schnell in die Quere kommt. Vom Aufstellen neuer Rekorde träumt man in meinem Alter zwar nicht mehr, aber ein paar Runden ziehe ich immer gerne, damit ich im nächsten Strand-Urlaub noch genügend Kondition habe, um das rettende Ufer wieder zu erreichen...
== Finnland ==
Okay, nach einer halben Stunde auf den Rutschen und zehn Minuten Brustschwimmen habe ich mir eine Auszeit ver-dient. Also schwupp durch die Schranke und ab ins Saunaland. Die Badetasche in der Ablage deponiert und los geht´s. Allerdings ist es hier längst nicht so ruhig, wie ich es erwartet hatte. Heute herrscht wirklich lebhaftes Treiben und gleich bin ich von drei Dutzend dampfender, nackter Menschen umgeben, die ins Freie strömen. Logisch, der Aufguß ist gerade zu Ende. Weitere zwanzig Personen sitzen im Fernsehraum und schauen sich das Fußball-Länderspiel an. Drei Blockhäuser mit Saunas im echtfinnischen Stil stehen im Innenbereich zur Verfügung, wobei die Aufgußsauna jetzt erst mal gelüftet wird. Die ebenso heiße Kräutersauna nebenan ist ebenfalls sehr gut besucht.
Ein Blick in die sanftere Biosauna zeigt mir, dass dort aber gerade viel Platz ist. Nachdem ich ein junges Paar begrüßt habe, das nahe des Ofens kuschelt, breite ich mein großes Saunatuch auf der mittleren Bank aus und bringe meine Rü-ckenwirbel wieder in eine Reihe. Das zweite Handtuch bequem unter den Kopf gelegt dauert es nicht lange, bis sich meine innere Ruhe eingestellt hat. Das wechselnde Farblicht eines künstlichen Sternenhimmels und leise Musik ver-suchen mich in den Schlaf zu wiegen, doch ich widerstehe der Versuchung natürlich. Kaum eine halbe Stunde später wache ich dann wieder auf...
== Wikinger? ==
Mein übliches Ritual nach dem ersten Schwitzgang läßt sich gleich nebenan erledigen: lauwarme Dusche, dann kurz ins kalte Tauchbecken und anschließend ein wechselwarmes Fußbad, zum Abschluß natürlich warm. Kneippschlauch und kalte Sturzdusche sind nicht so sehr mein Fall, zumal ich letztens erfahren habe, dass eine lauwarme Dusche den gleichen, positiven Effekt hat. Zwischenzeitlich wieder abgetrocknet hülle ich mich in meinen kuscheligen Bademantel und gehe an die frische Luft.
Wie gut das jetzt tut, den kalten Atem der herbstlichen Natur zu spüren, wohl wissend, dass es gleich wieder in die Wärme geht. Der Hof hat ein großes, oval gerundetes Entspannungsbecken als Mittelpunkt, um das sich rund herum weitere Schwitzräume und Blockhäuser tummeln. Auch eine große Sitzbank gibt es hier, in Manier eines Ruderbootes am Ufer drapiert. Dort sitzen gerade ein paar kräftige Männer mit ihren langhaarigen Begleiterinnen und gönnen sich einen Humpen Weizenbier - alkoholfrei, nehme ich an, oder vielleicht eher nicht. Jedenfalls stürzen sich, während ich die Szene noch beobachte, zwei der Männer ins kühle Außenbecken und führen einen Wettbewerb durch. Sie tauchen ganze zwei Bahnen, bevor sie prustend wieder an die Oberfläche kommen, wo sie von den Damen mit Küßchen be-lohnt werden. Das müssen wohl Wikinger gewesen sein. Ich weiß nicht, ob ich die Strecke so einfach geschafft hätte.
== Saunadorf ==
Die drei finnischen Innensaunas im Erdgeschoß sind natürlich längst nicht alles, was das „Titania“ an Schwitzräumen zu bieten hat. Nach meinem Rundgang ums Badebecken habe ich weitere sechs Außensaunas gezählt. Alle kann ich zwar nicht ausprobieren, doch immerhin drei weitere Saunagänge je fünfzehn Minuten umfasst mein Schwitzpro-gramm für heute. Zunächst geht es in die rechte Banjasauna, mit bäuerlichem Charakter. Hier sitze ich auf einem Po-dest oberhalb des Ofens und komme sehr schnell ins Schwitzen. Vielleicht trägt dazu die erhöhte Luftfeuchtigkeit bei, denn über der Feuerstelle schwebt ein mit Kräutersud befüllter Kessel.
Nach kurzem Blick in die runde Steinkammer und die Banja-Sauna nebenan (nach russischem Vorbild) lockt mich die Erdsauna. Auf der untersten Bank sitzend zieht mich das lodernde Kaminfeuer in seinen Bann. Hier könnte ich es si-cherlich noch recht lange aushalten, doch es gibt noch so viel zu entdecken. Gleich nebenan befindet sich beispielsweise die „Kiva-Sauna“. Dort finden automatische, sehr interessante Aufgüsse statt. Ich will ja nicht zu viel verraten, doch das sollte man wirklich mal miterlebt haben. Ein echtes Spektakulum!
Anschließend schlendere ich über eine kleine Brücke und an der Wassergrotte vorbei zur gegenüberliegenden Stein-sauna, die mit angenehmen 80 °C und Kupferkessel-Verdampfer ködert. Bei den Schwitzräumen sei last but not least noch die große Kelosauna zu erwähnen. Das Besondere hier sind natürlich die Aufgüsse, für die wirklich genügend Platz vorhanden ist. Nach meiner Zählung passen locker 60 Personen auf drei Sitzstufen rein. Das wäre ein idealer Ort für Aufguss-Wettbewerbe.
== Hypnos ruft! ==
„Nur keinen Streß“ ist die Devise. Schließlich bleiben mir ja noch ein paar Stunden für die Erkundung der restlichen Räume und ich bin ja vorwiegend zum Entspannen hierher gekommen. Abba wohin? Auch dabei gilt die Qual der Wahl. Sehr schön ist es ja im Sauna-Obergeschoß mit Panorama-Blick auf den Hof, doch ich entscheide mich für das große Kelo-Ruhehaus bei der Sauna-Liegewiese. Dort ist es urgemütlich, vor allem auf den Sesseln beim flackernden Kaminfeuer. Ich lese ein wenig in einer Zeitschrift, bis eine der 27 Liegen frei wird und kuschele mich in eine wärmende Decke ein.
== 1001 Nacht ==
Kaum die Augen zugemacht, schon ist eine Stunde verflogen. Dabei war ich noch gar nicht im Sauna-Obergeschoß, wo sich mein persönliches Highlight befindet - das osmanische Bad. Wer hier zum ersten Mal reinkommt, ist einfach nur überwältigt. Ich kenne ja einige alte Hamams, z. B. diejenigen aus der Türkenzeit in Budapest, doch so schön wie hier ist es nirgendwo anders. Der Architekt hat hier die perfekten Voraussetzungen zum absoluten Wohlfühl-Erlebnis geschaffen. Handgearbeitete Keramiken aus Marokko schmücken die Wände, mit typisch arabischer Formgebung und Farbenfreude. Mit Worten ist das kaum zu beschreiben - einfach märchenhaft. Alleine dieser Anblick ist schon das Eintrittsgeld wert. Für die Freunde der Hamam-Schwitzkultur einfach ein „must see“.
Zunächst wäre da das zentrale Entspannungsbecken, rund und flach und warm und von einer eiförmigen Kuppel über-spannt, die effektvoll beleuchtet ist und parabelförmige Ausschnitte besitzt. Anschließend zieht es mich in ein hochge-legtes, viertelkreisförmiges Heißbecken. Vielleicht 150 cm breit, finden hier etwa zehn Erholungssuchende ihr Plätzchen. Man liegt im etwa körperwarmen, nassen Element und vergißt alle Sorgen. Das Wasser springt als kleiner Wasserfall über die Überlaufkante etwa einen Meter tiefer und plätschert dabei. Eigentlich will ich hier gar nicht mehr weg, doch ein Blick auf das Zeiteisen zeigt mir, dass mein Massagetermin näher rückt. Also erst mal raus aus dem Jungbrunnen und noch schnell die drei Warmräume erkundet, die rund um das zentrale Becken angeordnet sind.
Natürlich gibt es auch einen traditionellen Hamam-Raum mit heißen Liegeflächen. Besser gefällt es mir aber im da-neben gelegenen „Laconium“. Dieses aus dem römischen Kulturkreis stammende Schwitzbad ist mit gelb und königs-blau gekachelten Wärme-Liegebänken ausgestattet. Die Raumtemperatur von bis zu 60 °C wird hauptsächlich durch die Strahlungswärme der Sitzflächen erzeugt, die angenehm körperbetont geformt wurden. Man liegt hier also definitiv bequem rund um einen zentralen Brunnen, die Füße auf einer mittigen Sitzfläche abgelegt. Wenn man nach ein paar Minuten mal die Augen öffnet, blickt man auf einen in dunkelblauer Wischtechnik gestalteten Sternenhimmel. Wer sich hier nicht wohl fühlt, dem ist nicht mehr zu helfen. Als zwölfter und letzter Schwitzraum bleibt dann noch das osmanische Dampfbad zu erwähnen, das in drei Nischen unterteilt ist und vor heißem Nebel wabert.
== Oh, well! ==
Mein persönliches Highlight bei jedem Sauna-Besuch ist eine entspannende Massage. Glücklicherweise hatte ich beim Einchecken gerade noch den letzten Termin für heute ergattern können. Es empfiehlt sich hier also wirklich, schon vorab telefonisch zu reservieren. Durch ein Drehkreuz beim Dampfbad gelange ich direkt zu den drei Massageräumen, die sich auf der Galerie im Erlebnisbad befinden. Dort erwartet mich bereits Herr Ngom, ein dunkelhäutiger Senegalese, der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt und Teamleiter der Wellness-Abteilung ist. Ich muss zugeben, ich war zunächst skeptisch. Eigentlich sind mir nämlich Frauen als Masseure lieber, weil sie meist einfühlsamer mit den Gästen umgehen. Hier war das aber nicht der Fall. Meine einstündige Rücken- und Beinmassage war wirklich vom Feinsten. Herr Ngom kennt sich offenbar bestens mit den Chakren und den Fußreflex-Punkten aus. Nach der Massage fühlte ich mich definitiv besser und auch die Tage danach bis heute bin ich schmerzfrei. Meine persönliche Empfehlung also für diesen sehr netten und bestens ausgebildeten Masseur. Chapeau sozusagen.
== Kinder? ==
Bislang habe ich die Einrichtungen für die Sprösslinge noch nicht erwähnt, doch beim Blick von der Galerie fällt der Spielbereich direkt ins Auge. Direkt neben dem großen Becken mit dem Segelschiff findet man zwei warme Kleinkind-Becken mit Minirutschen, maximal 20 bzw. 40 cm tief. Zudem ist das Heck des Seglers drinnen eine Art Abenteuer-Spielplatz auf mehreren Ebenen. Kinder bis vielleicht zehn Jahren können sich hier also gut beschäftigen. Die älteren Kids sind sowieso nur zwischen Wassergrotte und Riesenrutschen unterwegs. Somit ist das „Titania“ auch ein vollwertiges Familienbad.
== Schlemmen ==
So langsam meldet sich der kleine Hunger in meiner Magengegend mit der Botschaft, dass er gewachsen sei und ge-füttert werden möchte. Dafür bietet das „Titania“ drei Anlaufstellen. Bereits erwähnt hatte ich das Bistro für externe Gäste im Foyer. Die gleiche Auswahl an Speisen und Getränken für jeden Geschmack und Geldbeutel findet man aber sowohl in der Badehalle als auch im Sauna-Erdgeschoß. Am gemütlichsten ist es natürlich im Saunaland, wo ich mir an der Theke einen großen Salat-Teller mit Putenbrust-Streifen sowie eine Johannesbeer-Schorle bestellte. Gerne hätte ich beispielsweise auch das Rumpsteak probiert, doch zur jetzt fortgeschrittenen Stunde (21:30 Uhr) hielt ich etwas Leichteres für angebrachter.
Essen und Getränke werden übrigens wie alles andere auch auf den Chip gebucht, so dass man kein Bargeld benötigt. Etwa zehn Minuten später war mein Salat fertig. Und ich muss sagen, es gab nichts zu meckern. Zwar hatte man mich bei der Bestellung nicht nach dem Dressing gefragt, doch die offenbar hausgemachte Sauce war so lecker, dass ich sie nicht hätte besser aussuchen können. Der Salatberg war frisch und riesig, kaum zu schaffen. Die Geflügelsticks genau richtig angebraten, gut durch und angenehm gewürzt, aber nicht fettig oder zäh. Dazu wurden drei frische, angeröstete Baguette-Scheiben gereicht. Mit einem Satz: das Essen war perfekt. Besser hätte ich in einem Restaurant auch nicht speisen können und der Preis war angemessen.
== Pfiat di ==
Es ist kurz vor 23:00 Uhr, also Zeit Abschied zu nehmen. Zwar kommt die Durchsage zum Schließen des Bades bereits eine halbe Stunde vorher, doch Hetze ist nicht angesagt. Man kann in Ruhe noch sein Schwimmchen oder den Saunagang beenden und sich in aller Ruhe umziehen. Niemand wirft einen hinaus, solange man es bis 23:00 Uhr zur Kasse schafft. Ich bin entspannt und zufrieden und werde heute Abend nur noch eines tun: in die weichen Kissen meines Hotelzimmers einsinken und dann rasch ins Reich der Träume abgleiten.
== Schlußworte ==
Alles wirkt wie neu, das Personal erscheint mir motiviert, fleißig und freundlich, Sauberkeit und Angebot stimmen. Klar, es gibt immer ein paar Möglichkeiten, um das Angebot noch interessanter zu machen, doch bestimmt wird man die geplante Frischzellenkur im Sommer 2014 dazu nutzen, die Attraktivität weiter zu steigern. Bereits jetzt gehört das „Titania“ aber zu meinen Lieblings-Bädern und ich kann daher volle fünf wellSterne vergeben und eine uneinge-schränkte Besuchs-Empfehlung aussprechen.
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