Rezension: Morgenstern – Todeszone Sinai

Morgenstern - Todeszone Sinai (Foto: Folgenreich/Universal Music Family Entertainment)
Privatdetektiv Christian Morgenstern aus Potsdam löst in „Todeszone Sinai“ in seinen zweiten Fall auf CD. In 70 Minuten reist er nach Ägypten, um einen verschwundenen Arzt zu suchen. Dort gerät Morgenstern in einen Strudel der Gewalt, in der Kartelle Flüchtlinge aus Afrika entführen, foltern und Lösegeld erpressen. Kommt kein Geld mehr, werden die armen Teufel ausgeweidet und ihre Organe illegal in einer Klinik im Tourismuszentrum al-Arish zahlender Kundschaft eingepflanzt.

Fiktion ist dieser menschenverachtende Fall von Morgenstern leider nicht. Die Machenschaften der Clans im Sinai-Gebiet ist Realität, wie unter anderem auf Spiegel Online zu lesen ist. Nicht alle lokalen Scheichs praktizieren diese Art der Geiselnahme, doch weil die Polizei wegsieht, entpuppt sich die Flucht aus Bürgerkriegsgebieten wie dem Sudan für die Afrikaner spätestens kurz vor den Toren Israels als Hölle.

Wie vermittelt "Todeszone Sinai" Organhandel?
Raimon Weber manövriert seinen Protagonisten sowie einen deutschen Arzt in eine fast aussichtslose Lage. Morgenstern wird etwas idealisiert, auf Raubein getrimmt, das sich der Gefahr für sich und seinen realistisch-ängstlichen Begleiter offenbar nicht ganz bewusst ist bzw. in naives Heldentum übergeht, wenn er es quasi im Alleingang mit schwerbewaffneten und skrupellosen Menschenhändlern aufnimmt. Mit Verachtung straft sein Protagonist die Kundschaft der Organhändler, die sich als ahnungslos ausgeben - was unglaubwürdig ist, sofern man sich nur ein bisschen mit Organtransplantationen befasst hat.

Für das Label Folgenreich macht das Team von ear2brain productions aus diesem spannenden Stoff ein bisweilen von für den Ermittler vorteilhaften Zufällen gespicktes Hörstück, bei dem weniger die Detektivarbeit als vielmehr die krassen Missstände in Ägypten im Fokus stehen. Die inszenierte Morgenstern-Lesung „Todeszone Sinai“ von Regisseur Raimon Weber mit Sprecher Olaf Reitz fährt inhaltlich schwere Geschütze auf und ist schon allein aufgrund der prekären Thematik hörenswert. Kompakt stellen die Macher ein heißes und komplexes Thema in knackigen 70 Minuten vor, wodurch es etwas an Tiefe fehlt. Konzipiert als Detektivgeschichte und nicht als Enthüllungsreport, funktioniert die zweite Folge von Morgenstern jedoch gut. Was „Todeszone Sinai“ dabei zur Fiktion macht, ist das glückliche Ende – übrigens mit einem reizvollen Cliffhanger, der auch in Anbetracht des nicht komplett beendeten ersten Falls „Leben und Sterben“ auf eine parallel stückchenweise weitergesponnene Hintergrundgeschichte hindeutet. Morgenstern – Todeszone Sinai ist ab 17. Januar 2014 im Handel erhältlich.
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