Der Bismarckturm

Veranlasst durch ihren Aufruf in der letzten myheimat sende ich den Auszug 4.14 aus meinen Erinnerungen „ Wie war das denn damals in Steppach“ zu ihrer Verwendung.

Mein Name ist Johann Krist bin Jahrgang 1936 und Ureinwohner von Steppach
meine Telefonnummer 488702


Der Bismarckturm

Für uns Buben war das Gelände um den Bismarckturm eine beliebte Gegend. Zu meiner Kindheit konnte man die Kinder noch ohne große Sorgen losziehen lassen. Es gab nur Schule und Freizeit. Keine Termine und vor allem kein Fernsehen und Videospiele. Es war uns Jungen nicht klar, wohin uns heute der Weg führt, noch konnten die Eltern wissen, wo wir Buben uns herumtrieben. Meine Mutter sagte immer „du alter Läfel“. Offensichtlich kam das von „laufen“ und weil niemand wusste, wo wir genau waren.
Man traf sich beim Fuchs oder am Dreieck, dort war immer jemand zu treffen.

Doch zurück zum Bismarckgelände. Der Turm, angeblich genau nach den
4 Himmelsrichtungen ausgerichtet, wurde zum Andenken an den Reichskanzler Bismarck gebaut und steht in gleicher Bauweise noch mehrmals in ganz Deutschland. Eine Kopie habe ich selbst bei Dresden gesehen. Die Bäume um den Turm waren noch kleiner und wir waren auf allen schon oben gesessen.
Auch auf den Turm konnte man von außen, zumindest bis zum oberen Gesims an abgewetzten Tuffsteinlöchern, bequem klettern. Unter dem Krieg war auf halber Höhe innen ein Zwischengeschoß eingezogen worden, in dem eine Fernsprecheinheit untergebracht war. 2 Flakhelferinnen die dort Dienst schoben, waren bei uns im alten Haus einquartiert. Frl. Bauer aus Passau und Frl. Schmidt aus Rothenburg hausten dort in Stockbetten und sorgten für manche Abwechslung. Beide, knackige junge Mädchen, mussten immer zum Dienst begleitet werden, was meinem Vater, soweit ich mich erinnern kann, nicht unangenehm war.
Vor dem Krieg wurde auf der oberen ca. 3m runden Stahlpfanne zu Führers Geburtstag eine Ölflamme entzündet. Wir Kinder turnten in dieser nunmehr leeren Pfanne am höchsten Punkt des Turmes gerne herum.
Nach dem Krieg wurde der Turm wegen Baufälligkeit gesperrt. Aber über der Tür entstand mit der Zeit ein Loch, über das man in das Innere des Turms gelangen konnte. Die Treppen nach oben waren sehr kritisch und das Geländer hing an manchen Stellen in der Luft. Man wusste nicht, halten die Treppen das Geländer, oder das Geländer die Treppen. In den 70er Jahren wurde das Gelände vom Erholungsverein Augsburg übernommen, der Turm renoviert und wenigstens am Wochenende vom alten Edin bewacht und wieder zum Besteigen freigegeben.
Östlich des Turms war eine Feuerstelle ca. 5 x 5m breit und 1,2m hoch aus Tuffsteinen in der früher Sonnwendfeuer abgebrannt wurden. Auch diese wurde bei der Renovierung abgebrochen. In den Jahren nach dem Krieg waren oft Amis oben und veranstalteten alles Mögliche, und es war relativ unsicher um den Turm.
An der Stelle wo heute der Stadtwerke Hochbehälter für die Wasserversorgung der ganzen Gegend sorgt, war ein großer alter Garten mit Hecken, großen Bäumen und alten Figuren, Putten, Göttern und Nymphen. Um das Grundstück war immer weniger Zaun und es eignete sich besonders gut Räuber und Gendarm zu spielen. Ein Spiel, das sich bis in die Lee und in den Wald beim Ziegelstadel hin erstreckte. Wenn man bedenkt, dass damals keiner ein Fahrrad besaß, waren das ganz schöne Strecken zum laufen. Die Lee war ein südlich der Umgehungsstraße liegendes Sandgrubengelände mit vielen Verwerfungen, mit Himbeer- und Ginstersträuchern, einfach toll zum verstecken. Als wir dann in die Pubertät kamen, interessierten uns natürlich auch andere Dinge. Einmal saßen wir am Turm auf der unteren Brüstung und sahen ein Liebespaar in die Sandgrube ziehen und nicht mehr heraus kommen. Die ganze Meute schlich sich zum Grubenrand und sah dem Treiben zu, wie er seine Geliebte an die Böschung drückte.
Auch wurden wir einmal von einem Exhibitionisten belästigt. Da wir aber immer mehrere waren, hatten wir keine Angst. Lediglich eine alte Frau wurde einmal von einem Neger beim Himbeerpflücken angefallen, kam aber mit dem Schrecken davon oder bekam der Neger einen Schrecken? In heutiger Zeit traut sich kein Mensch mehr seine Kinder alleine soweit ziehen zu lassen.

Am Osthang vom Bismarck war im Winter Ski- und Rodelbetrieb. Die letzten Jahre, vor dem Bau der Steppacher Umgehungsstraße, war sogar ein Schlepplift in Betrieb. Die Hangneigung war aber so flach, dass der Betreiber einen Hohlweg ausschieben musste, damit das Seil nicht am Boden schleifte. Wegen Schneemangel war der Lift meist nur ein paar Tage in Betrieb und wurde nach 2-3 Saisonen wieder aufgegeben.

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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 05.07.2014
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1 Kommentar
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Erika Bf aus Neusäß | 23.06.2014 | 00:02  
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