Oberligaduell Borussia Neunkirchen : SV Elversberg II

Wann? 26.10.2013 14:30 Uhr

Wo? Ellenfeldstadion, 66538 Neunkirchen DE
Neunkirchen: Ellenfeldstadion | Go Borussia
- Kolumne von Raimund Eich -

Bald ist es wieder soweit. Mich überläuft schon eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, an die Eisschwimmer meine ich, die im Winter bei Minustemperaturen den Sprung ins eiskalte Wasser wagen und darin für ein paar Minuten ausharren. Jedes Jahr aufs Neue kann man zum Beispiel am Itzenplitzer Weiher, also ganz in unserer Nähe, dieses Spektakel miterleben, bei dem sich etwa zwei Dutzend Akteure im Wasser tummeln, vom sicheren Ufer aus beobachtet von ein paar Hundert Schaulustigen in dicken Winterjacken.

So einen Sprung ins eiskalte Wasser würde ich mich nie wagen, obwohl mir der Arzt schon vor vielen Jahren regelmäßige Wechselduschen zur Abhärtung empfohlen hatte. Ich bin mir offen gestanden nicht sicher, ob es nur medizinisch begründet war oder ob er von Leuten wie mir, die den ganzen Tag über im trockenen und warmen Büro verbringen und damit auch noch Geld verdienen, ohnehin nicht allzu viel hält. Jedenfalls habe ich mir seinen Rat zu Herzen genommen und mich zumindest hin und wieder dazu überwunden, beim Duschen das kalte Wasser voll aufzudrehen. Um ehrlich zu sein, das Vergnügen, das ich dabei empfinde, hält sich durchaus in Grenzen, sodass ich im Laufe der Zeit mehr und mehr davon abgerückt bin. Vor zwei Wochen allerdings hat´s mich mal wieder übermannt, wenn auch unfreiwillig. Ganze eineinhalb Stunden Wechselduschen habe ich über mich ergehen lassen, und dass sogar im Freien, bei Außentemperaturen von nur etwa 7 - 8° C, nur mit einer viertelstündigen Unterbrechung, um genau zu sein. Sie glauben mir nicht? Dann fragen Sie doch mal die anderen Zuschauer, die das Spektakel beim letzten Heimspiel im Ellenfeldstadion gegen TUS Mechtersheim ebenfalls miterlebt haben.

Was unsere Jungs dem einheimischen Publikum da jedenfalls an gefühlsmäßigen Temperaturschwankungen zugemutet haben, das geht auf keine Kuhhaut. In der ersten Hälfte wäre, so scheint es mir jedenfalls, eine Umschreibung als Schlafmützenfußball der Heimmannschaft, der mich und viele andere im Stadion in Enttäuschung und Verzweiflung zugleich stürzte, durchaus nicht verwerflich. So reifte in der Halbzeitpause bei einem absolut verdienten 0:2-Rückstand durchaus nicht zum ersten Mal in dieser Saison bei mir der altersweise und unumstößliche Entschluss, mir nie wieder ein Fußballspiel anzuschauen. Doch dann kamen sie auf den Platz zurück. Ich weiß nicht, was unser Trainer den Spielern in der Kabine gesagt oder gar eingetrichtert hat. Vielleicht war es ja auch Feuer unter den Hintern, das ihnen widerfahren ist. Jedenfalls hat es mächtige Wirkung entfacht, denn einige von ihnen kamen wie von der Tarantel gestochen ins Spiel zurück und holten den Rückstand tatsächlich wieder auf. Schlagartig verwandelte sich kollektiver Frust in kollektive Lust, die allerdings nur so lange anhielt, bis die Mechtersheimer erneut in Führung gingen. Ich war gerade wieder dabei, zurück ins Leid zu versinken, als erneut der Ausgleich fiel. Und dann waren sie einfach nicht mehr zu bremsen, die Borussen auf dem Platz und die Zuschauer auf den Rängen. Als dem Teufelskerl Jens Kirchen buchstäblicher in letzter Sekunde auch noch der Siegtreffer gelang, kannte der Jubel im Stadion fast keine Grenzen mehr. Nur die bedauernswerten Mechtersheimer, die den sicheren Sieg schon in der Tasche glaubten, verließen wie gelähmt mit hängenden Köpfen und leeren Händen den Platz. Der Schock stand ihnen ins Gesicht geschrieben, insbesondere aber ihrem Trainer, der bei der anschließenden Pressekonferenz im VIP-Raum nur mühsam nach Worten rang.

Ich habe meinen Entschluss zur fußballerischen Enthaltsamkeit übrigens zwischenzeitlich nochmals revidiert und sicherheitshalber auch wieder mit Wechselduschen begonnen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es schon gewirkt hat, denn im Auswärtsspiel gegen Pfeddersheim gab´s bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen erneut einen flotten Dreier für uns. So langsam klettern unsere Jungs jedenfalls auf einen Platz an der Sonne. Bleibt zu hoffen, dass uns beim anstehenden Heimspiel gegen unsere Nachbarn aus Elversberg die Siegesgöttin Victoria weiter hold bleiben möge.

In diesem Sinne:

Go Borussia, zusammen steh'n und Siege seh'n,
Go Borussia, wir lassen 1.000 Fahnen weh'n...
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3 Kommentare
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Berti Bonacker aus Kirchhain | 24.10.2013 | 19:51  
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Berti Bonacker aus Kirchhain | 27.10.2013 | 20:57  
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Raimund Eich aus Neunkirchen/Saar | 27.10.2013 | 21:33  
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