- Kolumne von Raimund Eich -
König Fußball hat uns wieder, und damit die herrlichste Nebensache der Welt, jedenfalls für uns Fußballfans. Neben Schreckensmeldungen über Kriege, Grausamkeiten und Katastrophen aus aller Welt, neben beunruhigenden Nachrichten über Krisenstaaten und immer größer werdende Rettungsschirme, neben Meldungen über Korruption, Organspendenskandale und was weiß ich nicht noch alles werden endlich auch wieder Berichte und Kommentare zu einer von vielen Millionen geliebten Nebensächlichkeit ihren Platz finden und damit die Welt wenigstens ein kleines bisschen erträglicher erscheinen lassen. Otto Normalverbraucher wie ich haben längst schon den Überblick über weltweites Chaos verloren und nehmen vieles nur noch mit Ohnmachtsgefühlen kopfschüttelnd zur Kenntnis. Dagegen hilft auch kein Gang zur Wahlurne, der mir letztlich nur eine Wahl zwischen Not und Elend zu lassen scheint. Bleibt zu hoffen, dass der Gang ins Ellenfeld für uns alle die bessere Wahl bietet und uns (hoffentlich) wieder etwas mehr Spaß und Freude bereiten wird.
Was macht sie eigentlich aus, diese Leidenschaft für den Fußball, die bei den Fußballmuffeln auf völliges Unverständnis stößt, wenn zweiundzwanzig Erwachsene nüchtern betrachtet eineinhalb Stunden lang einer Lederkugel hinterherjagen und vor Freude fast aus dem Häuschen geraten, wenn dieselbe zwischen zwei Pfosten hinter einer weißen Linie in einem Netz versenkt wird, sofern es auch das richtige Netz ist? Im falschen Netz versenkt bricht dagegen kollektive Trauer und Ver-zweiflung aus, jedenfalls bei den einen, während es bei den anderen genau umgekehrt ist. Was fasziniert uns also so an dieser sportlichen Disziplin?
Denen, die nur nüchtern und oft auch mit einer gewissen Geringschätzung auf fußballerisches Treiben blicken, fehlt der Blick dafür, was diese Sportart über das eigentliche Spiel hinaus aus-macht und die Akteure auf dem Platz sowie die Zuschauer quer durch alle Gesellschaftsschichten miteinander verbindet. Gemeinsam für ein bestimmtes Ziel zu kämpfen, nach klaren Regeln, die bei Nichtbeachtung sofort zu entsprechenden Konsequenzen im Positiven wie im Negativen führen, lässt nicht nur bei den Aktiven auf dem Platz, sondern auch bei den Zuschauern ein einzigartiges Wir-Gefühl entstehen, das uns in unserer Gesellschaft ansonsten mehr und mehr abhanden zu kommen schein. Das macht den Unterschied zum täglichen Existenzkampf aus, dem wir uns alle jeden Tag aufs Neue stellen müssen und den man leider viel zu oft mit einem Kampf „jeder gegen jeden“ umschreiben könnte, bei dem vielen die Ellbogenmentalität die einzig wichtige und be-achtenswerte Regel zu sein scheint.
Blicken wir nach diesen philosophischen Ausschweifungen zum Saisonstart kurz zurück auf das, was sich in der Sommerpause im Ellenfeld und ums Ellenfeld herum bewegt und verändert hat. Die Mannschaft wurde umgebaut von unserem neuen „Baumeister“ Dieter Ferner, der mit dem Wechsel vom Hauptstadtklub aus Saarbrücken nach Neunkirchen, mit einem Wechsel also von der 3. Liga in die zwei Klassen tiefere Oberliga noch einmal ein richtiges Abenteuer wagt. Dieter Ferner als exzellenter Fußballexperte mit jahrzehntelangen Erfahrungen und vielen sportlichen Erfolgen als ehemaliger Bundesligaspieler und auch als Trainer ist zweifellos ein Hoffnungsträger für die Borussen, von dem man unter den gegebenen Möglichkeiten bei Borussia Neunkirchen allerdings keine sportlichen Wunder erwarten darf. Lassen wir ihm und der neu formierten Mannschaft daher die notwendige Zeit, um im Kampf um die Punkte am Ende der gerade erst begonnenen Oberliga-saison die Nase mit vorne zu haben.
Die hervorragend organisierte Ausstellung „100 Jahre Ellenfeld“ im Saarparkcenter fand erstaunlich großen Anklang unter den Besuchern und hat weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit gefunden, nicht zuletzt durch zahlreiche historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus glanzvollen Bundesligazeiten und nostalgische Plakate von Spielen unserer Mannschaft gegen einstige und heutige Fußballgrößen wie Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04. Auch für das im Herbst erscheinende Buch über die Geschichte des Ellenfeldstadions konnten erfreulich viele Buch-paten gewonnen werden.
Mit relativ bescheidenen Mitteln, aber dafür mit einem umso größeren Engagement von wenigstens ein paar fleißigen Helfern, wurde das Ellenfeldstadion rechtzeitig zum Stadionfest optisch etwas aufgefrischt, obwohl die hundertjährige alte Dame sicherlich mehr als nur ein stellenweise frisches Make Up verdient hätte. Man kann sich zuweilen nicht des Eindrucks verwehren, dass einer „antiken“ Rarität wie unserem Ellenfeld von außerhalb zuweilen mehr gebührende Beachtung ge-schenkt wird als von einigen hier im Lande, die „nach Holzfällerart“ unter rein ökonomischen Aspekten einem Abbruch des Stadions das Wort reden. So war sogar die Deutsche Welle vor einigen Tagen zu Dreharbeiten ins Ellenfeld angereist und zeigte sich von der Stadionkulisse sehr beeindruckt.
Den Nebenplatz des Stadions betreffend gibt es etwas Erfreuliches zu vermelden. Am 13. August wird dort der Bau eines Kunstrasenplatzes mit einem symbolischen Spatenstich eingeleitet. Diese für den Trainingsbetrieb aller Borussenmannschaften so wichtige Maßnahme lässt zumindest auch auf den dauerhaften Erhalt unserer Fußballarena hoffen.
Im Auftaktspiel letzten Samstag in Hauenstein hat sich gezeigt, dass auf Mannschaft und Trainer noch viel Arbeit wartet. Drei Punkte als Gastgeschenk im Auswärtsspiel gegen einen durchaus nicht unbezwingbaren Gegner waren jedenfalls nicht vonnöten. Bleibt zu hoffen, dass unsere Jungs im ersten Heimspiel gegen den SC Halberg Brebach mit der in Hauenstein zumindest phasenweise vermissten Leidenschaft nach neunzig Minuten mit voller Punktzahl vom Platz gehen können.
In diesem Sinne:
Go Borussia, zusammen steh'n und Siege seh'n,
Go Borussia, wir lassen 1.000 Fahnen weh'n...
Das Spiel endete unentschieden 1:1








