Oberliga Rheinland/Pfalz-Saar; Borussia Neunkirchen : SC Hauenstein

Wann? 24.05.2014 15:30 Uhr

Wo? Ellenfeldstadion, 66538 Neunkirchen DE
Neunkirchen: Ellenfeldstadion | I Have a Dream
- Nichtabstiegskolumne von Raimund Eich –

I have a Dream, so hatte Martin Luther King seine berühmte Rede überschrieben, die er 1963 anlässlich des Marsches der Bürgerrechtsbewegung für Arbeit, Freiheit und Gleichheit für die afroamerikanische Bevölkerung der USA mit über 250.000 Teilnehmern vor dem Lincoln Memorial in Washington hielt. Auch ich hatte im gleichen Jahr einen großen Traum, nämlich dass Borussia Neunkirchen im Gründungsjahr der Bundesliga verdientermaßen in den erlauchten Kreis der besten Fußballmannschaften aufgenommen werden würde. Doch der war kurz vorher mit lautem Knall zerplatzt, als man statt dessen dem 1. FC Saarbrücken den Vorzug gab. Es liegt mir jedoch fern, den kindlichen Traum eines damals 13jährigen fußballbegeisterten Jungen mit dem ungleich bedeutenderen Traum eines Bürgerrechtlers, der seinen Kampf um Menschenrechte letztlich mit dem Leben bezahlen musste, vergleichen zu wollen, ebenso wenig wie den großen Traum, den ich letzte Nacht, also rund 51 Jahre später, wieder von meiner geliebten Borussia hatte. Es war ein Albtraum, um es vorwegzunehmen, denn mir wurde beim letzten Heimspiel gegen Hauenstein der Zutritt zum Ellenfeldstadion verwehrt. Aber es war dennoch der schönste Albtraum meines Lebens, den ich Ihnen kurz erzählen möchte.

Samstag, 24. Mai 2014. Kurz nach 15:00 Uhr mache ich mich mit einem flauen Gefühl im Magen auf den Weg ins Ellenfeldstadion. Borussia Neunkirchen muss heute unbedingt gegen den Tabellendritten aus Hauenstein punkten, um dem drohenden Abstieg in die Saarlandliga und damit in die Sechstklassigkeit zu vermeiden. Ich bete auf dem Weg klammheimlich zum lieben Gott, dass wenigstens ein paar Hundert Zuschauer den Weg ins Stadion finden werden, um die Mannschaft nach Kräften zu unterstützen. Doch als ich aus der Haspelstraße nach links in die Hohlstraße Richtung Ellenfeld abbiege, stockt mir fast der Atem. Eine schier endlose Menschenschlange bewegt sich aufs Stadion zu und auf der Straße stockt der Verkehr. Auto an Auto reiht sich, um noch einen Parkplatz auf dem Mantes-La-Ville-Platz zu bekommen, der aber schon völlig überfüllt ist. So gut es geht drängele ich mich an den Heerscharen vorbei, um noch einen Platz im Stadion zu finden. Doch vergeblich, das altehrwürdige Ellenfeldstadion scheint aus allen Nähten zu platzen. Der Zugang wird mir verwehrt, weil ich mich viel zu spät auf den Weg gemacht habe. Vielen verzweifelten Borussenanhängern, die ihrer Mannschaft heute mit ihrer Anwesenheit die notwendige moralische Unterstützung geben wollen, geht es ähnlich. Da kommt mir in Erinnerung an glorreiche Borussenzeiten der rettende Einfall. Ich winke den anderen zu, mir zu folgen und führe sie ums Stadion herum auf die große abschüssige Wiese zwischen dem Büchel und dem Ellenfeld, die im Nu mit Tausenden von Zuschauern bevölkert ist. Die Zuschauer im Stadion und wir Verlorenen draußen auf der Wiese feuern mit Schlachtrufen und Gesängen die Borussen derart an, dass diese sich in einen wahren Spielrausch steigert und den Hauensteinern nicht den Hauch einer Chance lässt. Das Spiel wird von unserer Borussia klar gewonnen, der Abstieg so verhindert und der Jubel im und ums Ellenfeld herum kennt keine Grenzen mehr.

An dieser Stelle endete mein Traum und ich wachte mit einem verklärten Lächeln auf den Lippen wieder auf. Soll ich Ihnen mal was verraten: Ich wünsche mir nichts mehr, als dass dieser wunderschöne Albtraum am Samstag halbwegs in Erfüllung gehen möge.

In diesem Sinne:

Go Borussia, zusammen steh'n und Siege seh'n,
Go Borussia, wir lassen 1.000 Fahnen weh'n...
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1 Kommentar
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Berti Bonacker aus Kirchhain | 06.07.2014 | 15:27  
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