Die Zingel ist im Bezirk Schwaben zurück: Unbekannte Fischart in der Iller wieder eingesetzt

(Foto: Andreas Hartl)
 
Fischwirtschaftsmeister Guido Neumann vom Schwäbischen Fischereihof des Bezirk Schwaben, Ralf Böck vom Fischereiverein Senden, Norbert Frank, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Untere Iller und Wolfgang Botzenhardt vom Fischereiverein (alle im Bild von links nach rechts) bei der Wiederbesiedlungsaktion in der Iller (Foto: Bezirk Schwaben)
Auf die Erhaltung der Biodiversität (Artenvielfalt) wird weltweit größtes Augenmerk gerichtet. Dennoch sind viele bedrohte Arten völlig unbekannt und ihr Aussterben vollzieht sich im Verborgenen. Dies trifft auch für viele heimische Fischarten zu. Wer kennt ihn schon, den Fisch Zingel, der den wissenschaftlichen Namen Zingel zingel (Linnaeus) trägt? Er lebte bis vor etwa 50 Jahren noch in Schwäbischen Gewässern wie Donau, Lech, Wörnitz und unterer Iller. Heutzutage sucht man den Zingel in Schwaben vergebens - er gilt als „verschollen“.

Lediglich in Bereichen der unteren Donau gibt es in Bayern noch Bestände dieser ausschließlich im Donaueinzugsgebiet vorkommenden Barschart. Mit einem Wiederansiedelungsvorhaben von 500 Zingeln wollen die Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben und das Landesamt für Umwelt (LfU) gemeinsam mit der Fischereigenossenschaft Untere Iller einen weiteren Schritt zur Erhaltung der Artenvielfalt in schwäbischen Gewässern beitragen. „Wir hoffen auf die Eigenvermehrung der Zingel in den nächsten Jahren. Mit ein wenig Glück können wir eine neue Population etablieren, die von der unteren Iller aus auch andere Bereiche besiedelt“, erklärt der Fischereifachberater des Bezirks Schwaben, Dr. Oliver Born.

Einen wesentlichen Grundstein für das Wiederansiedlungsvorhaben lieferte das LfU mit der erfolgreichen Vermehrung von Zingeln in der Teichanlage Wielenbach. Manfred Herrmann, stellvertretender Leiter der LfU-Dienststelle Wielenbach: „Wir sind stolz auf die Leistung unserer Fischzuchtmeister bei der Vermehrung der Donaubarsche. Aufgrund unserer hohen Fachkompetenz im Bereich seltener heimischer Fischarten können wir zum Erhalt der stark bedrohten Fischart im Donaueinzugsgebiet und zur Verbesserung der Artenvielfalt beitragen“.

Die ausgewählte Besatzstelle eignet sich besonders, weil nach der Umsetzung der Renaturierung der Iller bei Vöhringen durch das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth sehr naturnahe und ursprüngliche Strukturen im Fluss geschaffen worden sind. Bezirksrat Herbert Pressl, der auch 1. Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Untere Iller ist, gibt der Wiederansiedelung des Zingels deshalb gute Chancen: „Nach dem Umbau der Iller wurden wieder Lebensräume geschaffen, die auch den anspruchsvollen Fischarten eine echte Überlebensmöglichkeit bieten.“ Die Untersuchungen und Monitorings des LfU und der Fischereifachberatung werden in den nächsten Jahren zeigen, ob die Wiederansiedlung der Zingel in der Iller erfolgreich verlief.

Der Zingel: Biologie und Vorkommen in Schwaben:

Der Zingel zählt - neben dem Streber und dem Schrätzer - zu den drei sogenannten geheimnisvollen „Donaubarschen“. Er wird in der Regel 15 bis 20 cm groß, kann aber bis zu 50 cm Länge erreichen. Der Zingel ist ein nachtaktiver, strömungsliebender Fisch. Zur Fortpflanzung benötigt er feinkiesiges bis sandiges Laichsubstrat, das er in den Monaten März bis Mai für das Laichgeschäft an stark überströmten Gewässerabschnitten nutzt. Der Laich des Zingels ist sehr klebrig und bindet sich ans Substrat. So werden die abgegebenen Eier gegen die Strömung beschwert und können nicht so leicht abtreiben. Der Kenntnisstand zu Biologie und Lebensweise des Zingels ist immer noch sehr lückenhaft.

Das natürliche Verbreitungsgebiet ist ausschließlich auf das Donaueinzugsgebiet begrenzt und hier im Donauhauptstrom und den Mündungsbereichen der Zuflüsse. Ausgewachsene Exemplare halten sich wohl fast ausschließlich am Grund stark strömender, tiefer Gewässerabschnitte auf. Dies ist, neben der Hauptaktivität in der Nacht, auch der Grund warum er mit den gängigen Methoden zur Fischbestandsaufnahme nur schwer aufzuspüren ist.

Die Donaubarsche sind auch in der Vergangenheit nie besonders häufig vorgekommen. Die aktuelle Bestandssituation in Bayern ist mit ausreichender Sicherheit nur schwer anzugeben, muss aber als „kritisch“ angenommen werden. In Schwaben ist der Zingel „verschollen“. Seit ca. 50 Jahren ist kein Nachweis mehr bekannt geworden. Dies liegt daran, dass die schwäbische Donau und ihre Nebenflüsse sehr stark durch gewässerbauliche Maßnahmen und Staue verändert wurden. Dies führte zu einem massiven Verlust an geeigneten (was übrigens für die meisten Fluss-Fischarten gilt) überlebenswichtigen Lebensräumen. In historischen Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert ist das Vorkommen in der Donau als „von Günzburg abwärts nicht selten, aber auch nicht gemein.“ (Max von dem Borne 1882) beschrieben. Weitere Vorkommen in Schwaben wurden in den Unterläufen von Schmutter, Zusam, Lech, Iller, Roth, Wörnitz, Günz und Friedberger Ach beschrieben.

Der Zingel wird durch das Genfer Artenschutzabkommen als gefährdete Art eingestuft, und ist in Europa durch die Berner Konvention (Anhang III) geschützt. Zudem gilt er nach der europäischen „Fauna-Flora Habitat Richtlinie“ als besondere „Art von gemeinschaftlichem Interesse“. Auf der Roten Liste Bayerns ist er als „stark gefährdet“ eingestuft.
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