Schräge Dichter: Bissig und Geistreich

Neu-Ulm: Theater Neu-Ulm |

(roma) Dichterabend im Theater Neu-Ulm. Prädikat mucksmäuschenstill: Vom Bannstrahl der Gedankenblitze getroffen schien das Publikum beim Dichterpodium des Theater Neu-Ulms, wo Theaterprinzipal Heinz Koch den Erfindergeist vier lokaler Wortakrobaten mit launigen Kostproben aus dem Club der toten Dichter und Denker würzte.

Die Ehre im Spalier der Bühnenscheinwerfer gaben sich vier werdende und bereits etablierte Autoren aus dem Ulm/Neu-Ulmer Raum – und jeder der Vier hatte sich etwas Besonderes für seine Wortperformance einfallen lassen: Florian L. Arnold schlüpfte als gewitzter „Stellvertreter“ in die essayistische Kunstfigur seines fragmentarisch gebliebenen Kollegen Tilman P. Aus der Riege der Ulmer Autoren testete Martin Gehring auch bislang unveröffentlichte Manuskripte aus. Und Corina Wagner brachte einen moosgrünen Plüschdrachen zum Anfassen mit. Allein „Mister Inkognito“, Paolo Percoco, blieb stumm und erstarrte zur Salzsäule, während sein Text von Ghost-Speaker Clemens Grote per Sprachbox zu Gehör gebracht wurde.

Im Theater Neu-Ulm knistern die Episoden, schütteln sich die Reime vor Lachen und unter dem auf Ringelnatz anspielenden Motto „Rangel-Rungel-Ringelstern. Ich küsse jeden Morgen natz“ breitet sich bissiger Humor ebenso aus wie blühende Fantasie. Die schwappt bei Percocos Radiobeiträgen schon Mal in surrealistische Kolportage über: Sein Geheimagent düst auf dem fliegenden Teppich über Erdbeerfelder – und wird von einer Kühlschranktür erschlagen. Auf Ernst Jandls lautmalerischen Pfaden fühlt sich Gehring pudelwohl – und punktet mit seiner „Ballade vom Fußballspiel“. In Arnolds Schöpfungsburleske schmeißt Gott völlig ungrüblerisch die ganze Adam- und Eva-Bagage aus seinem zur Farce gewordenen Paradiesgarten – „und ist glücklich mit sich selbst“. Und Wagner katapultiert Eugen Roths Beerdigung zum makabren Szenarium einer Zugreise.

Da ist mit Moderator, Alt-Dichterrepräsentant und Heinz-Erhardt-Fan Heinz Koch auch der Morgenstern nicht weit: „Ein Wiesel saß auf einem Kiesel“. Oder Erich Kästners „alte Affen“ als Poem-Fazit über die zivilisierte Menschheit.

Weitere Vorstellungen: 15. und 22. Mai sowie 12. Juni, jeweils 20 Uhr.

Karten unter Telefon 0731/553412.

oder über den Spielplan.
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