Könige machen Memleben berühmt - Teil 2 Natur- und Geoparkorte im Naturpark "Saale-Unstrut Triasland"
Der Ort Memleben wurde bereits 780 im Hersfelder Zehntverzeichnis erwähnt. Bei der mit Mimilebo, Mimileba oder Mimileiba (= Erbgut eines Mimo oder Mimi) bezeichneten Siedlung aus der Thüringerzeit gründeten bereits die Franken einen befestigten Hof, der später im Besitz der Liudolfinger zur Burg oder Königshof wurde. Als "curtis regia" der Herzöge, Könige und Kaiser erlangte der Ort ein Jahrhundert später reichsweite Bedeutung. An der Unstrut, gegenüber der heutige Ortslage, befand sich um 830/ 850 außerdem das früh wüst gewordene Klein Memleben mit Hersleber Gütern. Das Dorf Memleben, heute mit den Nachbarorten Wohlmirstedt und Bucha die Gemeinde Kaiserpfalz bildend, liegt am mittleren Lauf der Unstrut. In Memleben beginnt das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut mit einem in Sichweite im Hangbereich der Steinklöbe gelegenen Weinberg gekennzeichnet, tangieren die Tourismusrouten Weinstarße Saale-Unstrut und Straße der Romanik den Ort. Der Weinanbau um Memleben soll bis zum 30-jährigen Krieg etwa 300 Hektar Fläche umfasst haben. Wie in vielen Dörfern und Städten der Region findet man auch in Memleben Zeugnisse einer langen und wechselhaften Geschichte.
Besondere Bedeutung erlangte der landschaftlich reizvoll gelegene Ort im 10. Jahrhundert durch seinen Königshof, vergleichbar mit gleichrangigen Örtlichkeiten wie Merseburg, Allstädt und Balgstädt.
In Memleben starben König Heinrich I. (936) und dessen Sohn und Erbe Otto I. (973). Zwar wurde Kaiser Otto I. in Magdeburg bestattet, doch sollen seine Innereien und sein Herz in der unter seiner Regentschaft errichteten Marienkirche beigesetzt worden sein. Aus dieser Zeit stammen die baulichen Reste der ersten Klosterkirche, einer der bedeutensden frühen Steinbauten der Region. An die herausragende Größe und Grundstruktur des Kirchenbaues erinnert heute das in einer Steinpflasterung rekunstruierte Fundament in seinen Umrissen und das auf der südlichen Seite erhalten gebliebene Mauerwerk mit dem so genannten "Kaisertor".
Otto II. (954-983) stiftete 979/ 980 in Memleben eine ungewöhnlich reich ausgestattete, reichsfreie Benediktinerabtei. Er verankerte den Ort nachdrücklich in die Erinnerungskultur des ersten deutschen Königshauses. 994 hielt Memleben unter Otto III. das Markt-, Münz- und Zollrecht und vorübergehend noch größere Bedeutung. Erst im Zuge der Regentschaft von Heinrich II. verlor Memleben zunehmend an Bedeutung. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Neubau des Klosters mit Kirche nordöstlich der älteren Kirche. Vermutet wird, dass Bauwerksteile der ersten Kirche in den Nachfolgebau integriert worden sind. Das Benediktinerkloster wurde im Zuge des Bauernkrieges 1525 gestürmt, das Klosterleben 1551 aufgehoben und sein Besitz an die Landesschule Schulpforte übereignet. Die spätromanische Klosterkirche ist seit 1722 als Ruine erhalten geblieben, nachdem durch Blitzschlag das Dach abgebrannt und das Bauwerk dem Verfall preisgegeben war.
Von hohem kulturhistorischem Wert ist die sehr gut erhaltene dreischiffige Hallenkrypta unter dem nördlichen Teil der Klosterkirche. In der Dorfmitte von Memleben liegt die Dorfkirche St. Martin, die hinsichtlich ihrer Entstehung noch einige Rätsel aufgibt. Zahlreiche Umbauten und verloren gegangene schriftliche Überlieferungen erschweren die heutigen Nachforschungen zur Bauhistorie. Die Kirche ist aus Buntsandstein im Stil einer Hallenkirche errichtet worden mit einem vorgelagerten Westturm. Im zu Memleben gehörenden Ortsteil Wendelstein liegt in Sichtweite die gleichnamige Burg auf einem etwa 30 Meter über dem Unstruttal aufragenden Gipsfelsen des Zechsteins. Hier war "Ende und Wende" des Reiches der Sachsen.
Den Überlieferungen nach soll der Name Wendelstein aus dieser Bezeichnung hergeleitet sein, da die Burg vor 900 Grenzbefestigung zwischen Franken und Sachsen war. Die Burg Wendelstein hat eine sehr bewegte Geschichte und wurde 1312 erstmal als Besitz der Grafen von Rabenswalde erwähnt. Ihre Ursprünge dürften jedoch weit älteren Datums sein, zeigten Bodenfunde bereits Besiedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit, könnte später als Fluchtburg und vielleicht Vorposten der bis heute noch nicht lokalisierten Kaiserpfalz Memleben fungiert haben. Die Familie von Witzleben kaufte 1355 die Burg und ließ umfangreiche Um- und Ausbauten im Stil der Renaissance ausführen. Die Anlage erhielt starke Befestigungsanlagen und diente im Bauernkrieg 1524 als Zufluchtsort aller Adligen immittleren Unstruttal. Im Dezember 1640 stürmten und sprengten die Schweden im 30-jährigen Krieg die Burg. In der Folgezeit wechselten mehrfach die Besitzverhältnisse der Burg.
Die Unterburg blieb im ruinösen Zustand bis zur Gegenwart erhalten, wurde lediglich die Oberburg, die sich heute in Privatbesitz befindet, wieder aufgebaut.
Die Klosteranlage ist heute eine Stiftung. In den zurückliegenden Jahren wurden zum Erhalt der Klosteranlage umfangreiche Bau- und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Heute befindet sich in den Räumen eine multimediale Ausstellung zur Kloster- und Kaiserpfalzgeschichte, wurden die Außenanlagen als Klostergarten nach historischem Vorbild gestaltet. Zahlreiche Veranstaltungen und Führungen laden die Besucher zum Schauen und Erleben, zum Eintauchen in den Alltag früheren Klosterlebens ein. Die Anlage zählt inzwischen zu den touristischen Markensäulen des Landes an der "Straße der Romanik".
Am 27.11.2010 im Burgenlandjournal des Naumburger Tageblatt/Mitteldeutsche Zeitung erschienen.
Verfasser: Gisela Jäger





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