Zur Geschichte der Naumburger Strassenbahn

Die "Elektrische" Herrenstrasse
 
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Dampfzug am Depot

Naumburg (Saale): Ringbahn | Bereits um 1700 gab es in Naumburg Sänften, sogenannte Portechaisen, zum Transport von Reisenden. Sie waren am Herrentor platziert und wurden von den Wachsoldaten des Herrentores getragen.
Um 1815 wurden Pferdekutschen eingeführt, um den gestiegenen Transportbedarf zu decken.
Mit dem Bau der Thüringer Eisenbahn 1846 musste das Transportgewerbe in geregelte Bahnen gelenkt werden. Es wurde eine Polizeiverordnung und eine Konzessionspflicht für Droschken und Mietkutschen eingeführt. Haltestellen wurden eingerichtet und ein fester Fahrpreis erhoben.
Wegen der schlechten Strassenverhältnisse kam die Idee auf, in Naumburg eine Pferdebahn zu errichten. Die Strecke sollte vom Bahnhof, über den Salzberg zum Markt verlaufen. Allerdings erwies sich das Projekt als nicht finanzierbar.
1885 wurde der Plan wieder aufgegriffen. Dieses Mal war eine Trasse vom Bahnhof, über Georgenberg und Steinweg zum Markt im Gespräch.

1889 trat der Ingenieur von Kreyfeld mit seinen Plänen vom Bau einer Dampfstrassenbahn an den Rat der Stadt Naumburg heran. Die Strecke sollte vom Bahnhof, Jägerplatz, Lindenring, Markt zum Wenzelstor führen. Später sollte die Strecke nach Almrich und Bad Kösen verlängert werden.

Am 18. Juni 1892 gründete sich die Naumburger Strassenbahn AG, als Betreiber der Strecke. Erste Gleisbauarbeiten fanden Anfang Juli 1892 am Hauptbahnhof statt, bereits am 2. August 1892 wurden die letzten Schienen am Wenzelstor verlegt.
3 Kastendampfloks von der Firma Krauss trafen aus München ein, Lindner Ammendorf baute 4 Beiwagen und 2 Gepäckloren für Naumburg. Nach 74 Tagen Bauzeit wurde die Bahn am 15. September 1892 eröffnet.

Um die Bahn finanziell abzusichern, wurde ein neues Konzept erstellt und die Bahn ging am 1. Oktober 1900 in den Besitz der Stadt Naumburg über.
Die Strecke nach Almrich und der Bau eines neuen Depots wurden auf Eis gelegt, stattdessen begann man mit dem Bau der Anlagen für den elektrischen Betrieb. Masten, Oberleitungen, eine Trafostation und ein Umformer wurden gebaut.

Am 25. Oktober 1906 rollte der letzte Dampfzug in das Depot am Heinrich-von-Stephan-Platz.
Die Dampfloks sollen verkauft worden sein und bis in die 50er-Jahre am Garda-See in Betrieb gewesen sein. Ähnliche Kastendampfloks kann man heute noch in den Sommermonaten in Prien am Chiemsee beobachten.

Im Dezember 1906 wurde der Stadt Naumburg eine neue Konzession für den Betrieb erteilt. Es trafen 6 neue Triebwagen und 4 Beiwagen in Naumburg ein. Am 2. Januar 1907 konnte der elektrische Betrieb aufgenommen werden. Es wurde im 20-Minuten-Takt in 2 Richtungen gefahren. Der Fahrpreis betrug 10 Pfennig.
1910 (andere Quellen 1908) wurde die Bahn bis zur Michaelisstrasse verlängert, zu Ostern 1914 erfolgte der Ringschluss bis zum Bahnhof. Nun bestand ein erhöhter Bedarf an Triebfahrzeugen, es wurden 3 weitere Triebwagen mit den Nummern 7 bis 9 aus Werdau angeschafft. 1927 wurde nochmals ein TW mit der Nummer 10 angeschafft.
Die Triebwagen 1 bis 6 und 8 bis 9 wurden in den fünfziger Jahren verschrottet. Wagen 7 fiel am 12. April 1945 einen Bombenangriff zum Opfer.
1960 wurde leider auch Wagen 10 verschrottet. So ist kein Wagen aus den Anfangsjahren der Strassenbahn erhalten geblieben.

Ab 1956/57 kamen, in Gotha umgespurte und modernisierte, Leipziger Aufbauwagen nach Naumburg. Sie wurden in den Jahren 1909 bis 1913 von der Fa. Herbrandt Köln gebaut. Ebenfalls kamen 2 Lindner-Wagen aus Halle nach Naumburg. Die Fa. Voll in der Kösener Str. baute die Wagen zu Beiwagen um. Sie waren bis 1973 im Einsatz.

Im Oktober 1962 wurde der schaffnerlose Verkehr eingeführt, in allen Wagen hing jetzt eine Zahlbox.

Ab 1973 begann die Ausmusterung der kleinen Leipziger Wagen. Überlebt hat nur Wagen 15, er steht heute bei den Strassenbahnfreunden in Halle und wartet auf seine Aufarbeitung.
Gleichzeitig kamen gebrauchte Lindner-Triebwagen aus Halle nach Naumburg. Sie bekamen die Nummern 11 bis 19 in Zweitbesetzung. Wagen 17 ist erhalten und wird Stück für Stück aus Spendenmitteln wieder aufgebaut.

Im April 1976 wurde der Ring unterbrochen. Zwischen Theaterplatz (Platz der Einheit), Markt und Lindenring fuhren keine Bahnen mehr.
1981 erfolgte die Ringschließung vom Theaterplatz zur Gartenstrasse. Der Abschnitt zum Lindenring wurde stillgelegt.

Nach vielen Rückschlägen und Unsicherheiten, wo die Einstellung des Betriebes mehr als einmal im Gespräch war, gab es seit 30. März 2007 einen Probebetrieb.

Im Dezember 2010 wurde die Naumburger Strassenbahn in den ÖPNV Sachsen-Anhalt aufgenommen. Sie erhält, wie alle anderen Strassenbahnbetriebe in Sachsen-Anhalt auch, Zuschüsse vom Land. Ihr Bestand ist bis mindestens 31. Dezember 2012 gesichert.

Quelle nach: http://www.stadt-naumburg.de/Sehen/NBahn.html

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Weiterveröffentlichungen:

Naumburger Tageblatt | Erschienen am 02.02.2011
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Reinhard Schittek aus Tangerhütte am 17.01.2011 um 16:25 Uhr  
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) am 17.01.2011 um 16:59 Uhr  
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