Zu MZ Artikel: "Burg unterm Hakenkreuz" - Foto sorgfältig gewählt?

Lieber Herr Kowa,

sehr mutig und ehrlich geschrieben fand ich Ihren Artikel zum Status des Welterbeantrages hier in Naumburg. Sie haben ganz meinem Denken aus dem Munde gesprochen.
Nicht einverstanden erklären kann ich mich mit der Auswahl des zeitgenössischen Fotos zur Kunstgewerbeschule Halle in den Jahren 33-45.

Vor ein paar Jahren gab es mal eine Internetaktion der SPD gegen rechten Fremdenhass, in der Hass mit zwei Fraktur S geschrieben war.
Ich denke Sie sind kunstgeschichtlich soweit bewandert, zu wissen, dass der sogenannte Bormann-Erlass kurz vor Ende des Krieges die sogenannten Judenlettern - nicht die Antiqua, sondern die Fraktur sic!!! verboten hat. Das ist eine der wenigen Lücken in der nun schon panisch betriebenen Endlosaufarbeitung der NS Geschichte. Eine vollständige Entnazifizierung hätte nämlich eine Rückkehr zur Druckschrift unseres Mittelalters, unserer Aufklärung, unserer Romantik des Kaiserreichs und der goldenen zwanziger bedeutet.
Noch dazu ist ein doppel Rund-s in der Fraktur nicht vorhanden, wie man aus den älteren Duden Ausgaben der DDR incl. der Angaben zum Fraktursatz lesen kann, aber auf optische Tricks mit Runen ss komme ich noch.

Grotesk Fraktursätze wie sie im Foto auf den Urkunden zu sehen sind, entsprachen dem Zeitgeschmack der End-Zwanziger Jahre, waren also damals so hip wie heute Steam punk oder Retro Etiketten auf vielen unserer Bierflaschen.
Diese Schriften wurden genauso von jüdischen, wie von deutschen Deutschen entworfen - ein Ausflug ins Schriftmuseum nach Leipzig lohnt sich da für Interessierte.

Und dass die vier F des Turnvaters Jahn "Frisch, Fromm,Fröhlich, Frei" wohl wenig mit Rassepolitik und Kriegshetze der Nazis zu tun hatten, wissen sie ja eigentlich, haben aber wohl den billigen Trick darin gesehen, dass es für Unerfahrene wie ein Hakenkreuz, Runenzeichen oder eben, wie sie es anscheinend wollten, Nazisymbol aussieht. Eher hatte es mit dem Ruf nach Befreiung von der französischen Fremdherrschaft zu tun. Aber wie ihre Zeitung ja schrieb werden ja jetzt auch Jahn Schulen umbenannt.

Auch die Umschrift der Urkunde ist kein Nazisspruch. Hatten sie wirklich kein Foto von dem im Artikel beschriebenen rassischen Emaille-Kästchen zur Hand. Das hätte besser gepasst.
Und wenn es einer ganz genau nimmt, schreibt er in einer Replik, dass der Herr Kowa nicht erkennen wollte, dass da jemand einen, einem jüdischen Gebetsschal nachempfundenen DFB Vereinsschal, entworfen hat und damit indirekten Widerstand geleistet hat. Das muss ihre Forschungsabteilung dann erstmal widerlegen...

Ich würde sagen Ziel des Aufsatzes wegen ungenügender Illustrierung total verfehlt. Sie rufen bei mir eher ein Schutzbedürfnis für unschuldig verdammte als Abscheu vor dem Verabscheungswürdigen hervor.

Falls mal einer auf die Idee käme die Frakturschrift als Weltkulturerbe aufzunehmen, würde ich sie das lieber nicht machen lassen :-) Zum Kritikus haben sie ja das Zeug, aber: Erstmal selber besser machen!

Viele Grüsse aus Naumburg, (Wenn sie eine Diskussion auf fachlichem Niveau zu Fraktur interessiert, können sie mir gerne antworten.)

Jörg Krämer

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Kornelia Lück aus Zeitz | 28.05.2015 | 08:39  
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