Der Roman für Naumburg VIII

Eine weiterer Ausschnitt:

Als ich wieder wach wurde, lag ich in meinem Bett, Maria saß an meiner Seite, einen kühlen, nassen Lappen in der Hand haltend. Sie sah mich besorgt an, als ich vorsichtig die Augen öffnete. Das Kerzenlicht blendete mich anfangs sehr, obwohl der Rest unseres Schlafzimmers dunkel war.
„Alles in Ordnung mit dir?“
Ich biss mir auf die Unterlippe, langsam fielen mir die Ereignisse des Tages wieder ein. Und mein Zusammenbruch. Wie von allein nickte mein Kopf.
„Ja.“
Maria wischte mir mit dem kühlen, feuchten Lappen über die Stirn.
„Geht schon wieder.“
„Du hast mir Angst gemacht, Hannes.“
„Tut mir leid. Ich hatte auf einmal ein Bild vor Augen … Vielleicht war es einfach zu viel gewesen, keine Ahnung.“
„Schsch … Bleib einfach liegen.“
„Wie spät, wie lange liege ich hier schon?“
„Ziemlich lange. Du hast furchtbar gelacht und Siegfried hat Dich hier heraufgebracht. Wenn du wieder zu dir kommen solltest, dann will er auch so ein Bett haben. Du sollst ihm erklären, wie man so etwas baut. Aber ich glaube, er hat dich schon abgeschrieben.“
„Ich habe gelacht?“
Marias mitleidige Gesichtszüge sagten alles über meinen Zustand.
„Ja, ich erinnere mich daran. Mir kam der Gedanke, dass ich im Winter stundenlang dort draußen gestanden und überlebt hätte, nur um dann vor einem verschlossenem Stadttor zu erfrieren.“
„Was?“
„Egal. Siegfried will ein Bett haben? Soll er Ingolf beauftragen, kommt der Junge wenigstens gleich zu ein bisschen Geld.“
„Ich glaube aber eher, dass er es von dir gebaut haben will.“
Maria wischte mir wieder über die Stirn, holte tief Luft und sah mich an. Ich wusste, was sie mich fragen wollte. Ein paar Sekunden ließ ich noch verstreichen, ehe ich ihr alles erzählte. Davon, was Ingaris zu mir alles sagte, wie sie ins Moor gegangen war, wie sie versunken ist und auch darüber, dass ich den Eindruck hatte, dass sie zwar mit mir gesprochen, mir aber nicht bewusst gewesen wäre, dass sie dabei den Mund geöffnet hätte.
Als ich fertig war, schwieg Maria. Ich hatte das Gefühl, als würde wieder ein kühler Wind über meinen Körper streifen. Aber das konnte nicht sein, wir hatten die Holzbretter bereits vor die Fenster genagelt, weil die Nächte schon recht kühl waren.
Ich sah zu Maria auf. Sie fröstelte ebenso wie ich und ich strich ihr über den Arm.
Maria drehte den Kopf zur Seite, eine Träne rann ihr über die Wange.
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