Der Roman für Naumburg VI

Heute möchte ich einen kleiner weitern Ausschnitt des zweiten Romanes von "Weil die Zeit sich berühren will" hier vorstellen:


Wie grausam muss das Wissen sein, dass man selbst Stück für Stück dem sicheren Tod entgegengleitet.
Wieder war ein Summen in meinem Kopf, ich konnte deutlich Ingaris Stimme hören. Doch eigentlich befand sie sich viel zu weit weg, um überhaupt noch etwas sagen zu können, was ich auch hören würde. Aber ihre Stimme klang deutlich in meinem Kopf, erklang in mir.
„Es ist schon gut so, Hannes. Ich wusste, dass dies eines Tages passieren würde. Und ich wusste vom ersten Moment an, wer ihr beide es seit. Das Omega. Das Ende, ohne den es das Alpha nie geben wird.“
Wie war das möglich? Ich wollte schreien, wollte der alten Frau zu Hilfe eilen. Doch weder brachte ich einen Ton über meine Lippen noch war ich in der Lage, mich auch nur einen Millimeter zu bewegen.
„Ihr werdet es spüren, sie will Eure Freundin werden. Lebt wohl, Hannes, grüß mir die anderen. Und die hier alle wissen es nicht besser, denkt daran.“
Sie versank immer schneller, es schien, als würde sie vom Boden förmlich verschluckt werden. Als nur noch ihr Kopf zu sehen war, ging alles sehr schnell. Mit einem Schmatzen, welches eigentlich nicht zu hören gewesen war, versank ihr Kopf, als würde sie nicht im Morast, sondern einfach in Wasser abtauchen. Eine Luftblase war das Letzte, was ich von ihr sehen konnte.
Ingaris wurde in den Augen der Bewohner zu Gott gerufen.
In meinen Augen wurde sie durch die Bewohner aus Angst und Unwissenheit umgebracht. Mir wurde schwarz vor Augen und es schien, als würde ich fest einschlafen.
Irgendwann spürte ich kräftige Arme, die sich um meine Schultern legten, spürte die Wärme menschlicher Haut. Wie von allein öffneten sich meine Augen und ich konnte verschwommen in das besorgte Gesicht von Karl sehen, dem Hauptmann der Stadtwache. Aber die Arme auf meinen Schultern gehörten zu Siegfried.
„Alles in Ordnung mit Euch, Meister Hannes?“
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